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Ask the Ref #7: Die Auflösung eines heiss diskutierten aber regulären Penaltyshots!
Von: Markus Rinner Am: 14 Mrz, 2016 | Kategorien: Ask the Ref, Kolumnen, zSlideshow

Ihr ärgert euch über Regeln oder könnt diese nicht nachvollziehen? Ihr hattet immer schon mal brennende Fragen die ihr einem Schiedsrichter stellen wolltet? Nun habt ihr die Chance dazu! In regelmäßigen Abständen wird der ehemalige EBEL-Headschiedsrichter Georg Veit sich in seinem Blog „Ask the ref“ ausführlich euren Fragen annehmen und diese beantworten. Wie das geht? Schickt einfach eine Mail mit eurer Frage an asktheref@hockey-news.info.

Georg Veit bloggt auf Hockey-News

Georg Veit bloggt auf Hockey-News

Wir freuen uns auf viele Mails und durch diese Rubrik mal einen der wichtigsten „part of the game“, nämlich die Schiedsrichter, in den Fokus zu rücken, der ansonsten eher im Abseits steht. Wir bitten jedoch um Verständnis, dass Veit aus Loyalität gegenüber seinen Kollegen keine strittigen Situationen analysieren wird.

In der ersten Ausgabe nahm sich Veit dem Thema „Diving“, sprich den Schwalben an und erklärt den Auftrag der Schiedsrichter und das interessante Strafausmaß das den Tätern droht. In der zweiten Ausgabe ging es um die ligainterne Vorgehensweise bei Fehlern von Schiedsrichtern. Veit erklärte dies anhand zweier Situationen die ihn persönlich betrafen. In der dritten Ausgabe ging es um Fights, Veit antwortete auf viele Zuschriften, mit der Bitte um Aufklärung, warum heute beinahe keine Fights mehr zu sehen sind und wie das Regulativ dazu aussieht. Ausgabe vier behandelte die Entwicklung des österreichischen Schiedsrichterwesens, das International bereits hohes Ansehen hat. In Ausgabe Fünf widmete er sich der Thematik “Disziplinarstrafen” und in der sechsten über die Auswahlkriterien unter den Schiedsrichtern. Heute geht es um eine spezielle Situation, den fragwürdigen und heiss diskutierten Penaltyshot in der letzten Viertelfinalpartie zwischen Red Bull Salzburg und dem KAC.

 

Liebe Eishockeyfans,

ich möchte heute gerne zu der Penaltysituation beim 7. Viertelfinalspiel Salzburg –KAC Stellung nehmen (siehe HIER).
Die Situation stellt sich wie folgt dar: Kurz vor dem Abschluss des KAC Spielers fällt dem Goalie der Redbulls der Stock aus der Hand aufs Eis bzw. er lässt ihn fallen. Kurz darauf versucht er den Stock wieder aufzunehmen bzw. mit der Fanghand den Schuss abzuwehren. Die Berührung der Stockhand mit dem am Eis liegenden Schläger sehe ich als zufällig an. Der Penalty, soviel will ich vorweg nehmen, ist regulär. Der Tormann hat sich keiner regelwidrigen Mittel bedient, um den Strafschuss abzuwehren.

Folgende Dinge sind zu beachten:

  • Im Regelbuch ist NICHT geregelt, ob ein Torhüter seinen Stock bei der Ausführung eines Penaltys aufs Eis legen darf. Ich kann euch berichten, dass diese Situation ausführlich von der EBEL behandelt wurde und auch die Meinungen anderer Ligen, insbesondere der NHL, eingeholt wurden.
  • Auch in der NHL ist eine solche Situation noch nie aufgetreten. Es wurde jedoch unisono festgehalten, dass diese Situation nirgends im Regelbuch als regelwidrige Situation beschrieben wird.
  • Um noch einen Schritt weiter zu gehen und zu überlegen, ob es sich bei dieser Aktion um eine Regelwidrigkeit handelt, biete ich folgenden Gedanken an: Ein Torhüter ohne Stock in der Hand ist definitiv schwächer als ein Torhüter mit Stock in der Hand. Intelligente Spieler sollten in der Lage sein, diese Situation auszunützen, um den Torhüter in solch einer Situation über die Stockhand zu bezwingen und ein solches Vorgehen zu ihrem Vorteil auszunützen.
  • Verboten ist lediglich das Positionieren des Stockes vor dem Tor, wenn der Goalie das Feld für einen 6. Feldspieler verlässt. Es ist auch geregelt, dass ein Torhüter den Stock (oder irgendeinen anderen Gegenstand) nicht in Richtung des Puckführenden werfen darf. In einem solchen Fall hätte auf zugesprochenes Tor entschieden werden müssen. Dies trifft hier aber nicht zu, weder von Seiten der NHL, noch von Seiten der EBEL wurde diese Aktion als Werfen des Schlägers eingestuft und somit der Penalty-Versuch von Manuel Ganahl als regulär bewertet.
  • Den Referees kann in dieser Situation KEIN Vorwurf gemacht werden. In dieser Situation direkt am Eis erkennen zu wollen, ob der Schläger fallengelassen wurde oder von selber fiel ist schlichtweg NICHT möglich. Jeder Funktionär, Journalist und Fan, der gemütlich zuhause nach mehrmaligem Zeitlupenstudium zu der Erkenntnis kommt, dass der Schläger vielleicht sicher absichtlich fallen gelassen wurde ist höchst scheinheilig. Abgesehen ist das in genanntem Fall wie gesagt unerheblich.
  • Bezugnehmend auf den Vorwurf, warum die Referees das teure Videosystem nicht in Anspruch nahmen ist einfach. Diese Situation DARF NICHT im VGJ-System begutachtet werden.
  • Abschließend möchte ich der „Kleinen Zeitung“ und Herrn Korentschnig widersprechen, wenn sie Regel 226 als hier passendes Argument ausgemacht haben um die Entscheidung als falsch darzustellen. Diese Regel (s.u.) sieht ein zugesprochenes Tor vor, für den Fall, in welchem der Torhüter den Stock in Puck oder Puckführender „wirft“. Da zu keiner Sekunde dieser Situation von einem „Wurf“ gesprochen werden kann, findet diese Regel hier keine Anwendung. Wie so oft dieser Tage bietet man also eine „einfache“, aber deswegen keine „richtige“ Lösung.

 

RULE 226 – AWARDED GOALS/FOULS BY A GOALTENDER See also Rule 177-v

  1. If, during the course of a penalty shot, the goaltender removes his facemask, a goal will be awarded.
  2. If, during the course of a penalty shot, the goaltender moves or dislodges the goal frame, a goal will be awarded unless otherwise provided by these rules (see Rule 178-vi and 178-vii).
  3. If, during the course of a penalty shot, the goaltender throws his stick at the puck or puck carrier, a goal will be awarded.

Ich freue mich auf eure weiteren Fragen beziehungsweise sachlichen Diskussionsansätze: asktheref@hockey-news.info

 

Für Hockey-News: Georg Veit