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Ask the Ref #2: Von Fehlentscheidungen und Konsequenzen für Schiedsrichter
Von: Hockey-News Am: 20 Okt, 2015 | Kategorien: Ask the Ref, Kolumnen, zSlideshow

Ihr ärgert euch über Regeln oder könnt diese nicht nachvollziehen? Ihr hattet immer schon mal brennende Fragen die ihr einem Schiedsrichter stellen wolltet? Nun habt ihr die Chance dazu! In regelmäßigen Abständen wird der ehemalige EBEL-Headschiedsrichter Georg Veit sich in seinem Blog „Ask the ref“ ausführlich euren Fragen annehmen und diese beantworten. Wie das geht? Schickt einfach eine Mail mit eurer Frage an asktheref@hockey-news.info.

Georg Veit bloggt auf Hockey-News

Georg Veit bloggt auf Hockey-News

Wir freuen uns auf viele Mails und durch diese Rubrik mal einen der wichtigsten „part of the game“, nämlich die Schiedsrichter, in den Fokus zu rücken, der ansonsten eher im Abseits steht. Wir bitten jedoch um Verständnis, dass Veit aus Loyalität gegenüber seinen Kollegen keine strittigen Situationen analysieren wird.

In der ersten Ausgabe nahm sich Veit dem Thema „Diving“, sprich den Schwalben an und erklärt den Auftrag der Schiedsrichter und das interessante Strafausmaß das den Tätern droht. In der heutigen zweiten Ausgabe geht es um die ligainterne Vorgehensweise bei Fehlern von Schiedsrichtern. Veit erklärt dies anhand zweier Situationen die ihn persönlich betrafen.

 

Liebe Eishockeyfans!

Nach der Regelfrage zum Embellishment erreichte mich diese Woche die Frage von Manuel Schlögl, in der er nachfragt, warum Schiedsrichter nach spielentscheidenden Fehlpfiffen nicht gesperrt werden, da auch Spieler nach Fouls gesperrt werden. Weiters wollte er wissen, warum sich Referees für ihre Entscheidungen nicht entschuldigen.

Um diese Frage zu beantworten muss man zunächst zwischen Fouls und Fehlpässen unterscheiden: Mit einem Foul versucht ein Spieler absichtlich eine Spielsituation zu beeinflussen, zum Beispiel einen Gegenspieler zu Fall zu bringen oder sich oder seiner Mannschaft auf eine andere Art und Weise einen Vorteil zu verschaffen. Im Falle des Fehlpasses macht ein Spieler zunächst eventuell einen guten Spielzug, schließt den aber schlecht ab … dumm gelaufen. Natürlich kann auch ein solcher Spielzug spielentscheidend sein, wird aber vom Spieler nicht absichtlich herbeigeführt, was im Falle des Fouls in der überwiegenden Mehrheit schon der Fall ist.

Im Vergleich dieser beiden Aktionen möchte ich „Fehlentscheidungen“ der Schiedsrichter mit dem Fall des Fehlpasses vergleichen, der … dumm gelaufen … dazu führen kann, ein Spiel zu entscheiden. Damit will ich eigentlich nur sagen, dass solche Entscheidungen natürlich passieren, aber niemals absichtlich herbeigeführt werden.

Ich kann Manuel aber versichern, dass solche (und auch nicht-spielentscheidende Fehlpfiffe) nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Es werden prinzipiell 3 Vorgangsweisen angewandt:

  • Wenn ein Referee bzw. Linesman eine falsche oder schlechte Entscheidung aus dem Spiel heraus (Strafen, Abseits etc.) trifft, wird er in den darauf folgenden Tagen einen Anruf von Lyle bekommen, in dem nicht nur die Entscheidung besprochen wird, sondern besonders darauf geachtet wird, dass dem Referee Lösungsmöglichkeiten aufgeboten werden, mit denen er ähnliche Situationen in der Zukunft vermeiden kann. Es ist auch im Interesse des Offiziellen, aus dem Fehler zu lernen.
  • Eine zweite, ähnliche Maßnahme ist die Zusendung der Situation als Clip an alle EBEL-Offiziellen, um die Situation diskutieren und auch andere Kollegen vor ähnlichen Situationen bewahren zu können.
  • Sollte einem Referee ein technischer Fehler unterlaufen, indem er zum Beispiel in der Over-time mit falscher Spieleranzahl weiterspielen lässt oder zu einem Strafschuss einen falschen Schützen antreten lässt, dann ist die Konsequenz eine Sperre, die allerdings nicht publik gemacht wird. Der Unterschied ist, dass der Referee hier eine Regel nicht gekannt hat, wobei die genaue Regelkenntnis die Grundlage für gute Schiedsrichterarbeit ist. Diese technischen Fehler würde ich wie oben beschrieben eher als Fouls bezeichnen, welche aber natürlich nicht absichtlich herbeigeführt werden Aus demselben Grund der „zu vermeidenden Bloßstellung“ werden sich Referees im Normalfall nicht öffentlich für deren Fehlpfiffe entschuldigen. Es ist auch menschlich zu hoffen, dass bald Gras über die Entscheidung wächst. Was aber sehr üblich ist, sind direkte Gespräche der Referees mit betroffenen Spielern und Linesmen.

 

Mir fallen hier 2 Beispiele aus meiner persönlichen Erfahrung ein:

Bei einem Spiel in Graz vor 3 Jahren, erzielte Olympija Ljubljana den Siegtreffer in der Overtime. Bei dem Spielzug handelte es sich um eine Breakawaysituation, in der der Olimpijaspieler von Dustin VanBallegooie verfolgt wurde und kurz vor dem Abschluss zu Fall gebracht wurde, woraufhin der Puck, der Angreifer, der Torwart und Dustin alle im Tor landeten. Ich erkannte das Tor an, was zu heftigen Protesten inkl. Schlägerwürfen einiger Grazer Spieler, Schimpftiraden des damaligen Grazer Trainers und der anwesenden Presservertreter beim Verlassen des Eises führte. Eine höchst unangenehme Situation, bis Dustin die sportliche Größe besaß, vor seinen vorbeistampfenden Mitspielern vor mir klarzustellen, dass das Tor sein Fehler gewesen war und den Stürmer keine Schuld traf… Dustin bekam in den weiteren 3 Jahren nie mehr eine Strafe wegen Meckerns… J

Eine zweite Situation, welche an Peinlichkeit kaum zu überbieten war, passierte mir in Bozen, beim Spiel gegen Dornbirn vor 2 Jahren. Wir waren im Penaltyshootout, als ein Bozener Stürmer vom Dornbirner Torwart klar mit dem Stock von den Füßen geholt wurde. Dieser konnte natürlich kein Tor mehr erzielen. Meinem Partner und mir war natürlich klar, dass hier etwas massiv nicht stimmte, nur kannten wir beide die entsprechende Regel und die vorgesehene Konsequenz nicht. Daraufhin berieten wir uns gefühlte 30 Minuten mit den Linienrichtern, die die Regel ebenfalls nicht kannten. Also machten wir das einzig Logische, wir entschieden, dass der Stürmer gar nicht gefoult worden war (=Tatsachenentscheidung) und gingen zum nächsten Dornbirn-Penalty über, der (eh kloa) zum Sieg traf.

Unmittelbar nach dem Spiel begehrte Tom Pokel Einlass in die Schiedsrichterkabine. Wir waren gefasst und hatten unsere Verteidigungsstrategie bereit. Mit hochrotem Kopf und erhobener Faust betrat Tom die Kabine und wollte sofort los schreien. Ich entschied mich plötzlich gegen unsere Verteidigung und ging zum Angriff über: „Wir haben das einzige, wofür wir bezahlt werden nicht gemacht … die Regeln zu kennen. Wir haben Mist gebaut. Du kannst jetzt herumbrüllen, schimpfen, was immer du begehrst, aber wir können es nicht ändern. Es tut uns leid.“ … Von so viel entwaffnender Ehrlichkeit getroffen meinte Tom, „Wozu soll ich dann herumschreien?“ … Ich glaube, dass wir in dieser Situation vor Tom sogar an Respekt gewonnen haben. J

Es werden also sehr wohl Fehler zugegeben und es gibt Konsequenzen, aber die bleiben in der Familie der EBEL.

Die richtige Lösung ist übrigens: Der Penalty hätte wiederholt werden müssen.

Drei Tage später leitete ich das Spiel Fehervar gegen Dornbirn und es kam zu einem Penalty woraufhin ich zum Dornbirner Torwart sagte: „Don’t trip the player again, I know the rule now.“

 

Für Hockey-News: Georg Veit