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Ask the Ref #3: Von Fights, Feiglingen und der These “a good fight ist the referee’s friend”
Von: Markus Rinner Am: 17 Nov, 2015 | Kategorien: Ask the Ref, Kolumnen, zSlideshow

Ihr ärgert euch über Regeln oder könnt diese nicht nachvollziehen? Ihr hattet immer schon mal brennende Fragen die ihr einem Schiedsrichter stellen wolltet? Nun habt ihr die Chance dazu! In regelmäßigen Abständen wird der ehemalige EBEL-Headschiedsrichter Georg Veit sich in seinem Blog „Ask the ref“ ausführlich euren Fragen annehmen und diese beantworten. Wie das geht? Schickt einfach eine Mail mit eurer Frage an asktheref@hockey-news.info.

Georg Veit bloggt auf Hockey-News

Georg Veit bloggt auf Hockey-News

Wir freuen uns auf viele Mails und durch diese Rubrik mal einen der wichtigsten „part of the game“, nämlich die Schiedsrichter, in den Fokus zu rücken, der ansonsten eher im Abseits steht. Wir bitten jedoch um Verständnis, dass Veit aus Loyalität gegenüber seinen Kollegen keine strittigen Situationen analysieren wird.

In der ersten Ausgabe nahm sich Veit dem Thema „Diving“, sprich den Schwalben an und erklärt den Auftrag der Schiedsrichter und das interessante Strafausmaß das den Tätern droht. In der zweiten Ausgabe ging es um die ligainterne Vorgehensweise bei Fehlern von Schiedsrichtern. Veit erklärte dies anhand zweier Situationen die ihn persönlich betrafen. Heute geht es um Fights. Viele Zuschriften kamen mit der Bitte um Aufklärung, warum heute beinahe keien Fights mehr zu sehen sind und wie das Regulativ dazu aussieht. Hier die Antwort:

 

Liebe Eishockeyfans!

Einige Fans fragten nun bereits nach Regulativen oder Anweisungen bezüglich der allseits beliebten Schlägereien. Ich will versuchen zu erläutern in welchen Fällen diese zugelassen werden und wann sie verhindert werden.

Zunächst muss einmal festgestellt werden, dass sich nicht nur das gesamte Spiel mit seinem Tempo und technischen Finessen, sondern auch Auseinandersetzungen zwischen Spielern grundlegend geändert haben. Ich vergleiche hier ganz klar die EBEL „Prä-Seitz“ und aktuell. Wenn man sich Videoclips von Schlägereien aus der Zeit vor Lyle Seitz ansieht, war kaum erkennbar, dass es irgendwelche Regeln gab. Die Auseinandersetzungen erinnerten mehr an Wirtshauskeilereien als an eine, prinzipiell von Respekt geprägte, Sportveranstaltung. Es gab insofern keine Regeln, als aus allen möglichen Gründen drauflos geprügelt wurde, dazu oft auch Auseinandersetzungen mit mehreren Spielern entstanden. Wiewohl diese einen gewissen Unterhaltungswert und Emotionen beinhalteten, muss ich feststellen, dass diese Fetzereien NICHT zum Eishockeysport gehören.
Heute dienen Schlägereien zwar auch dazu, gröbere Meinungsverschiedenheiten auszutragen, sie werden aber „respektvoller“ ausgetragen. Wie kann man nun „respektvoll“ seinem Gegenüber ein paar auf die „Schnauze“ hauen? Es gibt mittlerweile klare Regeln für ebensolche Dispute, die auch strikt bestraft werden. Zu einem guten Kampf müssen sich (laut EBEL Casebook) zunächst einmal „2 willing combattants“ finden. Das bedeutet, 2 Spieler müssen sich darauf verständigt haben, mit einem Kampf einverstanden zu sein. Dies wird durch Blickkontakt oder kurzes Aussprechen erledigt.

 

Ich kann mich an eine Szene erinnern, in der ein namenloser Spieler (eher klein, schnell aber schmächtig), bei jeder Gelegenheit im Spielverlauf versuchte, Todd Elik (groß, kräftig, crazy?) zu provozieren. Nach einem kleinen Stockschlag zu viel blieb Todd abrupt stehen, verlor seine Handschuhe und meinte „Let’s fucking go then“. Der Gegenspieler antwortete kleinlaut mit „No no, let’s please play hockey“ (ihm war wahrscheinlich plötzlich seine Unterlegenheit im Kampf klar geworden) und fuhr schnell davon. Wiewohl die Regel hier vorsieht, dass Spieler, die ihre Handschuhe abstreifen, um einen Gegner zu einer Straftat zu verleiten, eine Diszi bekommen sollen, darf ich wohl ergänzen, dass Todd jene in diesem Fall nicht bekam, und im Falle eines Fights, die Linesmen wohl eher gemächlich eingegriffen hätten…

Ein respektvoller Fight muss weiters die Anforderung erfüllen, dass er auch ein Ende hat, wenn ein Spieler verloren hat, bzw. die Linesmen eingreifen. Jedes weitere Zuschlagen ist höchst respektlos und wird entsprechend bestraft. Es gilt im Allgemeinen der Vorsatz „A good fight ist the referee’s friend“, weil ein guter Kampf, der respektvoll ausgetragen wird, dazu führt, dass aufgestaute Emotionen sich für kurze Zeit entfalten und eine beruhigende Wirkung auf das Spiel haben können. Solche Fights werden im Regelfall von den Offiziellen zugelassen und nicht zu verhindern versucht. In jedem Fall, in dem aber anzusehen ist, dass es nur einen Aggressor und einen Verteidiger gibt, der eigentlich gar nicht kämpfen will, aber sich eben wehren muss, werden die Linesmen versuchen, die Auseinandersetzung im Keim zu ersticken.

 

Zum besseren Regelverständnis eine kurze Zusammenfassung des umfangreichen „Fight“ Paragrafen:

  • Das Fallenlassen der Handschuhe führt nur in dem Fall zu einer Diszi, wenn daraus kein Kampf entsteht und es sich nur um Gockelgehabe handelt.
  • Für einen respektvollen Fight gibt es nur jeweils 5 Minuten (eine Strafe, die meines Erachtens auch in anderen Ligen Österreichs adaptiert werden sollte), beide Spieler können also weiterhin am Spiel teilnehmen.
  • Im Fall eines Aggressors und eines Spielers, der eigentlich nicht kämpfen will, werden für den Aggressor 2+5+SPD ausgesprochen, für den sich verteidigenden Spieler die üblichen 5 Minuten.
  • Für den Fall, dass ein Spieler eine Auseinandersetzung nach deren Ende nicht sein lässt, bekommt dieser zusätzlich zu den 5 Minuten eine Spieldauerdiszi.

Mir fällt noch ein zweiter Fall als gutes Beispiel der jüngeren Vergangenheit ein, in welcher ein Spieler des KAC offensichtlich den Auftrag hatte, den grenzgenialen, aber eben auch emotionalen Benoit Gratton der Caps zu provozieren, mit dem Ziel, ihn zu einer strafbaren Handlung zu verleiten. Nach einem Unterbruch beim Tor konnte sich Benoit nicht mehr halten, er verlor seine Handschuhe und umkreiste wutentbrannt und „ready“ das Tor des KAC, in welchem sich der KAC Spieler versteckte (!). Auch in diesem Fall griffen die Linienrichter eher entspannt ein, um eine Situation zu verhindern, in der Benoit mit 10 Minuten hätte bestraft werden müssen und der andere Spieler straffrei davonkam. So konnten beide mit der gleichen Strafe belegt werden und der Spieler (in dem Fall) des KAC hatte wahrscheinlich seine Lektion gelernt. Die Offiziellen versuchen hier nicht unfair zu handeln, oder die Regeln zu brechen, vielmehr wird versucht, die Regeln so auszulegen, dass sie Übeltäter bestrafen und so angewandt werden, dass sie Sinn ergeben.

Hier zwei perfekte Beispiele für No-Respect-Fights die im Eishockeysport nichts verloren hat:

 

Und andererseits zwei Fight-Exampels, die zeigen wie es sein soll. Respektvolles beidseitig einverständliches Fighten, mit abgesprochenem Ende:

 

Und zum Schluss noch ein Beispiel eines absoluten No-Go’s: Einprügeln auf den besiegten Gegner:

 

Ich hoffe euch ein bisschen geholfen zu haben, potentielle Fightsituationen in Zukunft mit anderen Augen zu sehen und die respektvollen Kämpfe mehr genießen zu können, wie es auch die anderen Spieler tun, die sich meist im Halbkreis um die Kämpfenden stellen und es den Anschein hat, als fehlten nur mehr Popcorn und Bier zur perfekten Abendunterhaltung.

Für Hockey-News: Georg Veit

Videos: www.youtube.com