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Ask the Ref #5: Von disziplinären Maßnahmen und petzenden Referees
Von: Markus Rinner Am: 13 Jan, 2016 | Kategorien: Ask the Ref, Kolumnen, zSlideshow

Ihr ärgert euch über Regeln oder könnt diese nicht nachvollziehen? Ihr hattet immer schon mal brennende Fragen die ihr einem Schiedsrichter stellen wolltet? Nun habt ihr die Chance dazu! In regelmäßigen Abständen wird der ehemalige EBEL-Headschiedsrichter Georg Veit sich in seinem Blog „Ask the ref“ ausführlich euren Fragen annehmen und diese beantworten. Wie das geht? Schickt einfach eine Mail mit eurer Frage an asktheref@hockey-news.info.

Georg Veit bloggt auf Hockey-News

Georg Veit bloggt auf Hockey-News

Wir freuen uns auf viele Mails und durch diese Rubrik mal einen der wichtigsten „part of the game“, nämlich die Schiedsrichter, in den Fokus zu rücken, der ansonsten eher im Abseits steht. Wir bitten jedoch um Verständnis, dass Veit aus Loyalität gegenüber seinen Kollegen keine strittigen Situationen analysieren wird.

In der ersten Ausgabe nahm sich Veit dem Thema „Diving“, sprich den Schwalben an und erklärt den Auftrag der Schiedsrichter und das interessante Strafausmaß das den Tätern droht. In der zweiten Ausgabe ging es um die ligainterne Vorgehensweise bei Fehlern von Schiedsrichtern. Veit erklärte dies anhand zweier Situationen die ihn persönlich betrafen. In der dritten Ausgabe ging es um Fights, Veit antwortete auf viele Zuschriften, mit der Bitte um Aufklärung, warum heute beinahe keine Fights mehr zu sehen sind und wie das Regulativ dazu aussieht. Ausgabe vier behandelte die Entwicklung des österreichischen Schiedsrichterwesens, das International bereits hohes Ansehen hat. Heute geht es um Disziplinarstrafen.

 

Liebe Eishockeyfreunde,

in der heutigen Blogausgabe möchte ich mich mit dem Thema der Disziplinarstrafen beschäftigen, da in der Partie Salzburg gegen Dornbirn eine durchaus rigorose Maßnahme gesetzt wurde, indem beide Strafbänke zum Bersten gefüllt wurden.

Was mittlerweile allen Fans bewusst sein dürfte ist, dass die gute alte „10er“ in der EBEL für einige Fälle durch eine kleine Strafe ersetzt wurde. Das Zeichen dafür ähnelt dem „Time-out“ Zeichen (T für Technisches Foul – siehe Basketball) und führte dadurch bei Einführung zu einigen Verwechslungen. So zum Beispiel als ich in Linz einem Spieler nach eines Hakens eine weitere kleine Strafe für Meckern anzeigte und der Stadionsprecher prompt ein „Timeout Blaaaaaackwings“ verkündete J

Der Sinn der Strafe ist offensichtlich, man will erreichen, dass nicht ein Spieler für 10 Minuten bestraft wird, sondern, dass eine viel empfindlichere und für das Team nachteilige Unterzahl entsteht.

Die Disziplinarstrafe wurde aber natürlich nicht abgeschafft, sondern ihr Einsatz verlagert. So kann man als Maßregel verwenden, dass alles was an Kritik oder ähnlichem eines Spielers in Richtung Schiedsrichter geht mit einer kleinen Strafe geahndet wird. Alles was in Richtung eines Gegenspielers geht wird mit einer Disziplinarstrafe geahndet. Dies umfasst „Tatbestände“ wie … einen Gegenspieler verbal oder durch Gesten zu einer strafbaren Handlung zu verleiten … Gegner zu provozieren oder verhöhnen („Taunting“), was beispielsweise klassisch kurz vor Spielende passieren kann, wenn eine Mannschaft ihren 10. Treffer übertrieben vor der gegnerischen Spielerbank feiert (so geschehen vor zwei Jahren beim Spiel Znojmo gegen Dornbirn).

Weiters kann die Disziplinarstrafe eingesetzt werden um alle möglichen Situationen zu klären bzw. um zu deeskalieren. Ein Klassiker, und genau um diese Situation ging es beim Spiel Salzburg vs. Dornbirn vom 1. Januar 2016, ist die Situation, dass zum Beispiel durch einen Spielunterbruch beim Tor eine hitzige Situation entsteht. Einige Spieler stehen herum, es wird ein bisschen geschubst, aber nichts passiert. Vielleicht nehmen sich zwei Kombattanten ein Herz und tauschen ein paar Schläge aus, die anderen provozieren und plauschen inzwischen weiter. Das ist für die Offiziellen eine höchst unübersichtliche und unerfreuliche Situation, da sie augenblicklich eskalieren kann. In diesem Fall ordnet ein Referee an, dass alle Spieler den „Tatort“ verlassen sollen. Wenn dies nach wiederholter Aufforderung nicht passiert und die Spieler weiterhin provozieren, quatschen und nicht daran interessiert sind, ihre Position zu verlassen, dann werden gegen alle Spieler Disziplinarstrafen ausgesprochen. Das darf durchaus als „pädagogische Maßnahme“ interpretiert werden, da man sich erhofft, dass sich im Wiederholungsfall kein Spieler darauf einlässt, wegen „so eines Käses“ 10 Minuten abzusitzen. Ich denke, dass alle acht (!) Spieler des genannten Spiels sicher keine Wiederholungs -“Täter“ werden 😉 

Rumble in the jungle (Photo: GEPA pictures/ Felix Roittner)

Rumble in the jungle (Photo: GEPA pictures/ Felix Roittner)

 

Lyle Seitz meinte dazu immer, „play as hard as you can between the whistles“. Damit meinte er, dass während des laufenden Spiels alles im Regulativ erlaubte gestattet ist, hart gespielt werden soll, Emotionen gezeigt werden sollen. Wenn allerdings der Pfiff ertönt ist „Schluss mit lustig“. Da soll kein Herumschubsen, Quatschen oder Ähnliches mehr passieren, sondern schnelle Wechsel, damit das Spiel wieder weitergehen kann.

Ein weiteres seiner Zitate ist „A moving puck is the referee’s best friend“ … Solange der Puck also in Bewegung ist, läuft die Uhr herunter und es können nur Szenen aus dem Spiel heraus entstehen. Das ist gut für das Spiel und die Referees. Was niemand sehen will sind die „blablabla“-Unterbrechungen. Sie haben Eskalationspotential und langweilen die Fans. Und genau um diese Situationen zu minimieren haben Shane Warschaw und Daniel Gamper in Salzburg durchgegriffen.

Eine weitere Einsatzmöglichkeit der Disziplinarstrafe ähnelt einer bereits beschriebenen Situation (Taunting) … es geht hierbei um die Absicht einen Gegenspieler zu einem Kampf aufzufordern, indem man seine Handschuhe abstreift und dem Gegner zu einem Faustkampf verleiten will. In diesem Fall wird die 10er aber nur ausgesprochen, wenn daraufhin NICHTS passiert und es bei der Provokation bleibt. Folgt mit zwei „willing combattants“ ein Kampf, dann verfallen die Disziplinarstrafen fürs „Handschuhe Ausziehen“ und es werden nur die, für den Kampf vergebenen, Strafen ausgesprochen.

ACHTUNG Sonderfall: Trainer können selbstverständlich keine Disziplinarstrafen erhalten. Unsportliches Verhalten durch einen Trainer wird mit einer „kleinen Bankstrafe“ geahndet, um durch das Fehlverhalten des Trainers ebenfalls die Mannschaft zu schwächen.

Diese Strafe wird aber in den seltensten Fällen ausgesprochen, da sich die Trainer meist vorbildlich benehmen. Ein Problem können eher andere Mitglieder des Betreuungsstabs darstellen, manchmal handelt es sich um Teamärzte oder Equipment-Manager. Nur im Extremfall muss hier eine Strafe ausgesprochen werden, man versucht vorher die Verantwortung an den Trainer abzugeben. Dies habe ich meist so erledigt, dass ich ganz einfach beim Trainer gepetzt habe. Durch das Petzen machte meist der Trainer den Betroffenen zur Schnecke, da er nicht daran interessiert war, deswegen in Unterzahl zu geraten. Meist reichte das und es gab keine weiteren Kommentare von der Bank. Man kann also durch Kommunikation Strafen verhindern, indem man die Verantwortung dafür einfach in die Hände des Trainers legt.

Nach Aussage von Lyle sind die Referees nicht am Eis „to fucking babysit“ und damit trifft er genau ins Schwarze. Ich möchte feststellen, dass es sich bei den Referees und Spielern zu 98 Prozent um Erwachsene handelt, aber der eine oder andere braucht eben doch eine führende Hand 😉

Für Hockey-News: Georg Veit