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Abroad-Blog

Abroad Blog/Roland Kaspitz (1): Von der Sinnfrage und dummen Entscheidungen…

Viele österreichische Eishockeycracks versuchen ihr Glück im Ausland Manche träumen von der ganz großen Karriere und wollen den Sprung in eine Topliga schaffen. Anderer wollen ihre Karriere nutzen um sich ein Bild von anderen Ländern und Kulturen zu schaffen. Im Hockey-News „Abroad-Blog“ berichten Austro-Cracks von ihren Erfahrungen im Ausland und haben dabei einige Abenteuer zu erzählen…

Roland Kaspitz gilt als Urgestein des VSV. Der Kärntner spielte zwischen 1999 und 2012 mit Ausnahme einer Saison in Innsbruck durchgehend bei den Adlern und bestritt für diese 807 Spiele in Österreichs höchster Spielklasse, in denen er 128 Tore erzielte und weitere 372 vorbereitete. Zwei Meistertitel feierte er zudem mit den Draustädtern. Nach dem Ende seines Engagements bei den Villachern und Stationen in Schweden, bei den Graz99ers, in Innsbruck, Laibach und erneut in Graz wechselte er nach Lyon und sollte dort ein höchst interessantes Abenteuer erleben…

AUSGABETITEL
1Von der Sinnfrage und dummen Entscheidungen…

Da sitze ich nun in meiner Wohnung in Lyon und versuche verzweifelt meiner „Kreativität“ freien Lauf zu lassen. Aufsätze zu schreiben war schon in der Schule nicht mein Ding. Meine LehrerInnen können das bezeugen. Flo Iberer hatte mich schon vorgewarnt, dass man vonseiten Hockey-News auf mich zukommen würde um meine Erlebnisse in Frankreich in Form eines Blogs wiederzugeben. „Niemals“ war mein erster Gedanke. Als mich Markus Rinner dann aber kontaktierte konnte ich einfach nicht nein sagen. Außerdem sind bis jetzt wirklich viele Dinge passiert die es wert sind erzählt zu werden.

Seit meinem Abgang aus Villach, habe ich mir eigentlich regelmäßig die Sinnfrage gestellt. Karriere beenden? Weiterspielen? Was kommt danach? Nachwuchstrainer? Oder ganz normal hakeln gehen wie jeder andere auch? Ich weiß. Das war 2012. Da wurde ich gerade 31 Jahre alt. Eigentlich noch viel zu früh um die Eislaufschuhe an den berühmten Nagel zu hängen. Ich hatte aber immer mehr das Gefühl, dass man als österreichischer Eishockeyspieler in Österreich nur geduldet ist und nicht wertgeschätzt wird. Das waren auch die Gründe warum ich Angebote aus Innsbruck und Graz in den letzten Jahren nicht annahm und lieber den einen oder anderen Sommer einer ungewissen Zukunft entgegenblickte als meine Prinzipien zu verraten. Und das obwohl ich die Menschen, die Stadt und das Leben in Graz geliebt habe. Ich war nach der letzten Saison aber nun wirklich schon so weit meine Karriere zu beenden und entschied mich dem Aufnahmeverfahren für Physiotherapie zu stellen.

(www.sport-bilder.at)

Dank Wolfi Kromp, der mich als fleißigen Trainierer kannte, ergab sich für mich auch die Möglichkeit das Krafttraining der U20 des VSV zu leiten. Das sah ich als gute Möglichkeit etwas in das Trainerdasein zu schnuppern. Ich hatte meine Karriere also schon so gut wie beendet und es war seltsam wie leicht es mir fiel damit abzuschließen. Trainiert habe ich aber weiterhin ganz normal. Alte Angewohnheiten wird man halt schwer los und trainieren war ja eben auch nicht nur mein Beruf sondern auch mein Hobby und ich habe nicht vor nach meinem Leben als professioneller Sportler faul auf der Couch zu liegen und warten bis mir ein Bierbauch wächst. Training wird also immer Teil meines Lebens sein.

Irgendwann Mitte/Ende Juni bekam ich dann die Email der Fachhochschule, dass ich auf der Warteliste für einen Studienplatz gereiht bin. Kommando zurück. Ich bin also doch noch professioneller Eishockeyspieler. Am gleichen Tag schrieb ich meinem Agenten eine kurze SMS mit den neuen Erkenntnissen. Da direkt nach der Saison auch der VSV Interesse bekundet hatte, es aber nie konkret wurde, machte ich mir auch Hoffnungen vielleicht wieder für meinen Heimatverein auflaufen zu dürfen. Überraschenderweise ging es diesmal ganz schnell. Schon drei oder vier Tage später teilte mir Tine Krainz (mein Agent) mit, dass Lyon interessiert wäre. Frankreich? Da hab ich noch nie gelebt. Klingt interessant. Ein paar Tage später nach einem ca. halbstündigen Telefonat mit meinem neuen Coach war ich schließlich Feuer und Flamme für meine neue Aufgabe.

Mitja Sivic. Ein Slowene. Er hatte sich vorher bei meinen ehemaligen Kollegen in Ljubljana über mich informiert und entschloss sich mir eine Chance zu geben. Wie man sieht können sich vermeintlich „dumme“ Entscheidungen, wie das Unterschreiben in Ljubljana, als doch nicht so schlecht herausstellen. Die Welt ist klein und die des Eishockeys noch um einiges kleiner. Wir redeten über Gott und die Welt und natürlich auch über das Umfeld und die Ziele meines neuen Klubs. Es klang alles zu schön um wahr zu sein und die Tatsache dass mein neuer Trainer ein ziemlich sympathischer Mensch ist machte mir die Entscheidung zuzusagen nur noch leichter. Nicht einmal 24 Stunden später wurde dann vom VSV konkretes Interesse bekundet. So gern ich für Villach gespielt hätte konnte ich mein Wort nicht brechen. Mein neuer Verein sollte also Lyon heißen.

(Sébastien VELLA / www.sebasphotos.com)

Die nächsten paar Wochen verbrachte ich mit Trainieren und mit der mentalen Vorbereitung auf meine neue Aufgabe. Es gab auch regen Email-Verkehr mit dem Präsidenten meines zukünftigen Arbeitgebers. So ging der Sommer also dahin und der erste Schock kam 4 Tage vor meinem Flug nach Lyon. Versprochen wurde mir, dass ich drei Gehminuten von der Eishalle entfernt wohnen würde und deshalb auch kein Auto bräuchte, weil nicht nur die Eishalle, sondern auch ein Einkaufszentrum und die Straßenbahn in unmittelbarer Nähe sind. „Toll“ dachte ich mir. In einer Großstadt will ich sowieso nicht mit dem Auto fahren. Schon in Ljubljana habe ich auf ein Auto verzichtet.

Nun kam also die Nachricht, dass ich doch nicht in Hallennähe wohnen würde sondern etwas weiter weg. Ein fahrbarer Untersatz wäre also von Vorteil. Das war ein herber Rückschlag aber natürlich noch kein Grund alles in Frage zu stellen. Bei meinem Auto aber lief das Pickerl im September ab. Mit meinem konnte ich also nicht kommen. Glücklicherweise waren meine Eltern so nett mir ihr, erst im Mai gekauftes, Auto zur Verfügung zu stellen unter der Bedingung, dass es einen Garagenplatz hat. Ich gab das so weiter und es wurde mir versichert dass die Wohnung mit Garage ist. Ich stornierte also den Flug und fing an zu packen. Da Putin Slowenien besuchte und einige Grenzübergänge gesperrt waren, startete ich um 4 Uhr früh um möglichen Staus zu entgehen. So fuhr ich also entspannt dahin und hörte meine Playlists rauf und runter. Während der Fahrt hielt ich meinen „Kontaktmann“ in Lyon, den Vater des Präsidenten, über meinen Reisestatus am Laufenden. Ich will ja schließlich nicht dass er unnötigerweise auf mich wartet. Neun Stunden und einen kurzen Boxenstopp später kam ich am vereinbarten Treffpunkt, der Eishalle, an. Vom Vater des Präsidenten war aber keine Spur. Ok. Das mag jetzt nicht schlimm sein, aber es ließ mich erahnen, dass mir mein Frankreichabenteuer noch einige Nerven kosten würde…

Fortsetzung folgt…

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