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Ask the Ref #8: Von Navigations-Tests, Fitnessüberprüfungen und weiteren körperlichen Herausforderungen
Von: Markus Rinner Am: 26 Sep, 2016 | Kategorien: Ask the Ref, Kolumnen, zSlideshow

Ihr ärgert euch über Regeln oder könnt diese nicht nachvollziehen? Ihr hattet immer schon mal brennende Fragen die ihr einem Schiedsrichter stellen wolltet? Nun habt ihr die Chance dazu! In regelmäßigen Abständen wird der ehemalige EBEL-Headschiedsrichter Georg Veit sich in seinem Blog „Ask the ref“ ausführlich euren Fragen annehmen und diese beantworten. Wie das geht? Schickt einfach eine Mail mit eurer Frage an asktheref@hockey-news.info.

Georg Veit bloggt auf Hockey-News

Georg Veit bloggt auf Hockey-News

Wir freuen uns auf viele Mails und durch diese Rubrik (Hier geht’s zu den bisherigen Ausgaben) mal einen der wichtigsten „part of the game“, nämlich die Schiedsrichter, in den Fokus zu rücken, der ansonsten eher im Abseits steht. Wir bitten jedoch um Verständnis, dass Veit aus Loyalität gegenüber seinen Kollegen keine strittigen Situationen analysieren wird.

Ex-EBEL-Headreferee und Hockey-News Kolumnist Georg Veit berichtet im ersten Blog der neuen Saison über die Herausforderungen die sich jeder Schiedsrichter im Sommer stellen muss und mit einem Augenzwinkern, wie es ihm selbst dabei erging und welchen Verzicht er dabei „erleiden“ musste:

Liebe Eishockeyfreunde,

der Sommer ist Geschichte und für euch läuft die neue Saison bereits seit mehreren Runden. Zum Auftakt der heurigen Saison möchte ich euch die intensive Vorbereitung der Referees auf die Saison näherbringen.

Die Vorbereitungen auf Eishockeysaisonen waren nie wirklich mein Steckenpferd. Es wird nicht schwer zu erraten sein, dass mir besonders die Fitnesstests bei den diversen Schiedsrichterkursen der vergangenen 20 Jahre keine besondere Freude bereiteten. Wie auch das Eishockey veränderten sich die Anforderungen an die Schiedsrichter und damit auch deren Vorbereitungen. Prinzipiell ist festzustellen, dass alle österreichischen Referees zwei Arten der Überprüfungen absolvieren müssen. Einerseits einen umfangreichen Fitnesstest und andererseits, NO NA: einen Regeltest.

Die Fitnesstests der Spielklassen der AHL und „darunter“ bestehen aus dem sogenannten “GPS-Test“, der meiner Meinung nach wohl so genannt wurde, weil sich viele Refs auch nach mehrmaliger Wiederholung regelmäßig am Eis verfahren  🙂 Dazu wird abseits des Eises der allseits beliebte 5.000 Meter Lauf absolviert. Ironischerweise war ich bei der Schiedsrichtersitzung anwesend, auf welcher jener Lauf als Kriterium beschlossen wurde und stimmte dafür (!), weil sich mir die Schwierigkeit eines 5.000 Meter Laufs nicht erschloss. Dieser sollte ab diesem Zeitpunkt meine größte Herausforderung darstellen, die ich meist nur dank Placebo-Medikamenten und Kollegen wie Wolfgang Fussi oder Robert Falkner erfolgreich absolvierte, welche mich wortwörtlich durchs Ziel zogen. Diese und andere Kollegen riskierten in mehreren Jahren das Verfehlen ihres Limits, um andere Kollegen zu begleiten. Nachträglich danke im Namen aller betroffenen Kollegen…

Diese Art der Fitnessüberprüfung empfand ich immer als wenig aussagekräftig, da sie alle Schiedsrichter über denselben Kamm scherte. Kollegen wie Matjaz Hribar spulten die 5.000 Meter witzemachend und locker in 16 Minuten herunter ohne dafür speziell trainieren zu müssen, andere (übrigens nicht nur ich 😉 ) kamen genau mit der verlangten Zeit von 25.59 Minuten ins Ziel (und quälten sich mit Trainings und Grillereiverzicht den ganzen Sommer).

Unter der Anleitung von Lyle Seitz wurde für die EBEL ein anderes, in meinen Augen sinnvolleres System der Überprüfung des Trainingsfleißes eingeführt, durch welches im Prinzip jeder Referee nur mit sich selbst verglichen wird. Dies funktioniert indem es für jeden Kollegen eine Datenbank gibt, in welche die Ergebnisse der Überprüfungen eingetragen werden. Automatisch wird so erkannt, ob die Fitness eines Kollegen tendenziell besser oder schlechter wird.

Für diese Überprüfung sind folgende Übungen zu absolvieren (die Angaben sind die „SOLL“-Voraussetzungen):

  • Wall Plank für 70 Sekunden
  • Standweitsprung (mind. 235cm)                              
  • Legraises (mind. 10)
  • Klimmzüge (mind. 10)
  • Liegestütze (mind. 40)                               
  • BEEP-Test (Level 11)

Zusätzlich wird von den Referees verlangt, über 41 kg Muskelmasse zu verfügen und rund 17% Körperfett mit sich herumzutragen.

Beim heurigen EBEL Kurs in Kapfenberg wurden von allen Kollegen beachtliche Ergebnisse erzielt, sie sind also fitnesstechnisch bestens auf die Saison vorbereitet. Viel Freude und Erfolg wünsche ich allen, die sich anhand dieser Vorgaben zuhause überprüfen wollen.

Juniors Referee-in-Chief Jürgen Leiter bestätigte, dass auch die Leistungen der AHL Offiziellen hervorragend waren und er sich besonders über die tolle Zusammenarbeit der österreichischen, italienischen und slowenischen Kollegen freute.

Ich bin froh, meine persönlichen Fitnesstests heuer wieder erfolgreich abgeschlossen zu haben, nämlich den 5.000 Meter Lauf mithilfe des Kollegen Markus Obmascher und den GPS-Test, jeweils auf Landesebene, daher „leider“ ohne Zeitlimit 🙂 

Ich freue mich auf eure weiteren Fragen beziehungsweise sachlichen Diskussionsansätze: asktheref@hockey-news.info

Für Hockey-News: Georg Veit