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Abroad Blog/Flo Iberer (6): Von einer Härteeinlage mit der gefürchteten #42 und EBEL-Zuwachs!
Von: Markus Rinner Am: 8 Feb, 2017 | Kategorien: Abroad Blog, Florian Iberer, Kolumnen, zSlideshow

Es ist das Ziel jedes Eishockeyspielers in einer der ganz großen Ligen dieser Welt sein Können unter Beweis zu stellen. Nicht viele Österreicher haben das Potenzial dazu und das Glück das man auch braucht um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein um diese Chance zu erhalten. Einer der diese Chance bereits zum zweiten Mal bekam und nutzt ist Florian Iberer. Für Hockey-News berichtet er exklusiv von seinen Erfahrungen in der großen weiten Welt des Eishockeysports, die sich als spannendes Abenteuer herausstellt und von denen er uns in seinem „Abroad-Blog“ teilhaben lasst.

Geboren und aufgewachsen in Graz, war Florian Iberer in seiner Familie einer von drei Jungs, die sich dem Eishockeysport widmeten und darin ihre Berufung suchten. Während seine Brüder Martin (3 EBEL-Einsätze für Graz) und Matthias (543 EBEL-Spiele für Graz & Linz) ihre Karrieren beendeten und sich einerseits aufs Tore verhindern (Martin) und Tore schießen (Matthias) spezialisierten, ist es die Mischung daraus, die Flo Iberer auszeichnet. Ein torgefährlicher Offensivverteidiger, der im Powerplay auf Grund seines harten Schlagschusses eine Waffe ist, aber auch defensiv zu überzeugen weiss. Nicht zu vergessen ist auch Schwester Anna, die ebenfalls dem Eishockeysport verfiel und Österreich sogar bei Nachwuchsweltmeisterschaften und Youth Olympic Games vertrat.

Graz, Klagenfurt und Wien waren die EBEL-Stationen (476 Spiele) des 33-jährigen, der einen Meistertitel mit dem KAC feierte (2013), 2004 fürs österreichische Nationalteam debütierte und es auf 65 Teameinsätze brachte, darunter eine Olympiateilnahme. Deutschland und Schweden hat Iberer ebenso auf seiner Vita stehen, wie drei Spielzeiten in Nordamerika, denn dort versuchte er sich zwischen 2005 und 2008. Nun ging es zurück in die Staaten und Flo Iberer lässt uns mit seinem Hockey-News „Abroad-Blog“ an seinem Trip teilhaben.

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Iberer & Boivin (Pic: Privat)

Seit dem letzten Wochenende hatte ich einen neuen Mitspieler, den ich bereits als Gegenspieler aus der EBEL gut kannte. Als wir uns auf dem Road Trip im Westen befanden, hatte unser Coach den Spieler von der sogenannten Waiver-Liste (ausführliche Erklärung nachstehend) aufgegabelt. Ohne jegliches gemeinsames Training mit der Mannschaft musste er auch sogleich bei den beiden Heimpartien, die wir direkt nach unserer Rückkehr absolvierten, sein Können unter Beweis stellen. Dies gelang ihm auch recht gut und als ich am Dienstag wieder in die Kabine zum Training kam, war ich zu meiner Freude nun gleich von zwei ehemaligen EBEL-Cracks umgeben. Zu meiner Linken saß Mike Marcou, der inzwischen von der Mannschaft zum Kapitän gewählt wurde. Zu meiner Rechten hatte der Equipmentmanager über dem Platz ein Schild mit unserem Logo und dem Namen BOIVIN platziert.

Mike Boivin und ich hatten von der ersten Sekunde an eine wirklich gute Gesprächsbasis und natürlich unterhielten wir uns viel über das schöne Österreich, die EBEL und – typisch nordamerikanisch – über gemeinsame ehemalige Teamkollegen. An einen ganz besonderen gemeinsamen Eishockey-Freund, Troy Milam, schickten wir auch sofort ein Foto von uns im Royals Shirt. Er schien etwas verwirrt von dieser Nachricht und nach dem Eistraining klärten wir ihn dann über die genauen Umstände auf, die Mike und mich zu Sitznachbarn und Teamkameraden gemacht hatten.

Nach einem freien Montag ging es für drei Matches (ein sogenanntes three in three) zu Mikes letztjähriger Mannschaft, den Manchester Monarchs. Am Dienstag Vormittag wurde noch in Reading trainiert, danach fuhren wir sieben Stunden per Bus nach Manchester. Wie bei allen Roadtrips waren die Spieler (jeder bekam “Perdiem”, also Taggeld) für ihre eigene Verpflegung zuständig. Mit Mark Dekanich, unserem Torhüter, hatte ich bereits zu Beginn der Saison einen kleinen zwei Mann Gourmet Club gegründet und nun hatten wir ein drittes Mitglied. Auf Mikes Empfehlung hin gingen wir zusammen in ein typisch amerikanisches Diner, das ausgesprochen gutes Frühstück servieren sollte. Das Lokal, das eine riesige Auswahl an Omelettes und Pancakes in allen Variationen zu bieten hatte, war so gut, dass wir auch die restlichen drei Tage dort unser Frühstück einnahmen. Unter den Mitspielern hatte sich unser Geheimtipp schnell herumgesprochen und somit schlossen sich uns jeden Tag mehr Kollegen an.

Die Arena der Monarchs (Pic: Privat)

Ebenso hatte sich in der Mannschaft herumgesprochen, dass der Tough Guy der Monarchs mit der Nummer 42 wieder in den Kader zurückgekehrt ist (Anmerkung: Tony Turgeon‘s Gardemaße: 93cm und 105 kg). Mike kannte ihn und meinte es wäre besser keinen Tanz mit ihm zu wagen. Es kam aber wie es kommen musste. Als gleich zu Beginn des ersten Spiels jemand absichtlich unseren Goalie und Gourmet Club Freund Mark niederrannte, war natürlich ich am Nähesten. Mir war bewusst, dass bei solchen absichtlichen Fouls die Verteidigung von Teamkollegen von einem erwartet wurde. Was ich aber nicht wusste war, dass es sich beim Übeltäter um die berüchtigte Nummer 42 handelte und er bereits auf sein Opfer, mich, wartete. Der einseitige Fight war ziemlich schnell vorbei und ich durfte mich davon, gemeinsam mit dem Kontrahenten, fünf Minuten lang in der Kühlbox erholen. Cuts oder ein blaues Auge hatte ich zum Glück nicht, aber ein etwas eingedepschtes Ego. Das wurde mir aber beim Verlassen der Strafbank von meinen Mitspielern mit Jubel und Schläger-Klopfen für meinen Mut (oder meine Dummheit) wieder ausgebeult.

Nach meiner unfreiwilligen Härteeinlage wollte ich mich wieder aufs eigentliche Eishockeyspielen konzentrieren und bis auf ein paar gegenseitige Facewashes (Handschuhe im Gesicht des Gegners) gab es keine Prügel mehr für die 42 (oder mich). Ich spielte wie schon in den letzten Spielen gut meine Stärken aus und wurde wieder mit viel Eiszeit belohnt, doch man konnte unserer Mannschaft die Strapazen des drei Wochen langen Roadtrips noch anmerken. Ein spätes Ausgleichstor mit bereits herausgenommenem Goalie, bei dem ich eine schöne Vorlage lieferte, rettete uns im letzten Spiel in die Overtime. Diese ging dann aber leider verloren und somit konnten wir nur einen mageren Punkt von möglichen sechs mitnehmen.

(Tom Boland Photography/Reading Royals)

Mit den sieben Niederlagen en suite hielten die Royals nach 16 Spielen bei sechs Siegen, zwei Unentschieden und acht Niederlagen. Wirklich Sorgen machte ich mir trotz des 5. Tabellenplatzes in der Division jetzt aber keine mehr, da ich definitiv besser spielte als zu Beginn der Saison und mehr Verantwortung und Vertrauen bekam. Ich hoffte nur, dass wir als Mannschaft bald wieder zu unserer Form finden würden. Zum Glück war es erst Mitte November – diese ersten zwei Monate vergingen dank des langen Auswärtsgastspiels sowie des dichten Spielplans wie im Flug – und wir hatten noch 56 Spiele im Grunddurchgang vor uns. Mit Mike Boivin hatte ich nun auch einen neuen Freund gewonnen. Noch mehr freute ich mich darüber, dass ich aus diesem Wochenende ohne blauen Auge heraus kam, denn am Sonntag würde ich am Flughafen in NYC, nach zwei langen Monaten, endlich meine Freundin abholen…

Fortsetzung folgt…

Waiver Liste: Wenn ein Profi aus seinem Vertrag entlassen wird, kommt der Crack ligaintern auf die sogenannte Waiver Liste. Innerhalb der nächsten 24 Stunden kann jede ECHL Mannschaft in einer bestimmten Reihenfolge den Spieler inklusive dessen Vertrag und Gehalt übernehmen. Der Crack hat in diesem Falle die Pflicht innerhalb einer Woche bei seinem neuen Club aufzutauchen. Sollte kein Team von diesem Recht Gebrauch machen, “cleart” der Spieler die “Waivers” und ist somit frei bzw. arbeitslos. “Claimt” eine Mannschaft den Spieler, gehört er ab sofort zum Kader des neuen Vereins. Jede Kaderveränderung muss mit dem Salary Cap (Gehaltsbudget) und dem Roster Limit (20 Spieler inkl. Goalies) in Einklang gebracht werden. Dafür muss der Verein selbst eventuell einen anderen Spieler auf die Waiver Liste setzen.