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Abroad Blog/Flo Iberer (2): Von beinharten Tryouts, ersten Coachingerfahrungen und einer KAC-Verbindung
Von: Markus Rinner Am: 21 Dez, 2016 | Kategorien: Abroad Blog, Florian Iberer, Kolumnen, zSlideshow

Es ist das Ziel jedes Eishockeyspielers in einer der ganz großen Ligen dieser Welt sein Können unter Beweis zu stellen. Nicht viele Österreicher haben das Potenzial dazu und das Glück das man auch braucht um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein um diese Chance zu erhalten. Zwei die diese Chance bekamen und nutzten sind Florian Iberer und Dominique Heinrich. Für Hockey-News berichten die Beiden von ihren Erfahrungen in teils neuen (Heinrich), teils bekannten (Iberer) Ländern wo sie eines verbindet: Immer wieder neue Erfahrungen in der großen weiten Welt des Eishockeysports die sich als spannende Abenteuer herausstellen und wo sie uns in ihrem „Abroad-Blog“ teilhaben lassen.

Geboren und aufgewachsen in Graz, war Florian Iberer in seiner Familie einer von drei Jungs, die sich dem Eishockeysport widmeten und darin ihre Berufung suchten. Während seine Brüder Martin (3 EBEL-Einsätze für Graz) und Matthias (543 EBEL-Spiele für Graz & Linz) ihre Karrieren beendeten und sich einerseits aufs Tore verhindern (Martin) und Tore schießen (Matthias) spezialisierten, ist es die Mischung daraus, die Flo Iberer auszeichnet. Ein torgefährlicher Offensivverteidiger, der im Powerplay auf Grund seines harten Schlagschusses eine Waffe ist, aber auch defensiv zu überzeugen weiss.

Graz, Klagenfurt und Wien waren die EBEL-Stationen (476 Spiele) des 33-jährigen, der einen Meistertitel mit dem KAC feierte (2013), 2004 fürs österreichische Nationalteam debütierte und es auf 65 Teameinsätze brachte, darunter eine Olympiateilnahme. Deutschland und Schweden hat Iberer ebenso auf seiner Vita stehen, wie drei Spielzeiten in Nordamerika, denn dort versuchte er sich zwischen 2005 und 2008. Nun ging es zurück in die Staaten und Flo Iberer lässt uns mit seinem Hockey-News „Abroad-Blog“ an seinem Trip teilhaben.

In der ersten Ausgabe erzählte der Defender von den Vorbereitungen zu seinem Engagement, warum dieses beinahe scheiterte, welche Bedingung er an den hiesigen Coach stellte und welcher altbekannte EBEL-Crack ihm erste Tipps gab. Heute geht es primär um die Troyutphase, in der hart um einen Verbleib gekämpft wurde, aber auch interessante Verbindungen nach Klagenfurt…

(Tom Boland Photography/Reading Royals)

Zuerst möchte ich mich hiermit bei hockey-news.info für die Veröffentlichung meines Blogs bedanken. Eines möchte ich jedoch noch richtig stellen: Wie im Vorwort richtig erwähnt, habe ich zwei Brüder, die Eishockeyprofis waren. Jedoch wurde der Leserschaft meine Schwester Anna vorenthalten (Anm. der Redaktion: Sorry Anna, du wirst ab der nächsten Ausgabe selbstverständlich eingebaut!) , die eine super Eishockeyspielerin ist (Jugend Olympiateilnehmerin). Anna ist nebenbei auch eine erfolgreiche Bloggerin und hat mir wertvolle Tipps zu meinem ersten Teil gegeben. An dieser Stelle richte ich einmal ein grosses Danke an sie. Weiters möchte ich mich für die vielen konstruktiven Kritiken und Tipps bedanken, die ich für meinen ersten Blogeintrag bekommen habe.

ECHL Training Camp Die ersten Tage in Reading vergingen wie im Flug. Zwanzig neue Mitspieler, dazu Betreuer, Physiotherapeuten und Coaches. Ein komplett neues Umfeld, eine andere Sprache und eine völlig andere Kultur. Dazu kamen noch eine ordentliche Portion Jetlag und etwas Nervosität, schließlich musste ich mich ja hier im Trainingslager beweisen. Am Abend vor Beginn des Trainingscamps hatten wir ein nettes Dinner im Team Hotel. Der Head Coach und der General Manager hielten jeweils eine Ansprache und erläuterten Erwartungen zu den Try Outs, den Zeitplan und die Teamregeln. Uns wurde deutlich vor Augen geführt – ob ECHL oder Try Out Vertrag – wer besser ist bleibt, denn die Verträge waren täglich kündbar. Weitere Meetings sollten später folgen, wenn die Mannschaft komplett war. Ich blickte mich um und rechnete ein bisschen nach. Von den zwanzig Spielern würden wohl nur fünf bis sechs im endgültigen Kader bleiben, da noch etliche Spieler in diversen NHL und AHL Camps um einen Fixplatz kämpften. Beim Dinner unterhielt ich mich köstlich mit Olivier Labelle über Eishockey und das Leben in Graz. Er war sehr gut befreundet mit meinem Bruder Matthias als sie beide zusammen in Graz spielten. Olivier gestand mir, dass er mich als Gegenspieler hasste (natürlich war das positiv gemeint). Ich erwiderte, dass ich dasselbe für ihn empfand. Außer Olivier kannte ich bei diesem Dinner nur Mike Marcou vom Namen her. Unter Anderem unterhielt ich mich auch mit ihm eine Weile. Ich war wirklich erleichtert gleich ein paar Mitspieler besser kennen zu lernen. Die ersten Einheiten im Camp waren wie erwartet recht hart. Eine Fitnesseinheit am Vormittag und ein Eistraining am Abend. Da unser Head Coach Larry vormittags beim AHL Club in Lehigh Valley eingespannt war, mussten wir am Abend aufs Eis. Für mich und mein Jetlag war das nicht gerade ideal. Um 18 Uhr Ortszeit, als ich in der Kabine zum täglichen Eistraining erscheinen musste, zeigte meine innere Uhr bereits Mitternacht an und unser Training begann erst eine Stunde später. Als ich dann nach den Trainings gegen 23 Uhr nach Hause kam war ich die ersten paar Tage meist völlig gerädert. Nach fünf Trainingstagen standen die einzigen beiden Testspiele gegen Elmira am Plan. Freitag zu Hause, Samstag auswärts. Ein kleiner Vorgeschmack auf den sehr dicht gedrängten Spielplan.

Iberer als Coach im Einsatz

Am Tag vor dem ersten Pre-Season Game holte mich der Head Coach zur Seite und fragte mich, ob ich beim ersten Testspiel am Freitag als Assistant Coach hinter der Bande stehen wolle. Er hatte vor, sich das erste Testspiel von der Pressebox aus anzusehen, um die Spieler genauer beobachten zu können. Das freute mich innerlich sehr. Erstens wusste ich damit, dass ich offensichtlich nicht ganz so schlecht trainiert hatte (Feedback ist hier quasi ein Fremdwort) und zweitens konnte ich mal ins Coaching hinein schnuppern und das gleich in der ECHL. Meine erste Coachingerfahrung ging gleich mal ordentlich in die Hose. Elmira spielte mit ihrem besten Lineup und wir hatten bis auf ein paar Spieler alle Try Out Kandidaten aufgeboten: 1:6. Ouch. Dennoch war unser Equipment Manager so nett und machte während des Spiels ein Foto von mir im Anzug auf der Bank. Dieses hatte ich gleich voller Stolz mit Familie und Freunden geteilt und natürlich auch mit meinen Kollegen vom ÖEHV-Trainerkurs. Die hohe Niederlage wurde dabei nicht erwähnt.  Samstag Vormittag wurde noch ein kurzes Training absolviert und danach ging es die vier Stunden nach Elmira, New York. Für mich war es ein besonderes Erlebnis, da ich in der Saison 2005/2006 das Trikot der Elmira Jackals bereits übergestriffen hatte, damals noch in der United Hockey League. Wir verloren auch dieses Testspiel, aber ich war mit meinem Comeback in den USA recht zufrieden. Elmira spielte wieder fast mit derselben Aufstellung und wir tauschten nur die erfahrenen Spieler aus, damit die Try Out Cracks sich beweisen konnten. Einige dieser Spieler ließen dann auch ordentlich die Fäuste sprechen. Ein ganz normales Exhibition Game in der ECHL also. Als wir von der Auswärtsfahrt gegen zwei Uhr früh nach Hause kamen, standen sechs oder sieben Spielernamen auf der weißen Tafel. Diese mussten, einer nach dem anderen, ins Coaches Office und wurden noch in der gleichen Nacht entlassen, da am nächste Morgen ein paar neue Spieler aus den AHL Camps hinzukamen. Man konnte einigen die Enttäuschung ansehen, die andere waren heilfroh den ersten Cut geschafft zu haben. Einer, der leider gehen musste, war Alexander Gogolev, ein Russe mit dem ich trotz einer gewissen Sprachbarriere einige lustige Unterhaltungen führte. Uns beide verband etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Wir lebten beide einmal in Klagenfurt und sein Vater spielte, so wie ich, einmal für den KAC. Es waren noch fünf Trainingstage bis zum Saisonbeginn. Jeden Tag kamen weitere Spieler hinzu und uns verließen gleichzeitig andere Spieler. Das Tempo und der Skill zogen noch einmal ordentlich an. Schön langsam machte ich mir ein bisschen Sorgen. Ich wusste, dass neben den sieben verbliebenen Verteidigern noch zwei Verteidiger mit NHL Verträgen bei unserem AHL Farm Team waren, die eigentlich für die ECHL Mannschaft vorgesehen waren. Um für diese Spieler Platz zu machen, musste noch zumindest ein Verteidiger entlassen werden. Die letzten Trainings liefen ziemlich gut und aufgrund der Trainingsaufstellung rechnete ich schon damit beim Auftakt dabei zu sein. Als ich am Spieltag in die Kabine kam war vor dem Pre Game Skate bereits das Line Up für das Auftaktspiel, wieder gegen Elmira, auf der Tafel. Sechs Verteidiger, zehn Stürmer und zwei Goalies. Es gab keine Überraschungen. Als wir vom Eis herunter kamen waren auf einmal zwei neue Nummern bei den Verteidigern hinzugefügt worden und zwei andere verschwunden. Die zwei Verteidiger vom AHL Club kamen doch. Zum Glück war meine Nummer noch am Board…

Fortsetzung folgt…