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Ask the Ref #4: Von Legionären unter den Zebras und verbalen Griffen unter die Gürtellinie
Von: Markus Rinner Am: 9 Dez, 2015 | Kategorien: Ask the Ref, Kolumnen, zSlideshow

Ihr ärgert euch über Regeln oder könnt diese nicht nachvollziehen? Ihr hattet immer schon mal brennende Fragen die ihr einem Schiedsrichter stellen wolltet? Nun habt ihr die Chance dazu! In regelmäßigen Abständen wird der ehemalige EBEL-Headschiedsrichter Georg Veit sich in seinem Blog „Ask the ref“ ausführlich euren Fragen annehmen und diese beantworten. Wie das geht? Schickt einfach eine Mail mit eurer Frage an asktheref@hockey-news.info.

Georg Veit bloggt auf Hockey-News

Georg Veit bloggt auf Hockey-News

Wir freuen uns auf viele Mails und durch diese Rubrik mal einen der wichtigsten „part of the game“, nämlich die Schiedsrichter, in den Fokus zu rücken, der ansonsten eher im Abseits steht. Wir bitten jedoch um Verständnis, dass Veit aus Loyalität gegenüber seinen Kollegen keine strittigen Situationen analysieren wird.

In der ersten Ausgabe nahm sich Veit dem Thema „Diving“, sprich den Schwalben an und erklärt den Auftrag der Schiedsrichter und das interessante Strafausmaß das den Tätern droht. In der zweiten Ausgabe ging es um die ligainterne Vorgehensweise bei Fehlern von Schiedsrichtern. Veit erklärte dies anhand zweier Situationen die ihn persönlich betrafen. In der dritten Ausgabe ging es um Fights. Veit antwortete auf viele Zuschriften, mit der Bitte um Aufklärung, warum heute beinahe keine Fights mehr zu sehen sind und wie das Regulativ dazu aussieht. Heute geht es um die Entwicklung der österreichischen Schiedsrichter die International bereits Ansehen hat. Das Ganze am Beispiel der Nikolic-Zwillinge. Außerdem möchte Georg Veit etwas transportieren, das ihm persönlich am Herzen liegt…

 

Liebe Eishockeyfreunde,

aus aktuellem Anlass möchte ich die Chance ergreifen, euch zwei Referees vorzustellen, mit denen mich persönlich einiges verbindet. Es handelt sich um Kris und Manuel Nikolic, welche im Alter von 15 Jahren ihre „Karriere“ als Spieler des HCI und in weiterer Folge des EC Telfs beendeten und zur„hellen Seite der Macht“ wechselten.

In ihrem zarten Alter waren zunächst alle anderen Dinge wichtiger als das Eishockey, so kam es, dass Manuel und Kris zu ihrer ersten Sitzung als Schiedsrichteranwärter aus ungenannten Gründen nicht kommen wollten. Dieser Umstand und einige wenige weitere Unstimmigkeiten führten dazu, dass die beiden beinahe aus dem Tiroler Kollegium geflogen wären. Im Nachhinein betrachtet „Gottseidank“ gab man ihnen noch eine Chance. 🙂

Kris & Manuel Nikolic mit Georg Veit und Matthias Ruetz (von links) bei einem Testspiel in Kitzbühel (Pic: Privat)

Kris & Manuel Nikolic mit Georg Veit und Matthias Ruetz (von links) bei einem Testspiel in Kitzbühel (Pic: Privat)

 

Da Kris noch eine Zeitlang weiterspielen wollte, hatte Manuel immer etwa ein Jahr Vorsprung in der Entwicklung als Referee. Nach einigen Jahren der Entwicklung war es dann für die beiden „Itschs“ soweit und sie erhielten ihre ersten Einteilungen als Referees in der EBEL (Manuel 23. 11. 2012 und Kris 14. 8. 2014). Am 2. November 2014 leiteten sie als erstes Zwillingspaar die Begegnung Salzburg – Klagenfurt in der EBEL, wozu eine große Delegation der Tiroler Schiedsrichter zum Anfeuern angereist war.

Der vorläufige Höhepunkt von Manuels Karriere war eine Einladung zum Level 6 – Schiedsrichterseminar in Canada. Die Kategorisierung der Schiedsrichter ist in Levels eingeteilt. Es geht von Level 1 (Anfänger) über Level 4 (EBEL Refs) bis zu Level 6 (NHL-Befähigung). Diese Einladung wird jedes Jahr nur wenigen Europäern gegenüber ausgesprochen. Peter Gebei und Ladislav Smetana absolvierten ebenfalls diesen Lehrgang. Neben Jürgen Leiter (langjähriger Tiroler Schiedsrichterobmann) nahmen auch einige NHL Supervisor an diesem Lehrgang teil.

Im Anschluss an das Level 6 – Seminar verbrachte Manuel noch zwei weitere Wochen in Canada, in denen er vier AHL (!) Spiele selbst leitete und zwei NHL Spiele beobachtete. Nach beiden NHL Spielen traf Manuel die Referees in der Schirikabine und unter anderem Schiedsrichterlegende und „Hockey Hall ofFame“ – Mitglied Bill McCreary. Nach einem der Spiele in Manitoba holte Thomas Raffl unseren Manuel an der Eishalle ab. Gemeinsam besuchten sie ein Steakhouse (Stammlokal der Winnipeg Jets) und verbrachten den restlichen Abend mit Golfspielen auf der Xbox. Diese Entwicklung wäre selbstverständlich nicht möglich, würde Lyle Seitz nicht Kontakte auf internationalem Level, eben auch unter anderem mit seinen Kollegen bei der NHL, herstellen.

Die weitere Karriere unserer beiden Nikolic wird euch Fans sicher noch lange (zumindest ein bisschen) Ärger und uns Referees viel Freude bereiten.

Georg Veit, Jakob Schauer, Lucas Plattner und Kris Nikolic bei dessem ersten EBEL-Spiel (Pic: Privat)

Georg Veit, Jakob Schauer, Lucas Plattner und Kris Nikolic bei dessem ersten EBEL-Spiel (Pic: Privat)

Aus gegebenem Anlass möchte ich aber noch um eines bitten: Die Kritik an Schiedsrichtern und ihrer Leistung ist erlaubt und im fachlichen Fall auch erwünscht. Ich ersuche aber dringend davon Abstand zu nehmen, Personen, die man selbst nicht kennt, öffentlich (!) als A…löcher, Vollidioten und Ähnliches zu beschimpfen, oder ihnen wie ein Leser aus Vorarlberg auf der EBEL Homepage zu Gewalt gegen Referees aufzurufen. Jeglicher Dialog mit Fans, für den ich auch einstehe wird so unmöglich gemacht und ihr disqualifiziert euch selbst als „gute Eishockeyfans“. Weiters bitte ich objektiv darauf zu vertrauen, dass Beobachter der EBEL, der NHL und andere Top-Fachleute Referees einsetzen, die ihren Aufgaben gewachsen sind, auch wenn das manchmal subjektiv anders erscheint.

Ein bisschen zwiegespalten sind manche Fans nämlich durchaus, was ich anhand eines Eishockeyzusehers aus Dornbirn kurz erläutern will. Dieser „Fan“ stellte öffentlich die Aussage auf, dass Dornbirn unter meiner Leitung noch nie gewonnen hätte (nachweislich falsch) und kritisierte mich in diversen Foren und öffentlich in der Halle auf untergriffige und verletzende Art und Weise. Und das bei jeder Gelegenheit über mehrere Jahre. Den Mut sich zu stellen hatte er leider nie. Als er nun von meinem Rücktritt aus der EBEL erfuhr, fragte er einen Schiedsrichterbeobachter, warum ich denn aufgehört hätte, denn ich wäre doch so viel besser als diese Nikolic…

Abschließend möchte ich noch bemerken, dass Manuel und Kris Beispiele für Referees sind, die selbstkritisch und integer sind, große Freude an ihrem Engagement für die EBEL haben und trotzdem nicht vergessen haben, dass sie einem Landeskollegium entstammen. Dies zeigen sie durch vollen Einsatz auch in Spielen des TEHV, wenn sie dort von U12 bis zu Eliteligaspielen helfend eingreifen.

 

Für Hockey-News: Georg Veit

Bilder: Privat