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NLA: Starten Stefan Ulmer und der HC Lugano tatsächlich als Aussenseiter in die Playoffs?
Von: Ulla Landolt Am: 4 Mrz, 2017 | Kategorien: Europa, NLA

Der HC Lugano, Viertelfinal-Gegner der ZSC Lions, ist in der Qualifikation nur Siebter geworden. Doch das mag täuschen, denn diese Mannschaft ist ein facettenreiches Gemisch und obendrein sehr explosiv.

Wie bereits im letzten Jahr täuscht der Blick auf die Tabellenrangliste nach Beendigung der Qualifikation. So wurden damals die ZSC Lions als Tabellenleader vom achtplazierten SC Bern überrollt. Mit Lugano als Viertelfinal-Gegner wartet auch dieses Mal ein Kontrahent auf die Zürcher, welcher nicht ganz ohne sein könnte und nichts zu verlieren hat. Die Titel eines  Underdogs können die Bianconeri allerdings nicht für sich beanspruchen, denn sie doch eines der teuersten Teams und laut Kenner der Eishockeyszene sogar die teuerste der gesamten NLA.

Dass Lugano nur den siebten Rang erreichte hängt mit einer alten Schwäche der Tessiner zusammen: viel Geld aber keine Leistungskultur. Hat man Probleme, so wirft man den Trainer kurzerhand hinaus und trotzdem bleibt alles beim Alten. Letzte Saison stieß man zwar in den Final vor, gewann jedoch seit 2006 keinen Titel mehr und landete sogar zweimal in den Playouts. Lugano ist wie eine Wundertüte, von der man aber weiss, dass da viel darin steckt, jedoch unklar, wieviel herauskommen wird.  Die Luganesi haben zudem Mühe mit der Disziplin, kassierten von allen acht Playoff-Teilnehmer die meisten Gegentore und hinter dem EV Zug auch die meisten Strafminuten der gesamten NLA.  

Ein Glanzlicht hingegen ist Lugano’s Offensive. Bei ihnen hängt (zu)viel von den Ausländern ab und davon hat der HC Lugano fünf unter Vertrag. Die interessantesten sind wohl das schwedische Stürmer-Trio mit Topskorer Linus Klasen, Tony Martensson und Patrick Zackrisson, sowie die zwei Kanadier Verteidiger Ryan Wilson und der Stürmer Maxim Lapierre. Aufgefallen in der Qualifikation waren auch die Schweizer wie Dario Bürgler, Gregory Hofmann und der junge Luca Fazzini. Der ehemalige Topskorer Damien Brunner hingegen blieb, abgesehen von seinen Verletzungen, oft wirkungslos und blass. Zwischen den Pfosten steht der 22-jährige Lette Elvis Merzlikins, der hin und wieder ziemlich ungestüm agiert und seit 2009 in Lugano spielt und besonders im letzten Frühjahr zu überzeugen wusste. Die Nummer zwei hinter Merzlikins ist der elf Jahre ältere Daniel Manzato. Somit steht die spielerische Klasse der Bianconeri ausser  Zweifel. Doch ist die Mannschaft aber als ziemlich launisch einzustufen und so stellt sich automatisch die Frage, tritt der HC Lugano als kompaktes Team auf, ziehen alle am gleichen Strick?

Der derzeitige Lugano-Coach Greg Ireland ist in der Schweiz nur deshalb bekannt, weil er schon einmal in Lugano coachte. In den Playouts 2011 führte er die Luganesi mit einem 4:0 gegen die Rapperswil-Jona Lakers zum Ligaerhalt. Bis im Februar 2016 war der 51-jährige Kanadier bei den Adlern Mannheim, kehrte Mitte Januar nach Lugano zurück um Doug Shedden zu ersetzen, welcher als 12. Coach seit dem letzten Schweizer-Meistertitel 2006 in Lugano scheiterte. Ireland, ein eher ruhiger Mann im Gegensatz zu dem bisweilen impulsiven Shedden. Ireland hat die Verantwortung auf mehre Schultern verteilt und setzt nicht alles auf die zwei ersten Linien, in denen hauptsächlich die Ausländer tonangebend sind. Zudem lässt er nicht nur ungestüm nach vorwärts stürmen und hat dadurch einiges bewirkt, wie die aus zehn Spielen sieben Siege. Dass Ireland in der CH eher wenig bekannt ist hat möglicherweise einen Vorteil für die Tessiner, denn für den Gegner, die ZSC Lions, ist der Coach und das gesamte Team des HC Lugano schwerer einzuschätzen.

Rechtzeitig für die Playoffs soll auch der Lugano-Stürmer Damien völlig fit sein. Für den Stürmer war die noch laufende Spielzeit eine der schwierigsten Saison, körperlich gesehen. Nach einer Hirnerschütterung im letztjährigen Playoff-Final gegen den SCB, machten ihm zu Beginn der Saison 2016/17 Magenprobleme zu schaffen, und zwar so heftig, dass sie den sonst voller Energie geladenen Stürmer zu sehr schwächten und im Oktober für einige Spiele passsen musste. Ende November zog sich Brunner eine Knieverletzung zu, was sechs Wochen Zwangspause bedeutete. Erst Mitte Januar konnte der 30-jährige Stürmer sein Comeback nach der langen Verletzungspause feiern, doch sei er erst seit der Nationalmannschafts-Pause Mitte Februar richtig fit, hiess es. Auch hatte Brunner in der Zwischenzeit seine Ernährung umgestellt, ausserdem schmerzt sein Knie nicht mehr und die Erleichterung daher gross. Brunner’s Vorfreude auf die morgen Samstag beginnenden Playoffs ist gross und seine  Erwartungen ebenso.