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Abroad Blog/Roland Kaspitz (2): Von slowenischen Bekannten und französischen Eigenarten
Von: Markus Rinner Am: 1 Mrz, 2017 | Kategorien: Abroad Blog, Roland Kaspitz, zSlideshow

Es ist das Ziel jedes Eishockeyspielers in einer der ganz großen Ligen dieser Welt sein Können unter Beweis zu stellen. Nicht viele Österreicher haben das Potenzial dazu und das Glück das man auch braucht um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein um überhaupt dies Chance zu erhalten im Ausland zu spielen. Einer der diese Chance bereits zum dritten Mal bekam und nutzt ist Roland Kaspitz. Für Hockey-News berichtet er exklusiv von seinen Erfahrungen in der großen weiten Welt des Eishockeysports, die sich als spannendes Abenteuer herausstellen und an denen er uns in seinem „Abroad-Blog“ teilhaben lasst.

Er ist Villacher durch und durch und genießt beim VSV Kultspieler-Status. Der 35-jährige Roland Kaspitz hat in der höchsten österreichischen Liga debütiert als die EBEL noch nicht geboren war und feierte da bereits seinen ersten Meistertitel (2002).

Angefangen hat alles im Team Kärnten 2006, das man heute, beinahe 20 Jahre nach seiner Gründung, als ein sehr erfolgreiches Projekt ansehen muss. Denn neben Kaspitz haben sich auch spätere Größen wie Thomas Koch, Marco Pewal, Daniel Welser, Thomas Pöck oder Sven Klimbacher ihre ersten Sporen in dieser Mannschaft, die damals an der zweiten österreichischen Liga teilnahm, verdient.

Zwölf Saisonen steckte er im Dress der Adler und absolvierte insgesamt 760 Spiele in Österreichs höchsten Spielklassen, sammelte dabei 622 Scorerpunkte. Einen EBEL-Titel (2006) und 128 Teameinsätze (61 Punkte) später ging es 2012 erstmals in Ausland, als er bei den Landshut Cannibals in der zweiten deutschen Liga anheuerte. Über das zweite Auslandsabenteuer in Schweden (Apslöven/2.Liga) ging es wieder zurück in die EBEL, wo sich mit Graz, Innsbruck und Laibach drei weitere Arbeitgeber anboten. Nun, mit 35 Jahren wagte er zum dritten Mal den Sprung ins Ausland und heuerte in der französischen Liga in Lyon an und macht dort völlig neue Erfahrungen und lässt uns mit seinem Hockey-News „Abroad-Blog“ an seinem Trip teilhaben.

Kaspitz jubelt in Lyon (Pic: Sébastien VELLA / www.sebasphotos.com)

Die ersten Tage:

Das Erste was mir auffiel als ich endlich in Lyon angekommen war, waren die große Anzahl an Damen aus dem ältesten Gewerbe der Welt und die vielen Obdachlosen. Vor allem im Gebiet der Eishalle sieht man leider viele Menschen die, aus welchen Gründen auch immer, durch das soziale Netz gefallen sind. Außerdem sollte man nicht in Gedanken verloren unachtsam den Gehweg entlang spazieren. Hundebesitzer nehmen es hier nicht so ernst mit dem Wegräumen der Ausscheidungen ihrer vierbeinigen Freunde.

Glücklicherweise war Mitja (Anm. Mitja Sivic, Headcoach in Lyon) gerade „zufällig“ in der Eishalle. „Zufällig“ deshalb unter Anführungszeichen, weil die meisten Trainer die ich kenne kein Zuhause zu haben scheinen und deshalb immer in der Eishalle aufzufinden sind. Das gilt auch für ihn. Die Saison davor noch als Spieler angefangen, verletzte er sich im ersten Spiel der Saison gegen Grenoble so schwer am Arm, dass an eine Fortsetzung seiner Karriere nicht mehr zu denken war. Deshalb übernahm er schon letztes Jahr zuerst das Amt des Co-Trainers um dann schließlich auch den wegen Erfolglosigkeit entlassenen Trainer zu beerben. Mitja ist übrigens nur zwei Jahre älter als ich.

Ich parkte mein Auto also direkt vor die Türe unseres Eingangs, in der Hoffnung es später dort auch wiederzufinden und sah mir erst mal meinen Arbeitsplatz an. Die Kabinenräume sind schon etwas älter, aber alles war sauber und relativ geräumig. Außerdem hatte unser Betreuer schon alles für unsere Ankunft vorbereitet. Nach dem kurzen Erkundungsgang besprachen Mitja und ich, was wir für Vorstellungen haben und lernten uns so das erste Mal persönlich kennen. Der erste Eindruck vom Telefonat im Sommer täuschte mich nicht. Er ist ein netter Kerl und ich konnte mich auch gut mit seiner Eishockeyphilosophie identifizieren.

Nach einer Weile kam auch Lionel, unser Zeugwart, hinzu. Ihm ging es gleich wie Mitja. Auch er wurde ins kalte Wasser geworfen und war als Betreuer sozusagen ein „Rookie“. Wie viele Franzosen hat er Probleme mit der englischen Sprache. Manche Konversationen werden deshalb mit Händen und Füßen geführt. Aber auch wenn es manchmal nicht einfach war, konnten wir uns trotzdem immer Verständigen und Dank der App “Duolingo“ und viel Praxis wurden seine Kenntnisse im Laufe der Saison immer besser. Lionel war es auch, der das große Los zog mich zu meinem Hotel bringen zu dürfen. Mein Auto stand übrigens immer noch da wo ich es abstellte und so musste ich es nur kurz umparken, meine Koffer nehmen und schon spazierten Lionel und ich Richtung Hotel. Dort angekommen hielt ich erst mal ein kurzes Nickerchen. Ich bin zwar kein Langschläfer, doch 3:15 Uhr Tagwache ist eindeutig zu früh für den Rhythmus eines Eishockeyspielers. Das Telefon riss mich dann etwas unsanft aus dem Schlaf. Matija Pintaric war am anderen Ende der Leitung. Er war auch gerade erst angekommen.

Auf der Suche nach Essbarem erkundeten wir also gemeinsam die Innenstadt von Lyon. Matija ist vielen in Österreich vielleicht noch als Back-up Goalie in Ljubljana bekannt. Über Umwegen wie die schwedische dritte Liga, Kasachstan und Dijon (Ligue Magnus) im letzten Jahr, spielt auch er heuer die erste Saison für Lyon. Im Gegensatz zur EBEL hat sich ‘Pinta’ hier innerhalb einer Saison einen Namen gemacht und gehört zu den besten Goalies der Liga. Noch bemerkenswerter, da man als Slowene keine Lobby hat und er ja auch als Noname aus Ligen gekommen ist, die nicht wirklich für ihre gute Reputation bekannt sind. Kaum vorstellbar, dass so etwas in Österreich möglich wäre. Er spricht übrigens neben Slowenisch, Kroatisch und Englisch auch noch fließend Russisch und Deutsch. Ein smartes Kerlchen also. Noch wussten wir nicht, dass uns das Schicksal heuer aneinanderketten wird und durch die harte Schule Kasachstans gegangen zu sein, wird sich für ihn schon bald als nützlich erweisen…

Nach unserer Sightseeingtour und dem Essen bei dem wir auch noch zwei andere zukünftige Mitspieler trafen, ging es endlich wieder zurück zum Hotel. Den Schlaf hatte ich mir wirklich verdient. Außerdem standen morgen Leistungstests am Programm.

Kaspitz, einst im Laibach-Dress (Bild: Sport-Bilder.at/Dostal)

Der offizielle Start:

Sonntag Mittag trafen wir alle zusammen. Management, Trainer, Betreuer und Spieler. Eines war gleich zu Beginn klar. Zum dritten Mal in meiner Karriere würde ich der älteste Spieler der Mannschaft sein. Nach Asplöven und Ljubljana nun auch Lyon. Wo sind eigentlich die Wolfi Kromps, Günther Lanzingers und Tom Searles wenn man sie braucht? Nach den üblichen Ansprachen am Saisonstart waren die Tests am Programm. Bankdrücken, Klimmzüge, Kniebeugen, Standweitsprung und der allseits beliebte Beep-Test.

Das war auch gleich eine Möglichkeit meine neuen Mitspieler kennenzulernen und zu sehen wo man körperlich steht. Trotz meines nahezu biblischen Alters schlug ich mich erwartungsgemäß gut. Vielleicht auch ein Vorteil, wenn man schon als Kind statt in die Höhe, mehr in die Breite wächst.

Alles in allem hatte ich sofort ein gutes Gefühl. Die Mannschaft schien einen guten Charakter zu haben, sofern man das nach dem ersten Tag überhaupt sagen kann. Eine französische ‘Eigenart’ wurde mir von Mitja gleich zu Beginn erklärt. Kommt man in die Kabine oder trifft generell auf eine Runde Männer sollte man als Zeichen des Respekts jedem einzelnen die Hand geben. Bei Frauen sind es Küsschen auf die Wangen. Mein erster Gedanke war, dass eine  Grippewelle eine Mannschaft wohl umso schneller dezimiert unter solchen Bedingungen. Die Befürchtungen haben sich bis jetzt aber nicht bestätigt.

Am Montag gingen wir das erste Mal aufs Eis zum offiziellen Start in die Saison 2016/2017. Es war kein hartes Training, sondern mehr ein erstes Abtasten um Adduktorenverletzungen zu vermeiden. Ein kluger Zug von Mitja wie ich denke. Mit neuer Ausrüstung fühlt man sich außerdem immer ziemlich bescheiden und man glaubt man hätte über die Sommermonate das Eishockeyspielen verlernt.

Fortsetzung folgt…