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Abroad-Blog

Abroad Blog-Florian Iberer (11): Kurztrip nach Miami oder: „Gestrandet im Paradies“

Mit 35 Jahren zählt er zu den Routiniers im Österreichischen Eishockey und hat einiges erlebt. Vor allem sein Auslandsabenteuer in der Saison 2016/17 wird Florian Iberer immer in Erinnerung bleiben und daran lässt er in seinem „Abroad-Blog“ auf Hockey-News alle Fans exklusiv teilhaben.

Über 500 EBEL-Spiele, ein Meistertitel, etliche Nationalteameinsätze mit dem Höhepunkt der olympischen Spiele in Sochi – nur ein Ausschnitt der langen und erfolgreichen Karriere des Grazers.

Nach Stationen in Linz, Klagenfurt, Wien sowie Auslandsabenteuern in Nordamerika, Deutschland und Schweden versuchte sich der einer Eishockeyfamilie entstammende Defender mit 33 Jahren nochmal in Übersee und heuerte bei den Reading Royals an. Und es sollte ein unvergessliches Abenteuer werden, von dem er in seinem „Abroad Blog“ berichtet:

Nach dem Heimsieg im Nachmittagsspiel (36. Spiel – Saisonhalbzeit) gegen die Elmira Jackals ging es direkt ins „Allstar Break“. Für meine Freundin Lisa, ihre Freundin Karin (die uns nach ihrem NYC Urlaub besuchte) und mich ging es für 3 Nächte nach Miami. Nach diesem Intermezzo warteten bis zum Saisonende am 8. April noch 36 Spiele auf mich und die Jungs. Es war also quasi ein letztes Mal Durchatmen bevor der sogenannte „Grind“ begann. 36 Spiele in 79 Tagen (inkl. Reisestrapazen) erklären den Begriff „Grind” (abreiben) recht gut. Daran dachte ich aber keine Sekunde als ich mit dem Mietauto Richtung Flughafen Philadelphia fuhr. Alles was ich vor mir sah, waren Strand und Sonne. Leider sah ich vor mir auch immer mehr Autos und als wir vielleicht die Hälfte der sonst maximal 45-minütigen Fahrt hinter uns hatten, standen wir still. „Das wird knapp“, schoss es mir durch den Kopf als ich die Navi-App studierte und sah, dass wir noch knapp eineinhalb Stunden bis zum Abflug hatten. Wir mussten noch das Mietauto retournieren und dann mit dem Shuttle zurück zum Terminal fahren.  
 
Auf der vierspurigen Autobahn wälzte sich die Blechlawine nur langsam Richtung Flughafen. Ich konnte Lisa und Karin nicht wirklich sagen, ob wir es schaffen würden oder nicht. Als wir 40 Minuten vor Abflug die Abfahrt erreicht hatten, war ich vorsichtig optimistisch. Allerdings nur bis zu dem Moment wo ich merkte, dass ich bei der falschen Leihwagenfirma eingebogen war und durch die reifenschneidenden Absperrungen rückwärts nicht wieder hinaus kam. Jetzt blieb mir nichts anderes übrig als mich hinter drei ausfahrenden Autos anzustellen. Das kostete ordentlich Zeit, denn erst wurde ja noch jeder kontrolliert. Als ich mit dem falschen Mietwagen zum Schranken kam wurde ich zwar nicht kontrolliert, belächelt allerdings schon. Eine Einfahrt weiter waren wir dann aber endlich richtig und wir konnten flott das Auto abgeben und ein Shuttle war auch sofort parat. Ich sah im Shuttle nochmal auf die Uhr, sah die zwei Damen an und schüttelte den Kopf. Dann brach Gelächter aus. In Anbetracht der Lage war es wohl ein Ausdruck der Verzweiflung.

Zuerst druckten wir schnell die Tickets am Selbstbedienungskiosk und zu unserem Glück waren nur drei Leute in der Schlange zum Sicherheitscheck vor uns. Lisas Freundin Karin hatte es beim Bodyscanner besonders eilig und lief einfach durch den Scanner ohne darin, wie vorgeschrieben, stehen zu bleiben. Das gefiel dem Securitypersonal gar nicht und sie bekam gleich die volle Sonderbehandlung für eilige Flugreisende. 15 Minuten vor Abflug waren wir dann endlich am Gate und zu unserer Verwunderung und riesiger Freude war das Boarding noch in vollem Gange. „Miami, wir kommen!“  

Nach dreistündigem Flug waren wir endlich in Miami angekommen. Als wir vor dem Ausgang standen, studierten wir den schnellsten Weg zum Mietwagenverleih. Unterbewusst wollte niemand wegen der sonst gewohnten Kälte nach draußen gehen. Als dann jemand durch die automatische Schiebetür ging und uns die heisse Nachtluft Miamis entgegen kam, stürmten wir nach draussen und mussten über uns selbst lachen. Es war einfach nur herrlich.  

Um Mitternacht kamen wir beim Haus meines Freundes Daniel Hammler an, der hier im „Sunshine State“ seinen Lebensmittelpunkt gefunden hatte. Wir kannten uns bereits aus Kindheitstagen vom Eishockey und sind später noch zusammen in Graz in die Oberstufe gegangen. Er war so nett, uns drei Urlauber bei sich und seiner Familie aufzunehmen.

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Am Morgen bescherten uns die Hammlers ein herrliches Frühstück im Garten bei 25 Grad und Sonnenschein. Danach fürhrte uns Daniel durch Miami Beach, Downtown Miami und noch einiges mehr. Bevor Daniel zur Arbeit musste (er war Drummer einer bekannten Band, die fast jeden Tag in einem der vielen Clubs von Miami spielte) zeigte er uns noch ein besonderes Highlight von Miami. Wir schlichen uns, in etwas illegaler Manier, auf das höchste Hochhaus der Sonnenmetropole, das obendrein auf dem Dach noch einen privaten Pool für die Bewohner zu bieten hatte. Dort hatte Daniel seiner Frau den Heiratsantrag gemacht. Zugegeben war die Location dafür schwer zu toppen. Trotz seiner Touristenführerfunktion musste Daniel am Abend noch zu seinem Auftritt im Blue Martini Club in Downtown Miami. Wir liessen uns die Chance nicht entgehen „Dan“ bei der Arbeit auf die Finger zu sehen, denn als ich ihn das letzte Mal beim Schlagzeugspielen gesehen hatte, war das beim „Bandwettbewerb“ im Grazer Orpheum (ca. 1999). Nicht nur wir waren von der Band begeistert, sondern der ganze Club rockte zusammen mit den Musikern.

Am zweiten Tag besuchten wir, zusammen mit den Hammlers, Fort Lauderdale. Als wir an der Strandpromenade an einer Sportsbar vorbei gingen und ich auf einem Fernseher das ECHL Allstar-Game sah, das gerade auf dem NHL Network lief, wurde ich ein bisschen daran erinnert, dass demnächste der Ernst des Profi-Lebens zurückkehrt. Der kurze Realitycheck war aber angesichts der Traumkulisse sofort wieder in Vergessenheit geraten.  

Am letzten Tag machten Karin, Lisa und ich noch einen Abstecher zu einer Alligatoren Farm in den Everglades. Bei der Bootstour mit den aus dem Fernsehen bekannten Airboats wurde ich, Dank ungünstiger Aussenposition ordentlich nass. Die Damen schmunzelten bei jeder Welle die über die Bordwand hereinschwappte. Alligatoren kamen aber zumindest keine ins Boot. Danach ging es zurück Richtung Fort Lauderdale von wo wir am Abend wieder nach Philadelphia fliegen wollten. Wir waren diesmal viel zu zeitig am Flughafen, da wir einerseits diesmal keinen Stau hatten und der Flug auch gleich noch zwei Stunden Verspätung aufwies. Da machte ich mir doch etwas Sorgen, ging zum Schalter und fragte, ob der Flieger auch mit Sicherheit heute noch abheben würde. Die Dame versicherte mir, dass es sich nur um eine Verspätung handelte. Zwei Stunden später wurde der Flug gecancelt…

Ich hatte den Coach schon informiert, dass mein Flug Verspätung hatte, nun musste ich ihm mitteilen, dass ich zum morgigen Pregame Skate nicht rechtzeitig eintreffen würde. Er nahm es, wie bei den Spielern deren Flüge zu Weihnachten ausfielen, recht gelassen. Zum Glück hatte ich mir für diesen Trip zuvor sein OK eingeholt und er wusste, dass diese Möglichkeit immer bestünde. 

Ungefähr einhundert Personen wollten nun plötzlich gleichzeitig ihre Flüge umbuchen. Einigen merkte man die stressige Situation deutlich an. Viele mussten ja am nächsten Morgen bei einem wichtigen Meeting oder im Büro sein. Zuerst war ich noch relativ ruhig und stelllte mich brav – wie es in den USA so üblich ist – hinten in der Schlange an. Zum Glück war ich an ca. 20. Stelle und musste nur eine gute Stunde auf Auskunft warten. Da ich vermutete wenigstens gleich morgen Früh aus dem Sonnenparadies ausgeflogen zu werden, war mein Stresslevel noch nicht ganz so hoch wie bei anderen Passagieren. Als ich endlich dran kam, sagte mir die Dame am Schalter, dass frühestens in zwei Tagen wieder freie Sitzplätze nach Philadelphia verfügbar wären. Ab diesem Zeitpunkt war das Stressbarometer am Anschlag… 

Pic: Tom Boland Photography (Reading Royals)

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