sports, ice hockey
Ask the ref #1: Von „Schwalben“ und deren Konsequenzen
Von: Markus Rinner Am: 5 Okt, 2015 | Kategorien: Ask the Ref, Kolumnen, zSlideshow

Ihr ärgert euch über Regeln oder könnt diese nicht nachvollziehen? Ihr hattet immer schon mal brennende Fragen die ihr einem Schiedsrichter stellen wolltet? Nun habt ihr die Chance dazu! In regelmäßigen Abständen wird der ehemalige EBEL-Headschiedsrichter Georg Veit sich in seinem Blog „Ask the ref“ ausführlich euren Fragen annehmen und diese beantworten. Wie das geht? Schickt einfach eine Mail mit eurer Frage an asktheref@hockey-news.info.

Georg Veit bloggt auf Hockey-News

Georg Veit bloggt auf Hockey-Newsveiask

Wir freuen uns auf viele Mails und durch diese Rubrik mal einen der wichtigsten „part of the game“, nämlich die Schiedsrichter, in den Fokus zu rücken, der ansonsten eher im Abseits steht. Wir bitten jedoch um Verständnis, dass Veit aus Loyalität gegenüber seinen Kollegen keine strittigen Situationen analysieren wird.

In der heutigen ersten Ausgabe nimmt sich Veit dem Thema „Diving“, sprich den Schwalben an und erklärt den Auftrag der Schiedsrichter und das interessante Strafausmaß das den Tätern droht:

 

Liebe Eishockeyfans,

zunächst einmal danke für eure zahlreichen Zuschriften, ich werde versuchen immer mehrere Emails in einem Thema zusammenzufassen, um möglichst viele Fragen beantworten zu können. Ein weiteres Danke an Markus Rinner und sein Hockey-News Team, für die einmalige Möglichkeit dieses Blogs.

Sven O. und Manuel aus Wien möchten in diesem ersten Blog wissen, warum in der EBEL relativ wenige „Schwalben“ gepfiffen werden, und wenn dann nur in Zusammenhang mit einem vorausgehenden Foul.

Aus Sicht der Schiedsrichter ist ein „Diving“ (wie die auszusprechende Strafe heißt) bzw. ein „Embellishment“ (wie die Tat heißt) unheimlich schwer zu beurteilen. Die Erfahrung zeigt, dass sich die wenigsten Spieler wegen „gar nichts“ hinfallen lassen. Das heißt, es ist fast immer ein so genanntes „1-Minuten-Foul“ vorhanden. Um nun zu beurteilen, ob ein Spieler sich fallen lässt oder durch das Foul fällt, braucht man den perfekten Winkel zum Spielzug. Dieser hat sich durch das 4-Mann-System klar verbessert, da man aus 2 Winkeln in den Spielzug einsehen kann. Nun heißt die wichtigste Regel für einen Referee aber „Don’t guess“. Das bedeutet, dass eine Strafe nur zu geben ist, wenn man ein Vergehen glasklar als solches erkannt hat. Falls er den Spielzug nicht genau erkannt hat, ist auch auf „keine Strafe“ zu entscheiden. Für die beiden Headschiedsrichter am Eis ist daher unbedingtes Vertrauen äußerst wesentlich, d.h. ich muss meinem Partner, der eine Spielszene aus einem anderen (eventuell besseren?) Blickwinkel beurteilt als ich, vertrauen, dass er die richtige Entscheidung trifft. Eine gute Beispielsituation ist ein Breakaway, in der Referee 1 rückwärts Richtung Tor vorausfährt und beide Spieler vor sich hat, und Referee 2 hinterherläuft. Ich muss nun also als Referee 2 Vertrauen in Referee 1, und dessen klar bessere Position haben.

Hier und da sind Situationen zu sehen, in denen ein Spieler ein Foul begeht (klassisch: das Haken) und sich der tatsächlich gefoulte Spieler theatralisch fallen lässt, um den Referee zu einem Foulpfiff zu verleiten. Nun ist das Ausgangsfoul zwar das Haken, aber der gefoulte Spieler nimmt durch seine übertriebene Reaktion seiner Mannschaft das Powerplay, falls die Schiedsrichter diese Reaktion als „Embellishment“ erkennen. Die Referees brauchen hier nun mal tatsächlich keine Hilfe eines gefoulten Spielers.

Dies ist gleichzeitig auch die Bedeutung des „Embellishments“ (zu deutsch: Ausschmückung, Verschönerung“), der Versuch eines Spielers, einen Spielzug brutaler, gemeiner, vermeintlich offensichtlicher darzustellen. Ein klassisches Beispiel für „Embellishment“ ist ein vermeintlicher Stockschlag gegen den Handschuh des Gegners (oder auch des, die Scheibe blockierenden Torhüters), was diesen zum wilden Schütteln seiner Hand veranlasst. Streng genommen sollte ein solcher Spieler eine kleine Strafe wegen „Embellishments“ erhalten. Das bedeutet aber natürlich, dass ein Referee gesehen haben muss, dass der Stockschlag gar nicht mit dieser Härte ausgeführt wurde, und damit die Reaktion des „gefoulten“ Spielers unangemessen ist. Ansonsten sollte es wieder heißen „keine Strafe“. „Don’t guess“ – „Call what you see“ ist also der wichtigste Leitfaden für die Kollegen auf dem Eis.

Wie bereits im Interview mit Hockey-News angesprochen, werden ALLE Spiele der EBEL videoüberwacht. Ein Punkt, auf den geachtet wird, ist das „Embellishment“. Sollte dies klar identifiziert werden drohen den Spielern folgende Strafen: 1. Vergehen € 250,- Strafe, 2. Vergehen € 500,-, 3. Vergehen € 1000,- und die Veröffentlichung des Spielernamens. In einigen Sportarten gehört die „Herumspringerei“ zum täglichen Geschäft, aber ich kann versichern, dass kein Eishockeyspieler den Ruf eines „Schwalbenkönigs“ erlangen will.

Um also den Bogen zur ursprünglichen Frage von Sven und Manuel zu spannen, möchte ich festhalten, dass es im Eishockey viel weniger tatsächliche „Schwalben“ gibt, als das subjektiv erscheinen mag. Einerseits wegen der drohenden Konsequenzen, andererseits, weil die Spieler in unserer Liga in der überwältigenden Mehrheit Ehrenmänner sind.

www.hockey-news.info, www.youtube.com