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NLA: Sparpolitik des EHC Kloten hat Nachwirkungen – nächste Saison tatsächlich gänzlich ohne Legionäre?
Von: Ulla Landolt Am: 23 Feb, 2017 | Kategorien: Europa, NLA

Es hat den Anschein als ob die Ausländer des EHC Kloten das Weite suchen würden. Nicht nur der tiefen Löhne wegen, sondern wohl anhand der Aussage von Kloten-Präsident Hans-Ulrich Lehmann, dass man in Kloten auf die nächste Saison hin möglicherweise ganz auf Legionäre verzichten wolle.

Laut “Tages-Anzeiger” drohen nämlich die Abgänge von Drew Shore und Bobby Sanguinetti, welche bei der Konkurrenz wohl den doppelten Lohn bekommen würden. Shore wird mit dem KHL-Club ZSKA Moskau und dem neuen NHL-Team Vegas Golden Knights in Verbindung gebracht, Sanguinetti wird von anderen NLA Vereine begehrt und dürfte auch einen ziemlich höheren Lohn beziehen. Colby Genoway und James Sheppard haben auslaufende Verträge.

Schon während dieser Saison hatte der Finne Tommi Santala nach neun Jahren den EHC Kloten verlassen, weil er eine Chance beim russischen Spitzenclub Metallurg Magnitigorsk erhielt. Dort erhält er wohl selbst als nur Ergänzungsspieler mit Bestimmtheit mehr Lohn.

Im ersten Jahr unter dem neuen Präsidenten H.U. Lehmann verpasste der EHC Kloten die Playoffs. Trotzdem will Lehmann nicht von seinem Sparkurs abweichen. Seit 6 Tagen steht es definitv fest, dass Kloten keine Playoffs und das Saisonziel verpasst hat. Im besten Fall wird Kloten diese Saison noch acht Partien bestreiten: Am Wochenende die beiden letzten Qualifikationsspiele gegen Ambri und Genf, ab 4. März noch die sechs Partien der Platzierungsrunde. Natürlich hofft man als Kloten Anhänger, dass ihr EHC nicht auf den 11.oder den 12. Platz absinkt sondern sich in Ruhe auf die Planung der Saison 2017/18 konzentrieren kann, die ganz im Zeichen wirtschaftlicher Vernunft stehen soll. Doch hat Kloten den Beweis, dass die Rückkehr zu den Wurzeln mit sportlichem Erfolg vereinbar ist, nur begrenzt erbracht.

Acht schmerzhafte Niederlagen in Folge musste der EHC Kloten hinnehmen und allesamt im Dezember, danach taumelte der Club ungebremst dem Tabellenende entegegen. Gekriselt hatte es schon zuvor, seit Oktober konnte der EHC nie mehr als zweimal hintereinander gewinnen. Dies trotz einem starken Saisonstart, wobei man das Polster leichtfertig verspielte und vom 5. auf den 10. Platz abrutschte. 

Nichts spricht gegen den neuen Coach Pekka Tirkkonen, welcher brillant in seine erste NLA-Saison startete und die Mannschaft mit der neuen Organisation und der besten Offensive der NLA zu überzeugen wusste, obwohl die beiden erfahrensten Schweizer Verteidiger von Gunten und Ramholt monatelang fehlten und der vierte Ausländer erst im Oktober zum Team stieß. Ebenso spektakulär wie der Auftakt war dann auch der Einbruch der Flughafenstädter. Was auch immer der finnische Coach unternahm, nichts funktionierte und so steht Tirkkonen heute statistisch gesehen als schlechtester Kloten-Trainer seit Einführung der 3-Punkte-Regel 2006 da, mit nur 1,19 Punkte pro Spiel weniger als jene von Sean Simpson (1,35), Tomas Tamfal (1,38), Felix Hollenstein (1,51) und Anders Eldebrink (1,88). Trotzdem bleibt Tirkkonen unanfechtbar und sein Kontrakt wurde im November verlängert. Zudem wechselte der EHC Kloten als einziges Team der unteren Tabellenhälfte den Trainer nicht.

Der Abgang von Santala im Dezember schwächte das Team enorm, weil zur derselben Zeit auch noch Sanguinetti verletzungsbedingt ausfiel und die Mannschaft danach in ein Loch fiel. Das passiert wenn die Substanz eines Teams zu sehr ausgedünnt.

Im Hinblick auf nächste Saison hat der EHC Kloten acht Verteidiger und elf Stürmer unter Vertrag. Frick, Hartmann und Gähler verlassen den Club und ob Goalie Martin Gerber weitermacht, hängt davon ab ob der 42-Jährige weitermachen wird. Ergänzt werden soll der 27-Mann Kader in den kommenden Wochen mit zwei kostengünstigen Spielern aus dem Nachwuchs. Eine allfällige Rückkehr von SCB-Captain Plüss hingegen ist Wunschdenken.

Noch offen und gleichzeitig entscheidend ist die Besetzung der Ausländerpositionen, welche alle  unbesetzt sind. Auch wenn der Kloten-Präsident sagt, dass man aus finanziellen Gründen möglicherweise ohne Ausländer antreten werde, was jedoch als ziemlich realitätsfern zu bezeichnen ist, wie der Fall Santala zeigt.

Trotz verbessertem Gastro-Angebot sowie die Abdeckung durch Saisonabos war der Zuschauerschnitt (5.255) außer im Vorjahr (4.790) seit der Saison 2008/09 (4.772) nie mehr so tief. So müsste man sich eigentlich auf dem Eis verbessern, denn mit 31 Punkten aus 24 Spielen sind die Zürcher Unterländer klar das schwächste Heimteam der NLA.

Die Ansichten des Präsidenten Hans-Ulrich Lehmann frustiert viele Anhänger, wenn er etwa ankündigt, dass der EHC Kloten aus Spargründen notfalls ohne Ausländer spielen oder einen Abstieg in Kauf nehmen würde. Dies sollte, besonders betreffend einem Abstieg  ein Präsident nur schon aus PR-Gründen nicht sagen, zeigt jedoch auf, wo die Vorrangigkeit in der nahen Zukunft liegt.

Mit seinen Spargründen eckt Lehmann ziemlich an und die finanziellen Folgen dadurch unübersehbar, obschon das Betriebsdefizit für diese Saison bis auf etwa auf 1,5 Millionen Franken sinken dürfte, ein Minus, welches Lehmann ausgleichen wird. Bei dem neuen Gastro-Angebot plus mehr TV-Gelder und 1.000 Zuschauer mehr pro Spiel wären schwarze Zahlen keine Unmöglichkeit mehr.