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Ask the Ref #11: Von “good goals” und “bad goals”
Von: Markus Rinner Am: 28 Nov, 2016 | Kategorien: Ask the Ref, Kolumnen, zSlideshow

Ihr ärgert euch über Regeln oder könnt diese nicht nachvollziehen? Ihr hattet immer schon mal brennende Fragen die ihr einem Schiedsrichter stellen wolltet? Nun habt ihr die Chance dazu! In regelmäßigen Abständen wird der ehemalige EBEL-Headschiedsrichter Georg Veit sich in seinem Blog „Ask the ref“ ausführlich euren Fragen annehmen und diese beantworten. Wie das geht? Schickt einfach eine Mail mit eurer Frage an asktheref@hockey-news.info.

Georg Veit bloggt auf Hockey-News

Georg Veit bloggt auf Hockey-News

Wir freuen uns auf viele Mails und durch diese Rubrik (Hier geht’s zu den bisherigen Ausgaben) mal einen der wichtigsten „part of the game“, nämlich die Schiedsrichter, in den Fokus zu rücken, der ansonsten eher im Abseits steht. Wir bitten jedoch um Verständnis, dass Veit aus Loyalität gegenüber seinen Kollegen nur bedingt (und nach Rücksprache) strittige Situationen analysieren wird.

Ex-EBEL-Headreferee und Hockey-News Kolumnist Georg Veit berichtet im vierten Blog der neuen Saison über “good goals” und “bad goals”, erklärt dabei das in der Praxis schwierige anzuwendende Regelwerk des internationalen Vebandes

 

Liebe Eishockeyfreunde,

in den vergangenen beiden Meisterschaftswochen haben sich einige kuriose Torsituationen zugetragen, was mich dazu veranlasst, euch den Unterschied zwischen einem „good goal“ und einem „bad goal“ zu erläutern. Unter welchen Umständen kann ein Tor erzielt werden, womit darf dies nicht geschehen?

Zunächst als Grundlage aller Entscheidungen ist zu sagen, dass ein „good goal“ absichtlich nur mit dem Stock erzielt werden kann. Und dies nur dann, so der Teil des Stockes, mit dem der Puck getroffen wird nicht über der Querlatte des Tores befindlich ist (da es sich ansonsten um einen „hohen Stock“ handelt.).

Thatbeingsaid, muss man nun klar differenzieren, ob ein Spieler ein Tor mit einem anderen Teil seines „Körpers“ erzielt hat als mit seinem Stock. Beispielhaft dargestellt bedeutet dies, dass ein Tor gültig ist, wenn ein angreifender Spieler an irgendeinem Teil seines Körpers getroffen wird (inkl. Schlittschuhe) und der Puck von diesem Teil unabsichtlich ins Tor abgefälscht wird. Das heisst, dass ein Puck, der vom Kopf, der Hüfte oder der Hand ins Tor prallt ein „good goal“ zur Folge hat. Sobald der Spieler allerdings mit diesem Körperteil eine absichtliche Bewegung in Richtung des Tors ausführt (mit dem Willen ein Tor zu erzielen), so ist das Tor sofort ungültig. Es kann also absichtlich mit einer „Kopfballbewegung“ einem „Hüftschwung“ oder der „Hand Gottes“ kein „good goal“ erzielt werden.

Beispielhaft lässt sich die folgende Spielsituation aus dem kuriosen Spiel der Caps gegen den HCI verwenden, bei der der Spieler den Puck absichtlich mit seinem Oberschenkel ins Tor ablenkt. Die richtige Entscheidung muss hier also „bad goal“ lauten.

Eine Sonderstellung nimmt bei dieser Regelung der Schlittschuh ein. Diese Regel habe ich in meiner 22-jährigen Tätigkeit immer als unlogisch empfunden, gerne nehme ich Ihre Deutungsansätze an, vielleicht können Sie Licht in dieses Dunkel bringen…?
Eigentlich der einzige Fall, in welchem ein Tor mit dem Schlittschuh kein „good goal“ ist, ist jener in welchem der angreifende Spieler eine Kickbewegung in Richtung des Pucks durchführt.

Siehe IIHF Regelbuch:
RULE 96 – GOALS WITH THE SKATE

i. No goal will be allowed if the puck enters the goalnet as a result of a notice able kicking motion by an attacking skater.
ii. A notice able kicking motion is a movement of the skate along the ice or in pendulum motion as a means of propelling the puck into the goalnet.

 

Der folgende Clip zeigt ein solches „bad goal“:

Und hier der Teil der mir nicht logisch erscheint: Jedes andere Tor, das durch eine bewusste Bewegung eines Spielers mit dem Schlittschuh herbeigeführt wird, ist trotzdem als „good goal“ zu bewerten. Klassischerweise handelt es sich um zwei Fälle: Jenen in welchem der Spieler seinen Schlittschuh absichtlich am Eis dreht, um die Schussrichtung des Pucks ins Tor zu ändern. Und der 2. Fall, in welchem der angreifende Spieler in einer Bremsbewegung den Puck ins Tor befördert.

 

Siehe IIHF Regelbuch:
“v. If an attacking skater turns his skate in any manner with the intention of having the puck deflect off it, and the puck enters the goalnet as a result of that deflection, the goal will be allowed so long as there was no notice able kicking motion.”

Ein Beispiel für den ersten Fall lässt sich in folgendem Clip erkennen, dies muss also laut Regelbuch ein „goodgoal“ sein.

Der Teil, der sich mir als unlogisch erschließt ist jener, dass mit der ausgehenden Grundregel, dass ein Tor absichtlich nur mit dem Stock erzielt werden kann, im Fall des Schlittschuhs ausgehebelt wird. Konsequenterweise müsste in meinen Augen auch jedes absichtlich mit dem Schlittschuh erzielte Tor ungültig sein. Aber ich akzeptiere, dass die Regeln eben nicht immer logisch sind.

Ich möchte noch (kurz) auf einen zweiten Teil des Regelwerks eingehen, welcher oftmals für Verwirrung sorgt. Die Definiton eines „good goal“ in Zusammenhang mit einer „Goalkeeper Interference“ oder einem Torraumabseits.

Zur Klarstellung lautet die Regel sinngemäß, dass jedes Tor abzuerkennen ist, bei welchem der Torhüter in seinem Torhüter behindert wird. Dies kann auf zwei Arten geschehen, der angreifende Spieler behindert den Torhüter entweder körperlich oder nimmt ihm „in the blue“ (Torraum) die Sicht. In beiden Situationen ist ein erzieltes Tor irregulär. Theoretisch kann sich also ein angreifender Spieler im Torraum aufhalten, solange er eben den Goalie nicht behindert. Die Entscheidungen in diesem Fall können dreierlei sein. Zunächst „NO GOAL – NO PENALTY“ und Faceoff in der neutralen Zone. Weiters NO GOAL – PENALTY und Faceoff in der anderen Endzone. Und schließlich „good goal“.

ACHTUNG: Die Frage, wie der Angreifer in den Torraum gelangte ist entscheidend. Eine Taktik defensiver Spieler kann sein, den angreifenden Spieler in den Torraum zu drängen bzw. so zu checken, dass dieser auf den Torhüter fällt. Eine solche, durch den verteidigenden Spieler herbeigeführte Behinderung, führt natürlich nur zur Entscheidung „good goal“.

Die folgende Situation zeigt eine Situation, in welcher der Torhüter in seiner Abwehrbewegung behindert wird, ergo sollte der Call „NO GOAL – NO PENALTY“ sein.

Folgende Szene wäre mit der Entscheidung „NO GOAL – PENALTY“ zu bewerten:

Und schließlich fand ich folgende Situation, die meines Erachtens ein gültiges Tor zeigt, da der Angreifer NICHT aus eigenem Antrieb eine Behinderung am Torhüter begeht, sondern vom verteidigenden Spieler in den Torraum geschoben wird:

 

Abschließend wurde ich von mehreren Seiten gebeten zum Tor der Red Bulls gegen den HCI Stellung zu nehmen. Ich darf hier auf das offizielle EBEL – Statement verweisen, dem ich nichts hinzuzufügen habe außer den folgenden beiden Sätzen aus eben dieser Erklärung, die für mich elementar sind, da sie belegen, dass es in vielen Situationen Entscheidungen gibt, die in beiden Fällen vertreten werden können.

„Hockey is a game of judgement. The underlying consideration 100% of the time is determined on what the judgement of the referee feels, based on his one look in real time and his sightline.“

Sinngemäß übersetzt bedeutet dies, dass Eishockey ein Spiel der Beurteilung und des Blickwinkels ist. Die Beurteilung einer Szene, der einzige Blick darauf und der Winkel sind für die Entscheidung entscheidend.

„But rules are black and white and many incidents are subject to discretion, judgement and interpretation.“

Sprich: Die Regeln sind eindeutig „schwarz – weiß“, aber die Beurteilung einer Situation durch den Referee, seine Einschätzung und sein Winkel sind dies wie gesagt nicht. Aus diesem Grund sind Entscheidungen beim Eishockey dynamisch und oft nicht beschränkbar auf richtig oder falsch.

In freudiger Erwartung vieler Diskussionsbeiträge und weiteren Fragen zu diesem umfangreichen Thema wünsche ich euch allen einen besinnlichen Advent und viele schöne Spiele.

Videos: www.youtube.com