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Interview: André Niec und sein spektakuläres Zigeunerleben in 12 Ländern!
Von: Markus Rinner Am: 17 Feb, 2017 | Kategorien: Interviews, Sonstiges, zSlideshow

Er ist 34 Jahre alt und hat bereits die halbe Welt gesehen. Zumindest was den Eishockeysport betrifft ist es schon beinahe die gesamte Welt, denn der Austro-Tscheche ist ein Weltenbummler und führt ein „Zigeunerleben“ wie er selbst sagt. André Niec, der in Österreich für die Vienna Capitals, den EHC Lustenau und Kapfenberg auflief, spielte in einem Dutzend Ländern, etlichen Ligen und bei insgesamt 22 verschiedenen Vereinen. Nun ist er in Nordamerika erstmals als Coach und GM tätig und hat große Pläne. Dass es aus all den Jahren viel Interessantes zu berichten gibt ist nur wenig verwunderlich. Über Waldcamps in Lettland und Bureisen bei -40 Grad erzählt der EBEL-Meister aus 2005 im Hockey-News Interview.

(Pic: A. Bledsoe)

Andre, du bist in Tschechien geboren, bist seit Jahren österreichischer Staatsbürger und hast in insgesamt über einem Dutzend Ligen und bei mehr als 20 Vereinen gespielt. Wo siehst du deine Heimat oder bist du ein heimatloser Weltenbummler?

Meine Heimat ist dort wo ich gerade spiele oder eben wie jetzt als Trainer tätig bin. Ich bin ein Weltenbummler, ja  es ist ein richtiges Zigeunerleben. Aber wenn ich im Sommer in Europa bin, fahre ich natürlich meine Eltern besuchen die in Tschechien leben und bin auch gerne in Kitzbühel wo es mir sehr gut gefallen hat.

Für die Vienna Capitals hast du zwischen 2004 und 2006 95 Spiele (2 Tore & 3 Assists) bestritten und hast damit sogar einen Meistertitel auf deiner Vita. Warum hat es mit der ganz großen Karriere dann doch nicht geklappt?

In der Zeit wo ich bei den Vienna Capitals gespielt habe war es sehr schwer Fuß zu fassen, denn es wurden immer mehr Kanadier oder Amerikaner geholt und für die 3. und 4. Line wurden junge Spieler unter Vertrag genommen, denen es nichts ausmachte für wenig Geld zu spielen weil sie noch bei den Eltern lebten. Deswegen habe ich mir gesagt, dass ich es woanders versuche, wo man von dem Geld auch leben und zudem die Welt sehen kann. Ich habe keinen Fehler gemacht.

Nach den Caps ging es nach Übersee, danach zurück nach Tschechien, wo du deine Karriere im Nachwuchs gestartet hast und über die britische Liga dann in diverse unterklassige Ligen in Frankreich, Österreich und Tschechien. Was war dein Ansporn immer wieder neue Herausforderungen zu suchen?

Nach den Capitals habe Ich es in Lettland versucht, wo die Mannschaft zwei Monate im Wald in einer alten Militärkaserne lebte und trainierte. Nur wenn wir Eistraining hatten, wurden wir mit dem Bus in die Eishalle gebracht. Nach diesen zwei Monaten wusste ich dass ich das nicht durchhalten kann, zudem kamen jeden Tag neue Spieler. Eines Tages kontaktierte mich Jim Boni, dass jemand Interesse hätte mich in Amerika zu haben. Das war mein neues Ziel und jedes Jahr kam etwas Neues. Ich wollte dem Eishockey treu bleiben und die Welt sehen.

Andre Niec, einst in Zirl

Wie lässt sich das mit einem Familienleben verbinden?

Mein Familienleben ging Seite bei Seite, meine Freundin ist jeden zweiten Monat zu mir gekommen, ansonsten haben wir über Skype telefoniert. Es war eine harte Zeit.

Als Weltenbummler hat man sicher auch unglaubliche Erlebnisse. Flo Iberer berichtet zum Beispiel in seinem Hockey-News „Abroad-Blog“ über unglaubliche Geschichten die er in Nordamerika mitmacht. Welche besonderen Erlebnisse wirst du niemals vergessen?

Wie ich schon erwähnt habe, Lettland wird in mir immer etwas zurück lassen, aber in Amerika die Roadtrips, wo uns zum Beispiel der Bus um drei Uhr früh eingefroren ist weil es minus 40 Grad hatte, oder Partys auf denen die Rookies Frauenkleider tragen mussten bleiben in Erinnerung. Oder wenn man schon vor der Partie weiß dass es vom letzten Spiel noch offene Rechnungen gibt und es somit wie bei uns letzte Woche 9 Fights in einer Partie gibt… Es gäbe so viel zu erzählen.

Letztes Jahr bist du dann nach Nordamerika gegangen und hast bei den Berlin River Drivers in der Federal Hockey League (FHL), einer doch recht kleinen Profi-Liga angeheuert. Wie kam es zu diesem Engagement?

Als Ich 2006-2007 in der UHL und SPHL spielte habe ich von der FHL gehört. Mir wurde gesagt das die Liga nur Fight und Brutal ist. Als ich von einem Agenten das Angebot bekam, sagte ich mir: Ich bin 34 und dann so eine Liga – hat das noch einen Sinn? Aber es war Amerika und meine letzte Chance nochmal dort zu spielen. Da sagte ich mir warum nicht? Denn nach Hause kann ch immer zurück.

Mit 50 Punkten aus 47 Spielen warst du auch unter den besten Scorern, hast dir schnell einen Namen gemacht und wurdest vom Assistenzcoach im Dezember zum Spielertrainer, also zum Headcoach befördert. Heuer bist du zusätzlich auch noch General Manager des Teams. Hand aufs Herz: Was hast du dem Präsidenten versprochen?

Es war ein hartes Jahr für mich. Ich habe als Verteidiger agiert, da ich vorne und hinten spielen kann. Die Liga ist sehr brutal, ich hatte 7 Fight letztes Jahr gehabt und musste zeigen dass ich nicht zurückschrecke. Ich habe letztes Jahr als Player Assistent Coach unterschrieben und war der älteste Spieler der Liga. Als unser Trainer gefeuert wurde, hat man mich gefragt ob ich für die Zeit bis man jemanden findet übernehmen kann und es wurde die ganze Saison daraus.

Niec und sein Team, die River Drivers (Pic: A.Bledsoe)

Deine Karriere hast du mittlerweile beendet und konzentrierst dich voll auf das Coaching und Management?

Ich musste dieses Jahr zurückstellen, weil ich einen Leistenbruch hatte und zweimal operiert wurde. Ich konnte im Sommer nicht trainieren und das Management der Berlin River Drivers wollte mich als Trainer und GM, da habe ich zugesagt. Wir hatten dieses Jahr schon mal Ausfälle und da musste ich drei Spiele absolvieren. Ich kann es immer noch aber musste mir danach drei Tage Wellness gönnen. Dieses Jahr werde ich nur Spielen wenn es nötig ist, mein Hauptaugenmerk gilt meiner Tätigkeit als Head Coach/GM.

Dein Team steht sehr erfolgreich auf Rang 2 der Tabelle. Wie stark würdest du – vielleicht in Vergleich mit einer europäischen Liga – das Liganiveau einschätzen und was sind die Ziele mit deinem Team?

Die Liga hier ist wie die Nationalliga in Österreich, so wie ich sie kannte. Es wird nur wesentlich körperbetonter gespielt und es gibt viele Fights. Unser Ziel sind die Playoffs und dann ist alles offen.

Als ich dich vor sieben Jahren schon mal interviewte, sagtest du, es sei so etwas wie dein Ritual, vor jedem Spiel mit deinem Schläger zu reden. Welches Ritual hat der Trainer Andre Niec?

Ich hatte das Glück dass ich gute Trainer hatte von denen ich Lernen konnte. Man muss sich auf jedes Spiel intensiv vorbereiten, auch als Trainer. Aber einen Talisman habe ich dennoch immer bei mir.

In der FHL geht’s zur Sache (Pic: Privat)

Du bist ein noch sehr junger Trainer und stehst am Beginn deiner Coachingkarriere. Wo soll dich diese mal hinführen? Auch in möglichst viele Länder oder doch mit einem klaren Ziel versehen?

Ich glaube es ist nicht schlecht ein junger Trainer zu sein. Ich sehe es bei den Capitals mit Christian Dolezal, Phillip und Paul Ullrich, Peter Schweda – die machen es richtig. Als junger Trainer hat man mehr Lust und will sich beweisen und das Wichtigste ist die heutige Jugend. Sie haben einen Trainer, den sie auch gesehen haben als er noch selber gespielt hat.

Verfolgst du die österreichische Liga noch und würdest du einen Meistertipp abgeben?

Ich habe die EBEL immer verfolgt aber dieses Jahr habe ich noch kein Spiel gesehen. Aber ich glaube dass die Capitals und Red Bull Salzburg um den Meistertitel kämpfen werden.

Wir wünschen dir alles Gute für deine Karriere und Zukunftspläne und vielleicht sieht man dich ja mal hinter einer EBEL-Bande wieder.

Man weiß nie im Eishockey, irgendwann sieht man sich bestimmt.