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Abroad Blog/Flo Iberer (8): Von “Kulisionen” in Harlem und Erlebnissen “on the road”
Von: Markus Rinner Am: 20 Mrz, 2017 | Kategorien: Abroad Blog, Florian Iberer, Kolumnen, zSlideshow

Es ist das Ziel jedes Eishockeyspielers in einer der ganz großen Ligen dieser Welt sein Können unter Beweis zu stellen. Nicht viele Österreicher haben das Potenzial dazu und das Glück das man auch braucht um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein um diese Chance zu erhalten. Einer der diese Chance bereits zum zweiten Mal bekam und nutzt ist Florian Iberer. Für Hockey-News berichtet er exklusiv von seinen Erfahrungen in der großen weiten Welt des Eishockeysports, die sich als spannendes Abenteuer herausstellt und von denen er uns in seinem „Abroad-Blog“ teilhaben lasst.

Geboren und aufgewachsen in Graz, war Florian Iberer in seiner Familie einer von drei Jungs, die sich dem Eishockeysport widmeten und darin ihre Berufung suchten. Während seine Brüder Martin (3 EBEL-Einsätze für Graz) und Matthias (543 EBEL-Spiele für Graz & Linz) ihre Karrieren beendeten und sich einerseits aufs Tore verhindern (Martin) und Tore schießen (Matthias) spezialisierten, ist es die Mischung daraus, die Flo Iberer auszeichnet. Ein torgefährlicher Offensivverteidiger, der im Powerplay auf Grund seines harten Schlagschusses eine Waffe ist, aber auch defensiv zu überzeugen weiss. Nicht zu vergessen ist auch Schwester Anna, die ebenfalls dem Eishockeysport verfiel und Österreich sogar bei Nachwuchsweltmeisterschaften und Youth Olympic Games vertrat.

Graz, Klagenfurt und Wien waren die EBEL-Stationen (476 Spiele) des 33-jährigen, der einen Meistertitel mit dem KAC feierte (2013), 2004 fürs österreichische Nationalteam debütierte und es auf 65 Teameinsätze brachte, darunter eine Olympiateilnahme. Deutschland und Schweden hat Iberer ebenso auf seiner Vita stehen, wie drei Spielzeiten in Nordamerika, denn dort versuchte er sich zwischen 2005 und 2008. Nun ging es zurück in die Staaten und Flo Iberer lässt uns mit seinem Hockey-News „Abroad-Blog“ an seinem Trip teilhaben.

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Die Kabine in Greenville (Pic: Privat)

Auch in der zweiten Dezemberwoche ging es für die Royals erfolgreich weiter. Gegen Indianapolis konnten wir den sechsten und siebten Sieg in Serie feiern. Dazu kam noch ein freier Sonntag an dem ein besonders lustiges Treffen auf dem Plan stand. Auf Facebook hatte ich ein paar Tage vor den Spielen gegen Indy einen guten Bekannten erspäht, der gerade auf Urlaub in New York City war. Ich fragte ihn ob er nicht Lust auf einen Kaffee im Big Apple hätte, da meine Freundin und ich am freien Sonntag sowieso einen Abstecher in die zwei Stunden von Reading entfernte Metropole geplant hatten.

Wir verabredeten uns zum Sonntagsbrunch in einem Jazz-Club in Harlem. Als ich Harlem hörte, dachte ich eher an Gangsterviertel und die Globetrotters als an einen Brunch, aber er versicherte mir, dass er im besagten Lokal einen Tisch für 9:30 Uhr reserviert hätte. Lisa und ich waren bereits um 9:00 Uhr angekommen, da Sonntag morgens absolut niemand nach Manhattan unterwegs zu sein schien. Wir gingen zum Restaurant und staunten nicht schlecht, als der Mann am Empfang uns mitteilte, dass erst ab 10:00 Uhr geöffnet wäre. Ich dachte sofort, dass mein Freund mich auf den Arm genommen hatte, denn er war ja einer der bekanntesten Streiche-Spieler Österreichs. 

Zwei Österreicher in Harlem (Pic: Privat)

Zum Glück wurden wir nicht Opfer von Gernots „Kulisionen“, sondern es handelte sich einfach um ein Missverständnis. Wir trafen uns daher mit den Kulis’ in einem Starbucks um die Ecke und plauderten im Coffeeshop bis das Restaurant endlich seine Pforten öffnete. Reserviert war dort unter Kulis auch für 9:30 Uhr, allerdings PM, also abends, wie wir dann am Empfang später feststellten. Gernot hatte damit die Lacher des Personals natürlich bereits auf seiner Seite. Trotz des kleinen Hoppalas konnten wir dennoch einen Platz im, innerhalb einer halben Stunde, völlig überfüllten Lokal ergattern und genossen einen typisch amerikanischen Brunch mit cooler Live-Jazz-Begleitung. Auch die üppige Jazz Sängerin, die sich sehr intensiv mit ihren Gästen zwischen ihren Songs unterhielt, hatte ihre Freude mit unserem Tisch (auch sie war schon einmal in Austria). Nach dem Brunch ging es noch Richtung Times Square und zum Eislaufplatz am Bryant Park um uns dort von den Reisenden zu verabschieden. Lisa und ich wollten danach noch die Aussicht vom Rockefeller Center genießen. Als wir am “Top of the Rock” ankamen, schneite es wie verrückt und wir konnten Manhattan von oben auf der offenen Dachterrasse im Schneesturm  bewundern. 

(Tom Boland Photography/Reading Royals)

Am nächsten Wochenende fuhren wir für zwei Spiele ins weniger winterliche South Carolina. Zwei Tage vor dem Spiel holte uns der Sleeper Bus um Punkt Mitternacht direkt vor den Apartments ab. Bewaffnet mit meinem eigenen Polster und meinem Laptop in der Reisetasche (ein Buch und ein paar Snacks durften auch nicht fehlen) legte ich mich in meinen Bunk. So nennt man eines der Dreifach-Stockbetten die es in so einem Sleeper Bus gibt. Als ältester Spieler musste ich keine Angst haben ohne einen der 12 Bunks dazustehen, denn es gingen immer ein paar Rookies (erstes Jahr Profi) leer aus und mussten sich mit dem Teppichboden begnügen. In so einem Sleeper Bus gab es vorne ein Abteil für die Coaches und Betreuer, das mit Satelliten TV und Internet ausgestattet war. Dazu eine kleine Küche mit Kühlschrank und Mikrowelle. Die dortige Sitzgarnitur konnte man zu Betten umbauen, dennoch schlief unser Live-Broadcaster (jedes unserer Spiele wurde von ihm live und vor Ort kommentiert, die auswärts Spiele zu sehen im lokalen Cable TV und die Heimmatches im pay per view Internet) aus Platzmangel auf dem Boden. In der Mitte befanden sich 12 Bunks, die jeweils einen eigenen TV mit Satelliten Empfang hatten, ein kleiner Schrank für die Anzüge und Hemden der Spieler und ein WC. Um dieses zu erreichen musste man meist über die zwei armen Rookies steigen, die es sich am Boden so gut es ging gemütlich gemacht hatten. Im hinteren Bereich des Busses gab es noch eine runde Sitzlandschaft (mit Stereo Anlage und TV), die auch zu ein paar Schlafplätzen verwandelt werden konnte.  

Die Ausrüstung und das gesamte Equipment, wurden bereits vor der Abfahrt von unserem Equipment Manager und unserem Athletik Trainer in den Anhänger des Team-Buses geladen. Überhaupt hielt unser Betreuerstab einen sehr professionellen Standard für unser Minor-League Team. Somit konnte ich mich beruhigt ins Land der Träume begeben und wurde am nächsten Tag tausend Kilometer weiter südlich geweckt. Wir waren nur eine Stunde von Greenville (South Carolina) entfernt und hielten an einem Diner um unser Frühstück einzunehmen. Am Zielort angekommen ging es in die Kabine und direkt aufs Eis zum Training. Als ich die Halle verließ ärgerte ich mich, dass ich keine Shorts eingepackt hatte, denn in South Carolina hatte es Mitte Dezember 15 Grad plus und es gab keine Anzeichen eines spontanen Schneesturms. 

Die Halle in Greenville (Pic: Privat)

Am nächsten Tag kam ich mit Mark Dekanich und Mike Boivin als erstes zur Halle. Wie immer nahmen wir ein Taxi oder wenn verfügbar ein Hotel Shuttle, um noch ein wenig extra Zeit für uns alleine in der Kabine zu haben. Die wirklich schöne Gästekabine strahlte in vollstem Glanz. Man hätte meinen können, man befinde sich in einem NHL Locker Room und in Gedanken an meinen Blog machte ich ein Panoramafoto. Leider war unsere Leistung an diesem Tag nicht so gut wie die unserer Betreuer und wir verloren mit 2:1, wobei wir unsere ersten beiden shorthanded Goals der Saison (!!!) kassierten. Eine unnötige Niederlage, auf die wir tags darauf ebenfalls eine weitere vermeidbare Niederlage einfuhren.

Man könnte meinen, dass die 2000 km lange Reise umsonst war, aber es gab da doch noch eine kleine Story, wegen der sich der lange Weg bezahlt gemacht hatte. Auf dem Videowürfel vor dem Samstagspiel lief ein Highlightvideo zum 15-jährigen Jubiläum der Mannschaft aus Greenville, die 2002 den Kelly Cup gewinnen konnte. Relativ lange im Bild ein Franko-Kanadier, der komplett überzogen sein Tor zelebrierte. Und das war auch noch understatement! Ich hörte einige Kommentare auf der Spielerbank über den exzessiven Torjubel, wie z.B.: “Who the f… is this guy?” und musste dabei innerlich lachen, denn ich spielte in der Vorsaison mit diesem “guy” zusammen bei den Vienna Capitals. Es war ein junger Simon Gamache, der in seiner Rookie-Saison den Kelly Cup gewann und auch noch Playoff MVP wurde.  

Fortsetzung folgt…