sports, ice hockey
Was macht eigentlich…Derek Ryan?

Etliche Cracks, Trainer und Funktionäre haben im Laufe der Jahre die österreichische Eishockeyszene geprägt. Einige sind in Vergessenheit geraten, andere werden das nie. In unserer Serie “Was macht eigentlich…? wollen wir uns diesen unvergessenen Persönlichkeiten widmen, einen Blick auf ihre aktive Zeit werfen und hinterfragen was sie heute machen. In unserer ersten Ausgabe widmen wir uns dem ehemaligen EBEL-MVP und “Hockey-News Spieler des Jahres 2013/14” Derek Ryan.

(Bild: Sport-Bilder.at/Dostal)

(Bild: Sport-Bilder.at/Dostal)

 

Derek Ryan
Geburtstag29.12.1986
GeburtsortSpokane, Washington, USA
EBEL-Einsätze180
EBEL-Punkte (Tore/Assists)230 (96/134)
Teams
2003-2007Spokane Chiefs, WHL
2007-2011University of Alberta, CIS
2011-2012Székesfehérvár, EBEL
2012-2014Villacher SV, EBEL
2014-2015Örebro HK, SHL
Seit 2015Charlotte Checkers, AHL (Farmteam der Carolina Hurricanes, NHL)
Größte Erfolge und Auszeichnungen
2009CIS Second All Star Team
CIS Trophy for Sportsmanship and Ability
2010CIS First All Star Team
CIS All-Canadian Second Team
2011CIS First All Star Team
CIS All Canadian First Team
CIS Most Points
CIS Most Valuable Player
2014EBEL Best Plus/Minus
EBEL Most Goals
EBEL Most Assists Play-Offs
EBEL Most Points Play-Offs
EBEL 100 Points (Regular Season + Play-Offs)
EBEL Most Valuable Player
2014Hockey-News Spieler des Jahres 2013-14
2015SHL Most Assists
SHL Most Points
SHL Forward of the Year
SHL Most Valuable Player

 

Derek, Danke, dass du dir die Zeit für ein Interview nimmst. Wie geht es dir in North Carolina und hast du dich schon gut eingelebt?
Ja, meine Familie und ich haben uns hier gut eingelebt. Wir mögen Charlotte, das Team und die gesamte Organisation. Natürlich haben wir die letzten vier Jahre in Europa auch genossen, aber es ist schön auch wieder näher an der Heimat zu sein.

Im Sommer gab es einige Gerüchte. Bleibst du in Schweden, zieht es dich in die KHL und dann plötzlich kam die Meldung, dass du bei den Carolina Hurricanes unterschrieben hast. Erzähl uns ein bisschen über diesen spannenden Sommer?
Das stimmt, es war ein verrückter Sommer. Die Fans in Schweden wollten natürlich, dass ich mich so schnell wie möglich entscheide, aber selbst ich musste mich bis zuletzt gedulden. Zu Beginn des Sommers war es schon relativ konkret, dass ich in die KHL wechsle, aber als ich bemerkte, dass auch Interesse aus der NHL besteht wollte ich diese „Once-in-a-lifetime“ Chance nicht verpassen. Die KHL oder auch andere europäische Ligen sind aber für die Zukunft immer ein Thema, sollte es in Nordamerika nicht klappen.

Apropos Sommer. Du hast hart trainiert und auch mit Tyler Johnson (Anm. Center Tampay Bay Lightning und früher wie Ryan auch bei den Spokane Chiefs) gemeinsam trainiert. Hilft das Training mit Spielern die bereits NHL Erfahrung haben?
Ich hatte einen tollen Sommer mit großartigen Trainingsmöglichkeiten. Es waren mehrere lokale Profi-Eishockeyspieler beteiligt. Es war super, dass ich Tyler Johnson ein wenig besser kennenlernen durfte und er erzählte mir viel über seinen Weg durch die AHL bis in die NHL (Anm.: auch Johnson wurde nie gedraftet und war letzte Saison ein wichtiger Faktor für Tampa Bay beim Erreichen des Stanley Cup Finale). Während der laufenden Saison habe ich noch nicht allzu viel mit ihm gesprochen, aber ich hoffe ihn bald wieder zu sehen, oder noch besser bald gegen ihn zu spielen. Wir werden aber sicher in den kommenden Saisonen wieder gemeinsam unser Sommertraining absolvieren.

Kommen wir nun zu deiner bisherigen Saison mit den Charlotte Checkens 24 Spiele: 10G, 12A (interner Topscorer) wie zufrieden bist du mit der bisherigen Leistung von dir, aber auch von deinem Team?
Ich habe mich recht schnell an die neuen Bedingungen gewöhnt und bin soweit auch zufrieden mit meinen Leistungen. Natürlich war mir bewusst, dass sich viele Leute Sorgen machten, ob und wie schnell ich mich auf das kleine Eis einstellen kann, umso glücklicher bin ich nun, dass ich schon zu Beginn der Saison einen positiven Eindruck hinterlassen konnte. Für die kommenden Monate will ich mein Körperspiel noch intensivieren und auch versuchen den Puck für längere Zeit in den eigenen Reihen zu halten. Ich bin auch stolz darauf, dass ich so schnell ein Leaderrolle in der Kabine einnehmen konnte. Dies bedeutet sehr viel für mich und ist auch für die Entwicklung eines jeden Spielers enorm wichtig (Anm.: Ryan ist bereits Kapitän der Charlotte Checkers).

Derek Ryan mit dem HN-Award.

Derek Ryan mit dem HN-Award.

Bei den Carolina Hurricanes läuft es momentan nicht wirklich nach Wunsch. 25. Platz in der Liga, nur 74 Tore geschossen (vgl. Leader Dallas hat bereits 102 Tore erzielt) und der Topscorer ist mit Justin Faulk ein Verteidiger. Wie hoch siehst du deine Chancen bald für die Hurricanes einzulaufen?
Ich würde diese Frage sehr gerne genauer beantworten, aber ich bin leider nicht in die Entscheidungen eingebunden und weiß auch nicht was bei den Meetings des Managements besprochen wird.

In den letzten Jahren hast du die Ligen, in denen du gespielt hast, geprägt. Du warst Topscorer in der EBEL und der SHL und nun bist du teamintern wiederum führender in der Punkteliste. Wie schaffst du es, dass du dich so schnell auf eine neue Stadt, eine neue Liga und einen neuen Verein einstellst?
Gute Frage. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich fast überall erfolgreich war. Aber wenn ich von Dankbarkeit spreche muss ich natürlich auch erwähnen, dass ich überall mit sehr starken Spielern auf das Eis gehen durfte (Hughes in Villach oder Johannson/Viksten in Örebro). Eine meiner besten Eigenschaften als Spieler ist es, dass ich es schaffe die Leute um mich herum besser zu machen und ich habe das Gefühl, dass ich das bisher überall schaffen konnte. Ich musste mich auf viel einstellen, EBEL, SHL und Nordamerika. Diese Ligen unterscheiden sich sehr grundlegend, aber mein Spiel ist solide, sowohl offensiv als auch defensiv. Und diese Vielseitigkeit half mir früher und auch jetzt, dass ich mich schnell in ein neues Team einfügen kann. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.

Hast du Kontakt zu den Österreichern in Nordamerika? Wie siehst du die Chancen von Vanek, Grabner und den Raffl-Brüdern in der heurigen Saison?
Um ehrlich zu sein, habe ich nicht mehr viel Kontakt zu den Österreichern. Normalerweise sehe ich Grabner immer im Sommer, da er meistens für ein paar Wochen in meiner Heimatstadt Spokane ist. Es ist toll, dass auch die Österreicher nun mehr Beachtung in Nordamerika bekommen. Ich habe gegen Thomas Raffl heuer noch nicht gespielt, aber ich denke, dass er es schaffen wird sich hier durchzusetzen vor allem auf Grund seiner Größer und seiner Skills. Natürlich wünsche ich all ihnen nur das Beste.

Das Jahr 2015 neigt sich dem Ende zu, was sind deine Wünsche und deine Ziele für das kommende Jahr?
Zu diesem Zeitpunkt kann ich nur auf weiteren Erfolg hoffen, für mich und auch mein Team hier und dann sehen wir im nächsten Jahr weiter. Alles ist möglich.

Derek, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast.