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Abroad Blog/Flo Iberer (3): Dem Home-Opener folgte der Besuch eines österreichisch/schwedischen Elches
Von: Markus Rinner Am: 4 Jan, 2017 | Kategorien: Abroad Blog, Florian Iberer, Kolumnen, zSlideshow

Es ist das Ziel jedes Eishockeyspielers in einer der ganz großen Ligen dieser Welt sein Können unter Beweis zu stellen. Nicht viele Österreicher haben das Potenzial dazu und das Glück das man auch braucht um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein um diese Chance zu erhalten. Einer der diese Chance bereits zum zweiten Mal bekam und nutzt ist Florian Iberer. Für Hockey-News berichtet er exklusiv von seinen Erfahrungen in der großen weiten Welt des Eishockeysports, die sich als spannendes Abenteuer herausstellt und von denen er uns in seinem „Abroad-Blog“ teilhaben lasst.

Geboren und aufgewachsen in Graz, war Florian Iberer in seiner Familie einer von drei Jungs, die sich dem Eishockeysport widmeten und darin ihre Berufung suchten. Während seine Brüder Martin (3 EBEL-Einsätze für Graz) und Matthias (543 EBEL-Spiele für Graz & Linz) ihre Karrieren beendeten und sich einerseits aufs Tore verhindern (Martin) und Tore schießen (Matthias) spezialisierten, ist es die Mischung daraus, die Flo Iberer auszeichnet. Ein torgefährlicher Offensivverteidiger, der im Powerplay auf Grund seines harten Schlagschusses eine Waffe ist, aber auch defensiv zu überzeugen weiss. Nicht zu vergessen ist auch Schwester Anna, die ebenfalls dem Eishockeysport verfiel und Österreich sogar bei Nachwuchsweltmeisterschaften und Youth Olympic Games vertrat.

Graz, Klagenfurt und Wien waren die EBEL-Stationen (476 Spiele) des 33-jährigen, der einen Meistertitel mit dem KAC feierte (2013), 2004 fürs österreichische Nationalteam debütierte und es auf 65 Teameinsätze brachte, darunter eine Olympiateilnahme. Deutschland und Schweden hat Iberer ebenso auf seiner Vita stehen, wie drei Spielzeiten in Nordamerika, denn dort versuchte er sich zwischen 2005 und 2008. Nun ging es zurück in die Staaten und Flo Iberer lässt uns mit seinem Hockey-News „Abroad-Blog“ an seinem Trip teilhaben.

In der ersten Ausgabe erzählte der Defender von den Vorbereitungen zu seinem Engagement, warum dieses beinahe scheiterte, welche Bedingung er an den hiesigen Coach stellte und welcher altbekannte EBEL-Crack ihm erste Tipps gab. In der zweiten Ausgabe ging es primär um die Tryoutphase, in der hart um einen Verbleib gekämpft wurde, aber auch interessante Verbindungen nach Klagenfurt… Heute berichtet Iberer vom Debüt vor heimischer Kulisse, einem Duell mit einem ehemaligen Linienpartner und sehnlichst erwarteten Heimatbesuch.

(Tom Boland Photography/Reading Royals)

“Mein ECHL-Comeback war ein Wechselbad der Gefühle. Die Santander-Arena war mit 6.400 Zusehern für den sogenannten “Home Opener” sehr gut besucht und die Fans machten ordentlich Stimmung, zumindest für nordamerikanische Verhältnisse. Bei der obligatorischen Hymne, die bei amerikanischen Sport-Events nicht fehlen darf, bekam ich dann ein ordentliches Kribbeln und ich dachte an den langen Weg (sowohl die lange Anreise als auch die vielen Umstände und Entscheidungen), der mich wieder in die USA gebracht hatte.

Den Text des “Star-Spangled Banner” konnte ich sogar noch, hatte ihn ja zuvor schon 153 mal gehört, davon drei mal zusammen mit meinem Bruder Matthias als wir beide in Kalamazoo spielten. Eine coole Erinnerung. Viel mehr Zeit für einen Spaziergang auf der Straße der Erinnerungen war dann nicht mehr und das Spiel begann unter tosendem Jubel der Fans.

Die Zuseher kamen auch gleich auf ihre Kosten, denn wir brannten in den ersten 15 Minuten ein richtiges Offensivfeuerwerk ab. 3:0 stand es bereits nach elf Minuten. Unser Team spielte im Vergleich zur Preseason richtig auf und wir fertigten Elmira (die uns zweimal in der Vorbereitung geschlagen hatten) mit einem 6:2 ab. Die zwei Verteidiger, die uns am Spieltag noch aus der AHL geschickt wurden, machten auch einen starken Eindruck.

Durch sie war unsere Hintermannschaft wirklich sehr gut aufgestellt und zwei andere Verteidiger mussten auf der Tribüne Platz nehmen. Die Freude über den Sieg war trotzdem etwas getrübt, denn ich fühlte mich die gesamte Partie über als ob das Spiel an mir vorüber ging. Richtige Akzente konnte ich keine setzen, obwohl ich defensiv ganz solide gespielt hatte. Das gute Gefühl, das ich mir im Training erarbeitet hatte, konnte ich nicht ins Spiel übertragen und es war definitiv nicht der Start, den ich mir erhofft hatte. Leider erging es mir in den nächsten beiden Matches nicht viel besser. Es war ein ständiges Auf und Ab. Wirklich konstant war ich nicht. Einmal eine gute Aktion hier, dann wieder mal ein Fehler da.

Es waren zum Glück keine groben Schnitzer, aber zufrieden sein konnte ich als erfahrenster Spieler der Mannschaft mit so einer Leistung auch nicht. Ich war mir sicher, dass auch der Trainer mehr von mir erwartet hatte. Auswärts bei den Wheeling Nailers lieferte ich eine gute Partie, aber am Tag darauf, daheim gegen die Manchester Monarchs, musste ich mich wieder über einige Fehler ärgern.

Ich war hoch motiviert in das Spiel gegen die Monarchs gegangen, da hinter der Bande mein ehemaliger Verteidigungspartner aus Linzer Zeiten stand. Richard Seeley und sein Team reisten bereits einen Tag vor dem Spiel nach Reading an, da sie spielfrei waren. Wir hingegen kamen erst um drei Uhr früh am Matchtag aus Wheeling zurück.

Das war zwar keine Ausrede für meine schwache Leistung und die unserer Mannschaft, aber wir konnten in keiner Phase mit Tempo und Spiel des Gegners mithalten. Am Ende gab es eine bittere 1:5 Niederlage. Der Spielplan war bei 72 Spielen oft nicht ganz vorteilhaft, aber schließlich ging es da allen Teams gleich.”

 

Der “Sleeper Bus” für die langen Auswärtsfahrten (Pic: Privat)

 “Einen Grund zur Freude hatte ich dennoch. Während auf der gegnerischen Bank ein ehemaliger Mitspieler stand, saß im Publikum mein alter Freund und ehemaliger Kapitän aus Graz, Stefan Hofer. Auf seinen Besuch hatte ich mich schon länger gefreut, da wir uns in den letzten Jahren aus beruflichen Gründen, eher selten gesehen hatten.Er kam am Spieltag in Newark, New Jersey an und hatte für seine schwedische Firma in Philadelphia zu tun. Da Reading vom Flughafen Newark ja fast auf dem Weg nach Philly lag machte er einen Abstecher zum Spiel. Ich hinterlegte ihm eine Karte, aber leider hatte ich vergessen nachzusehen wo sein Platz war.Den sonst so auffälligen Hühnen konnte ich trotz einiger schweifender Blicke über das Publikum während des Warm Ups nicht erspähen. Als ich nach dem Spiel dann vor die Halle ging wartete der schwedische Elch bereits mit einem breiten Grinsen im Gesicht auf mich. Wir verbrachten einen lustigen Abend mit viel Gelächter über alte Zeiten.Stefan nahm noch das Angebot wahr auf meiner Couch zu crashen und machte sich früh am nächsten Morgen auf nach Philadelphia. An solchen Tagen merkte ich besonders, dass ich sehr weit von Familie und Freunden entfernt war, aber man lernt die wenige Zeit zu schätzen die man hat. Übrigens… danke für den Besuch Stefan.” Als Stefan bereits weg war, hatte ich ein wenig Zeit den trainingsfreien Tag zu genießen und mit meiner Freundin und meiner Familie per Internet zu telefonieren. Ich wusste, dass es für einige Zeit die letzte Möglichkeit war in Ruhe zu plaudern, denn in zwei Tagen würde ich dann für längere Zeit immer einen Mitspieler als Zimmerkollegen haben. Unser 19-tägiger Road Trip nach “Westen” stand unmittelbar bevor…

Fortsetzung folgt…