sports, ice hockey
Ask the Ref #9: Von Mafiosis, veriensfarbenen Brillen und Respektlosigkeiten
Von: Markus Rinner Am: 5 Okt, 2016 | Kategorien: Ask the Ref, Kolumnen, zSlideshow

Ihr ärgert euch über Regeln oder könnt diese nicht nachvollziehen? Ihr hattet immer schon mal brennende Fragen die ihr einem Schiedsrichter stellen wolltet? Nun habt ihr die Chance dazu! In regelmäßigen Abständen wird der ehemalige EBEL-Headschiedsrichter Georg Veit sich in seinem Blog „Ask the ref“ ausführlich euren Fragen annehmen und diese beantworten. Wie das geht? Schickt einfach eine Mail mit eurer Frage an asktheref@hockey-news.info.

Georg Veit bloggt auf Hockey-News

Georg Veit bloggt auf Hockey-News

Wir freuen uns auf viele Mails und durch diese Rubrik (Hier geht’s zu den bisherigen Ausgaben) mal einen der wichtigsten „part of the game“, nämlich die Schiedsrichter, in den Fokus zu rücken, der ansonsten eher im Abseits steht. Wir bitten jedoch um Verständnis, dass Veit aus Loyalität gegenüber seinen Kollegen nur bedingt (und nach Rücksprache) strittige Situationen analysieren wird.

Ex-EBEL-Headreferee und Hockey-News Kolumnist Georg Veit berichtet im zweiten Blog der neuen Saison über Mafia-Verbindungen im Scheidsrichterwesen und analysiert die aktuell strittige Szene zwischen Nick Ross (HCI) und Ziga Pance (KAC):

Liebe Eishockeyfans,

ich möchte mich in der heutigen Ausgabe mit dem Thema „Schiedsrichter-Mafia“ befassen. Zunächst ist es mir ein großes Anliegen auf die, komplett an den Haaren herbeigezogenen, Vorwürfe, dass Schiedsrichter irgendeiner kriminellen Struktur angehören, zu reagieren. Ich habe an den letzten Spieltagen der vergangenen Saison einige Spiele in diversen Stadien verfolgt und habe mich dabei teilweise schmunzelnd amüsiert und ebenso geärgert. Dabei kam es auch zu Wortgefechten mit einigen Fans, da ich diese ungeheuerlichen Verbindungen zwischen Referees und Mafia nicht unkommentiert lassen konnte. Abhängig vom Spielort sind die Schiedsrichter nämlich einmal die „österreichische Mafia“ (obwohl bei besagtem Spiel in Bozen ein amerikanischer und ein ungarischer Referee am Eis standen), die „Red Bull-Mafia“, eine „Kärntner Mafia“, einfach nur „die Schiedsrichtermafia“, oder abhängig von den agierenden Refs auch nationenbedingt, also zum Beispiel „die Yugo-Mafia“ oder „die Itaker-Mafia“. Auch Wiener oder Westmafia sind Begriffe, die ich bereits zu hören bekam.

Ich bin der Meinung, dass es bedenklich ist, Amateurreferees der Angehörigkeit krimineller Strukturen zu bezichtigen, dies ist weder im Ernst noch im „Spaß“ zu entschuldigen. Ein Journalist (!) kommentierte neben mir sitzend ein vermeintliches Foul am Eis mit „Diese verdammte österreichische Mafia…“ und wollte daraufhin mit den Worten „Bei aller Objektivität…“ mit mir zu diskutieren beginnen. Ich musste ihm diese Objektivität und auch seine Eishockeyfachkenntnisse daraufhin leider absprechen.

Bereits in dieser noch jungen Saison sehen sich Schiedsrichter oder sogar die EBEL als Gesamtkonstrukt mit dem Vorwurf zumindest „unfairer Vorgangsweisen“ auseinandersetzen. Das Beispiel des Checks von Nick Ross des HCI an Ziga Pance lässt ganz aktuell die Emotionen und Unsachlichkeiten hochkochen. Im Zusammenhang mit dieser Situation habe ich bereits die Begriffe „Kärntner“ und „EBEL“ Mafia gelesen. Dabei muss ich feststellen, dass der Check von Nick Ross ein perfektes Beispiel dafür ist, wie man sich als Fan seine eigene Realität zurechtrücken kann.

Der Check geht eindeutig zunächst gegen den Kopf. Damit ist an sich die Straferkenntnis schon begründet. Aber es gibt eben noch weitere erschwerende Punkte, die es zu berücksichtigen gilt. Der Sinn eines Checks ist es, den Gegenspieler vom Puck zu trennen. In diesem Fall hat der checkende Spieler aber KEIN Interesse am Puck! Möchte er seinen Ruf als ‘tough guy’ erarbeiten, oder einfach den Gegner in Grund und Boden checken, ist mir nicht ganz klar. Jedenfalls handelt es sich NICHT um einen “clean hit” bzw. ein “good hockeyplay”. Der checkende Spieler weiß das selbst am Besten. Zum letzten Punkt möchte ich ausführen, dass es zwischen Gegenspielern Respekt geben muss, ergo ist die Argumentationslinie “muss der Ziga eben aufpassen” nicht schlüssig, da es im Interesse jeden Spielers sein muss, die Gesundheit der Gegenspieler unangetastet zu lassen. Dies ist hier NICHT der Fall.

Die Szene noch einmal zum Anschauen unter folgendem Link:

Ein Anhänger des HC Innsbruck argumentierte daraufhin, ‚dass die Liga eben nicht wolle, dass der HCI im oberen Tabellendrittel herumgeistert, daher würden nachträglich solche Strafen ausgesprochen um den HCI zu schwächen.‘ Es tut mir (nicht einmal) leid hier widersprechen zu müssen. Wer nicht erkennt, dass es sich bei diesem Spielzug um einen unfairen Hit handelt und versucht zu erklären, dass Ziga ja eigentlich selber schuld ist, muss sich den Vorwurf der Befangenheit gefallen lassen. Die Begründung, böse Mächte müssten sich gegen den eigenen Verein verschworen haben, drückt hier nur aus, dass man beleidigt ist. 

Dieser inflationäre verwendete Begriff der „Mafia“, die sich gegen „uns“ (bitte hier Verein einsetzen) verschworen hat, ist immer ein Indiz der Unsachlichkeit, da offensichtlich nicht genügend Argumente darzulegen sind, um das Gegenteil einer bestehenden Aussage zu widerlegen.

Mit derselben Argumentation könnte man die Tatsache, dass der KAC in roten Trikots spielt so lange argumentieren, bis man selbst glaubt, dass die roten Trikots in Wahrheit grün sind (Fans mit Rot-Grün-Schwäche seien hier entschuldigt.)

Ich darf also abschließend anmerken, dass es mit einem Mindestmaß an Objektivität möglich ist, den Eishockeysport und Entscheidungen zu verstehen, ohne an kriminelle Strukturen glauben zu müssen. Wer der Meinung ist, dass Schiedsrichter in diesem Sport zuhause sind, um betrügen zu können, der hat nichts verstanden was die Arbeit der Referees und der Liga betrifft und sich wahrscheinlich auch noch nie sachlich mit einem unserer Jungs unterhalten.

Die Tabelle der EBEL würde sich für den Fall, dass die Vorwürfe aller Fans, dass ihr eigener Klub von mafiösen Strukturen und Referees regelmäßig benachteiligt würde, äußerst langweilig darstellen, da alle Mannschaften die gesamte Meisterschaft über auf dem letzten Platz zubringen würden 😉 

Ich bitte weiterhin um lebhafte und rege Diskussion zu allen Eishockeythemen, gerne auch mit mir, aber ein Mindestmaß an Respekt muss vorausgesetzt sein genau wie es die Spieler am Eis eigentlich fast immer vormachen: asktheref@hockey-news.info

Für Hockey-News: Georg Veit