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Abroad Blog/Flo Iberer (1): Auf in ein neues (altes) Abenteuer!
Von: Markus Rinner Am: 23 Nov, 2016 | Kategorien: Abroad Blog, Florian Iberer, Kolumnen, zSlideshow

Es ist das Ziel jedes Eishockeyspielers in einer der ganz großen Ligen dieser Welt sein Können unter Beweis zu stellen. Nicht viele Österreicher haben das Potenzial dazu und das Glück das man auch braucht um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein um diese Chance zu erhalten. Zwei die diese Chance bekamen und nutzten sind Florian Iberer und Dominique Heinrich. Für Hockey-News berichten die Beiden von ihren Erfahrungen in teils neuen (Heinrich), teils bekannten (Iberer) Ländern wo sie eines verbindet: Immer wieder neue Erfahrungen in der großen weiten Welt des Eishockeysports die sich als spannende Abenteuer herausstellen und wo sie uns in ihrem „Abroad-Blog“ teilhaben lassen.

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Geboren und aufgewachsen in Graz, war Florian Iberer in seiner Familie einer von drei Jungs, die sich dem Eishockeysport widmeten und darin ihre Berufung suchten. Während seine Brüder Martin (3 EBEL-Einsätze für Graz) und Matthias (543 EBEL-Spiele für Graz & Linz) ihre Karrieren beendeten und sich einerseits aufs Tore verhindern (Martin) und Tore schießen (Matthias) spezialisierten, ist es die Mischung daraus, die Flo Iberer auszeichnet. Ein torgefährlicher Offensivverteidiger, der im Powerplay auf Grund seines harten Schlagschusses eine Waffe ist, aber auch defensiv zu überzeugen weiss.

Graz, Klagenfurt und Wien waren die EBEL-Stationen (476 Spiele) des 33-jährigen, der einen Meistertitel mit dem KAC feierte (2013), 2004 fürs österreichische Nationalteam debütierte und es auf 65 Teameinsätze brachte, darunter eine Olympiateilnahme. Deutschland und Schweden hat Iberer ebenso auf seiner Vita stehen, wie drei Spielzeiten in Nordamerika, denn dort versuchte er sich zwischen 2005 und 2008. Nun ging es zurück in die Staaten und Flo Iberer lässt uns mit seinem Hockey-News „Abroad-Blog“ an seinem Trip teilhaben.

In der ersten Ausgabe erzählt der Defender von den Vorbereitungen zu seinem Engagement, warum dieses beinahe scheiterte, welche Bedingung er an den hiesigen Coach stellte und welcher altbekannte EBEL-Crack ihm erste Tipps gab.

(Foto: Sport-Bilder.at/Dostal)

Flo Iberer, im Februar dieses Jahrs noch als Blueliner der Caps (Foto: Sport-Bilder.at/Dostal)

Endlich sitze ich im Flieger nach New York. Die letzten Wochen waren ganz schön nervenaufreibend. Der Entschluss nochmal in die USA zu gehen und nochmal den American Way of Life zu erleben, diesmal das erste mal mit meiner Freundin Lisa, hat unser Leben ganz schön durcheinander gebracht.

Wenn man stundenlang im Flieger sitzt und schon nicht mehr weiss, ob man lesen, Film schauen oder schlafen soll, hat man genug Zeit die letzten Wochen Revue passieren zu lassen. Irgendwie konnte ich es noch gar nicht realisieren, dass ich nach neun Jahren nochmal nach Übersee gehe. Insgeheim hatte ich ja über die Jahre hinweg mit dem Gedanken des Öfteren gespielt, wirklich den Mut dazu hatte ich aber nie, da es in Europa dann doch um Einiges komfortabler zugeht. Da aber meine Chancen auf einen Vertrag bei einem EBEL-Powerhouse nicht besonders gut standen und der August immer näher rückte, wurden diese Gedanken zunehmend konkreter.

Durch ein paar Hintertürchen hatte ich mein Interesse bekundet, in der ECHL zu spielen. Erfreulicherweise waren sogar einige Teams interessiert – nicht selbstverständlich für einen 33-jährigen Europäer (ich bin der älteste Spieler im Team), der in seiner Nordamerika Vergangenheit eher nur durchschnittliche Statistiken aufweisen konnte.

Mitte August bekam ich dann einen Anruf von meinem heutigen Coach Larry Courville, der zuvor bereits einen aufwendigen Backgroundcheck gemacht hatte. Schliesslich will ja niemand die Katze im Sack kaufen, denn für sein Team sollte ich eine Rolle erfüllen, die nicht unbedingt meiner damaligen entsprach. Da Geld nie ein Thema war und ich sein erstes Angebot für fair hielt, akzeptierte ich dieses sofort. Einzige Bedingung meinerseits war ein eigenes Apartment. Unverheiratete Spieler wohnen hier für gewöhnlich zu zweit. Ein bisschen Privatsphäre war mir für mich und meine Freundin dann doch wichtig.

Kaum hatte ich unterschrieben, bekam ich schon einige amüsante Whatsapp Sprachnachrichten mit franko-kanadischem Akzent. Olivier Labelle, ein alter Bekannter aus EBEL Zeiten, war schon informiert und gab mir die ersten Infos zum Team, zur Halle und zu meiner neuen Heimat Reading. Ich freute mich sehr gleich eine Ansprechperson zu haben – super Typ.

Nach dem Boardservice hole ich mein neues Buch heraus und lese ein wenig, um die Zeit halbwegs sinnvoll zu nutzen.

“Your Visa is hereby denied.” schallt es durch meinen Kopf und ich ärgere mich immer noch über die Situation bei meinem ersten Visa Gespräch in der amerikanischen Botschaft in Wien. Ich rief damals den Coach an und musste ihm sagen, dass es wohl etwas Schwieriger wird als geplant. Zum Glück behielt er die Ruhe und erklärte mir, dass sie auch hier in den USA gleich für ein Sportler Visa ansuchen können – dauert halt ein bisschen länger. Es war ja noch ein Monat bis zum Abflug. Als der Sportler-Visaantrag dann nach drei endlosen Wochen von den amerikanischen Behörden bestätigt wurde, hatte ich nur noch eine Woche Zeit, um einen neuen Termin in Wien auszumachen und das fertige Visa in den Pass zu bekommen. Mein Flug war vom Team für Donnerstag, den 29. September gebucht. Laut Homepage der Botschaft war der nächstmögliche Termin Dienstag, zwei Tage vor Abflug. Eigentlich kein Stress, aber die Zustellung des Reisepasses dauert im Normalfall fünf Werktage. Ich hoffte auf Expresszustellung oder ein Wunder.

Beim zweiten Anlauf in der Botschaft ging es dann etwas glatter. Bei der Annahme bekam ich die Info, dass ich den Reisepass im Falle eines positiven Antragsgesprächs am Mittwoch, dem Tag vor dem Abflug abholen könnte. Das eigentliche Visa-Gespräch war kurz und ein freundliches “Good Luck” wurde mir auch noch auf den Weg mitgegeben. Da fiel mir und allen Beteiligten doch ein Stein vom Herzen.

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Iberers Landeanflug-Pic am JFK-International Airport

Zwei mal Graz-Wien-Graz vor dem Abflugtag waren auch recht stressig. Ich hatte noch nicht mal gepackt. Bei den jeweiligen Abreisen zu meinen ersten drei Saisonen in den USA, hatte ich mich ganz gewissenhaft vorbereitet. Diesmal ging alles so nebenbei, da ja das Visa bis zur letzten Minute noch in der Luft hing. Ich packte nur das Notwendigste.
Abfluggepäck: Eine Eishockeytasche mit 22,5 Kilo. Darin Eishockey Minimalausrüstung, Kleidung für 14 Tage und ein Anzug für die Spiele. Dazu ein Stück Handgepäck.

“Warum tust du dir das eigentlich an?”, dachte ich mir, schaute auf den riesigen Ozean runter und musste mich selbst ein wenig belächeln. In diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich wohl ein bisschen verrückt bin. Ich habe immer das Abenteuer gesucht und versucht meinen eigenen Weg zu gehen. Ich kann dem Eishockey dankbar sein, dass ich all diese Dinge erleben darf. In einem fremden Land zu leben, neue Freunde zu gewinnen, fast die gesamte USA zu bereisen und dafür auch noch bezahlt zu werden, hört sich dann eigentlich doch recht gut an. Vielleicht sind es einfach diese Erfahrungen, die ich sonst nie gemacht hätte, wegen denen ich jetzt in diesem Flieger sitze.

Der Landeanflug auf den JFK Airport gestaltete sich relativ holprig, aber der Pilot brachte uns sicher ans Gate, von wo ich in der Ferne die Skyline von Manhattan bewundern konnte. Ich holte mein Handy raus, machte ein Foto (hätte ich gewusst dass ich es für einen Blog verwenden würde, hätte ich mich dabei mehr bemüht…) und schickte ein paar Zeilen nach Hause. Zeit zum Aussteigen hatte ich ja genug, 44. Reihe. Die Schlange vor der Immigration war endlos. Da dürften dann doch ein paar Flieger gleichzeitig angekommen sein. Eineinhalb Stunden wartete ich, um endlich an der Reihe zu sein. Beim Einreisen verlief alles problemlos. Ich holte meine Tasche und machte mich auf in die Ankunftshalle, wo ich bereits erwartet wurde.

Als ich durch die Tür hindurch ging, wurde mir erst so richtig bewusst, dass jetzt ein neues (altes) Abenteuer beginnen würde…

Fortsetzung folgt…