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Abroad Blog/Flo Iberer (7): Von Begegnungen mit Häftlingen und absurden Alkohol-Vorschriften
Von: Markus Rinner Am: 27 Feb, 2017 | Kategorien: Abroad Blog, Florian Iberer, Kolumnen, zSlideshow

Es ist das Ziel jedes Eishockeyspielers in einer der ganz großen Ligen dieser Welt sein Können unter Beweis zu stellen. Nicht viele Österreicher haben das Potenzial dazu und das Glück das man auch braucht um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein um diese Chance zu erhalten. Einer der diese Chance bereits zum zweiten Mal bekam und nutzt ist Florian Iberer. Für Hockey-News berichtet er exklusiv von seinen Erfahrungen in der großen weiten Welt des Eishockeysports, die sich als spannendes Abenteuer herausstellt und von denen er uns in seinem „Abroad-Blog“ teilhaben lasst.

Geboren und aufgewachsen in Graz, war Florian Iberer in seiner Familie einer von drei Jungs, die sich dem Eishockeysport widmeten und darin ihre Berufung suchten. Während seine Brüder Martin (3 EBEL-Einsätze für Graz) und Matthias (543 EBEL-Spiele für Graz & Linz) ihre Karrieren beendeten und sich einerseits aufs Tore verhindern (Martin) und Tore schießen (Matthias) spezialisierten, ist es die Mischung daraus, die Flo Iberer auszeichnet. Ein torgefährlicher Offensivverteidiger, der im Powerplay auf Grund seines harten Schlagschusses eine Waffe ist, aber auch defensiv zu überzeugen weiss. Nicht zu vergessen ist auch Schwester Anna, die ebenfalls dem Eishockeysport verfiel und Österreich sogar bei Nachwuchsweltmeisterschaften und Youth Olympic Games vertrat.

Graz, Klagenfurt und Wien waren die EBEL-Stationen (476 Spiele) des 33-jährigen, der einen Meistertitel mit dem KAC feierte (2013), 2004 fürs österreichische Nationalteam debütierte und es auf 65 Teameinsätze brachte, darunter eine Olympiateilnahme. Deutschland und Schweden hat Iberer ebenso auf seiner Vita stehen, wie drei Spielzeiten in Nordamerika, denn dort versuchte er sich zwischen 2005 und 2008. Nun ging es zurück in die Staaten und Flo Iberer lässt uns mit seinem Hockey-News „Abroad-Blog“ an seinem Trip teilhaben.

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Das Stadion in Norfolk (Pic: Privat)

Für mich war es der schönste Tag seit ich meinen ersten Fuß ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten gesetzt hatte. Nicht, weil es der Erste und Einzige freie Tag nach dem Wochenende in Manchester war, sondern weil ich endlich meine Freundin Lisa in New York City vom Flughafen abholen konnte. Die Wiedersehensfreude kannte keine Grenzen und wir waren heilfroh, dass mit ihrer Einreise alles gut lief. Vor der Fahrt in unsere neue Heimat Reading machten wir noch schnell einen Abstecher nach Manhattan. Die zweistündige Heimfahrt in der Nacht musste ich dann aber doch wieder mehr oder weniger alleine bestreiten, denn der Jetlag machte vor Niemandem halt. Ich musste Schmunzeln, als ich meine Co-Pilotin in Reading weckte um ihr ihr neues Zuhause zu zeigen. 

In der ersten Woche war für Lisa bereits ein ordentliches amerikanisches Kulturprogramm geplant. Wir durchforsteten die gigantischen Supermärkte, die hier 24 Stunden – 7 Tage die Woche offen hatten und fanden auch beim x-ten Besuch noch eine Abteilung, die uns davor nicht aufgefallen war. Ganz dringend brauchten wir eine Flasche Wein für das Thanksgiving Dinner, zu dem wir bei Mark Dekanich und dessen Frau eingeladen waren. Da man hier in Pennsylvania im Supermarkt keinen Alkohol kaufen konnte, suchte ich am Handy das nahe gelegenste Liquor Store. Wir fuhren zum Beer Mart, der so groß war wie ein Spar und ich sagte dem netten Herrn, der bereits beim Eingang die Kunden betreute, dass wir auf der Suche nach “wine” waren. Er dachte wohl, dass ich einen Witz machte und meinte er kenne diese Marke nicht. Auch ich vermutete, dass der lustige Kerl mich wohl auf den Arm genommen hatte, hatte er aber nicht. Nach einem kurzen Hin und Her erklärte er mir, dass es hier nur Bier zu kaufen gab. „BEER Mart“ – irgendwie logisch, dachte ich mir beim Verlassen des Geschäftes.

(Tom Boland Photography/Reading Royals)

Wein und Spirituosen gab es im Bundestaat Pennsylvania nur in sogenannten State Liquor Stores (also mit bundesstaatlicher Lizenz) und davon gab es nur eine Handvoll in Reading, klärte mich Lisa mit Hilfe von Google auf, als wir bereits zum nächsten Geschäft unterwegs waren. Zum Glück war es diesmal auch ein State Liquor Store. Die Schlange an der Kasse war zwei Tage vor Thanksgiving, dem wichtigsten Familienwochenende in den USA, schier endlos. Ich wusste, dass Alkohol hier in der Öffentlichkeit in einer Papiertüte verschwinden musste (es wusste auch wirklich niemand was in diesen Papiertüten steckte…), aber warum der Rotwein in Papier gewickelt war und der Weisswein nicht, konnte ich Lisa dennoch nicht erklären. Man musste ja nicht alle Gepflogenheiten zur Gaenze verstehen, beachten allerdings schon.

Das um einen Tag vorgezogene Thanksgiving Dinner (ein Festschmaus vor dem Spieltag war nicht ideal) war für meine Freundin komplettes Neuland. Nicht nur der Truthahn und die üppigen Beilagen, sondern auch die vielen neuen Gesichter. Neben uns beiden hatten die Dekanichs auch Mike Boivin und Mike Pelech (dessen Bruder in Graz spielt) zusammen mit deren Frauen eingeladen. Mike Boivins Frau war einen Tag nach Lisa angekommen und kannte ebenso noch Niemanden hier. Wir alle verbrachten, dank der typisch offenen Art mit der man sich hierzulande begegnet, einen sehr lustigen Abend, bei dem wir gleich ordentlich in die amerikanische Feiertagskultur eintauchen konnten.

Das Thanksgiving Weekend war auch für unsere Mannschaft ein Grund zum Feiern, denn wir konnten nach unserer sieben Spiele anhaltenden Durststrecke endlich wieder auf die Siegerstraße zurückkehren. Wir gewannen alle drei Matches an diesem Wochenende und schön langsam sah man auch das Selbstvertrauen der Jungs zurückkommen. Am darauffolgenden Mittwoch konnten wir gegen die Wheeling Nailers das vierte Spiel in Serie gewinnen und tags darauf ging es für zwei Spiele Richtung Süden gegen die Norfolk Admirals (Virginia).

Häftlinge bei der Hallenreinigung in Norfolk (Pic: Privat)

Als ich im Sommer ein Angebot von den Norfolk Admirals bekam, zeigte mir der Headcoach Bilder von den tollen Apartments, die die Spieler im nahe gelegenen Virginia Beach genossen. Die Aussicht auf ein Penthouse in einem Urlaubsort mit Sonne, Strand und Meer das ganze Jahr über war doch sehr verlockend. Zum Glück blickte ich damals vorrangig auf die sportliche Situation, hörte auch auf mein Bauchgefühl und lehnte zu Gunsten Readings ab.

Im Nachhinein war es die richtige Entscheidung, denn als wir im Bus am Highway in Richtung Norfolk rollten, sahen wir es bereits auf der Liga Webseite. Nach gerade einmal 17 Spielen hatten die letztplatzierten Admirals ihren Coach gefeuert. Zum Glück brachte ihnen auch der Trainereffekt gegen die Royals nichts und wir konnten im ersten Spiel gleich einen Sieg einfahren. Als ich mir nach dem Match auf dem Ergometer vor der Kabine das Laktat aus den Beinen strampelte, bekam ich dann ein, für einen Österreicher, einmaliges Schauspiel zu sehen. Etwa 30 Männer in orangen Outfits, begleitet von bewaffneten Wärtern, begannen das Stadion zu reinigen.

Ich dachte mir dass ein Foto mit den mit Besen und Müllsäcken bewaffneten Häftlingen gut für meinen Blog wäre und versuchte unauffällig mit der Handykamera abzudrücken. Als ich daraufhin einige böse Blicke der Typen in Orange erntete, brach ich mein Erholungsprogramm um fünf Minuten früher als geplant ab und schlich schnell in die Kabine zurück.

Labelle, Iberer, Boivin… Bekannte Gesichter am Glühweinstand (Pic: Privat)

Der neue Norfolk Coach konnte auch im zweiten Spiel im Amt keine Trendwende einleiten und die Royals holten sich den fünften Sieg in Serie. Die davor erlittene Niederlagenserie war bereits wieder vergessen. Nach der langen Heimfahrt von Norfolk hatten wir uns den freien Sonntag redlich verdient. Auf Olivier Labelles Tipp hin, fuhren einige Spieler mit ihren Freundinnen zum German Christmas Market.

Veranstaltet wurde dieser von einem Club, geführt von Nachfahren deutscher Einwanderer, die die deutsche Kultur und zu unserer Überraschung auch die deutsche Sprache in ihrer neuen Heimat pflegten. Neben Lederhosen und Tracht gab es einen typisch mitteleuropäischen Weihnachtsmarkt und sogar einen Glühweinstand. Als Lisa und ich uns ein wärmendes Getränk an diesem Stand bestellten, staunten wir nicht schlecht als die nette Dame uns besonders stolz versicherte, dass hier für den Glühwein auch nur das Originalrezept vom Münchner Oktoberfest verwendet wurde….

Fortsetzung folgt…