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ICEHL

Olympia22: ÖEHV-Schiedsrichterin Julia Kainberger: „Ich will in der ICEHL Fuß fassen“

Bereits in der Nacht auf Donnerstag hat das olympische Eishockey-Turnier der Damen begonnen – und das mit rot-weiß-roter Beteiligung. Die österreichische Linesperson Julia Kainberger war am Eröffnungsspieltag beim 3:1-Sieg von Tschechien gegen Gastgeber China im Einsatz. Auf der Homepage der ICEHL wurde die 27-jährige Salzburgerin, die im Dezember zwei Spiele in der bet-at-home ICE Hockey League leitete, vor ihrem Karrierehöhepunkt zum Gespräch gebeten.

Julia Kainberger wuchs in Zell am See auf. Schon früh hatte sie gemeinsam mit den Nachbarskindern Kontakt zum Eishockey. Das Schulprogramm der „Eisbären“ entfachte dann ihre Leidenschaft zum schnellsten Mannschaftssport der Welt. „Am Eishockey fasziniert mich, dass es ein extremer Teamsport ist – egal ob man spielt, oder Schiedsrichter ist“, erklärt Kainberger, die mit Herz und Seele ihrer Passion nachgeht. Zunächst als aktive Spielerin, mit 17 Jahren wechselte sie zum DEC Salzburg Eagles und empfahl sich für das Nationalteam – und fand nebenbei immer mehr Begeisterung für die Schiedsrichtertätigkeit.

Entscheidung vor Heim-WM 2017
Dass Julia Kainberger eine Schiedsrichterkarriere eingeschlagen hat, entschied sich im Vorfeld der Heimweltmeisterschaft 2017 in Graz. „Für diesen Event war ich als Schiedsrichterin und als Nationalteamspielerin vorgesehen. Da musste ich mich dann entscheiden. Am Anfang hadert man natürlich mit diesem Prozess, es ist doch eine ganz andere Rolle, die man am Eis einnimmt. Aber ich hatte damals schon auf einem ansprechenden Level Spiele leiten dürfen – und das hat ungemein Spaß gemacht.“ Von ihren damaligen Mitspielerinnen habe sie viel Zuspruch erfahren, „sie wussten welch große Erfahrung ich damit sammeln kann und wie intensiv ich dadurch Eishockey erleben kann“.

Mittlerweile drei ICE-Spiele geleitet
In der Saison 2019/20 wurde die mittlerweile 27-Jährige, nach kontinuierlicher Entwicklung in den ICE-Nachwuchsligen und in der Alps Hockey League, für ihr erstes Spiel in der bet-at-home ICE Hockey League nominiert. Am 29. Februar leitete sie an der Seite von Miha Bulovec, Christoph Sternat und Kevin Kontschieder die Begegnung EC Red Bull Salzburg gegen die Moser Medical Graz99ers. Heuer stand sie im Dezember einmal in Salzburg und einmal in Villach am Eis.

„Nach meiner Teilnahme an der letzten Phase der Olympia-Qualifikation im November wurde ich von Tom Kowal (Director of Officiating; Anm.) kontaktiert, ob ich ICE-Spiele leiten will. Das habe ich angenommen und mich dann intensiv auf diese Begegnungen vorbereitet.“ Nervosität verspüre die im Damen-Eishockey international erprobte Linesperson nicht, „bei meinem ersten ICE-Spiel war ich schon angespannt – aber dazwischen leitete ich dann etwa ein Damen WM-Finale vor sehr vielen Zusehern und das gab mir die Gelassenheit für die kommenden Aufgaben.“

Schiedsrichterin zu sein ist für Julia Kainberger ein „Lifestyle“, erzählt sie und nutzt ihr Engagement auf der „Platte“ auch als Ausgleich zu ihrem Lehrer-Job. Zwischen September und Dezember war sie etwa jeden dritten Tag im Einsatz. Ihrer steilen Entwicklung wohnt viel Gelassenheit und Ruhe inne. „Man muss sich in den Dingen, die man tut, Zeit lassen. Man muss sich wohlfühlen – dann kommt man auch weiter“, ist einer der Leitsätze der Salzburgerin.

Mit Olympia-Teilnahme großes Ziel erreicht
Am Donnerstag hat Julia Kainberger nun ihr großes Karriereziel erreicht – die Teilnahme an Olympischen Spielen. „Das ist das höchste, das man erreichen kann. Es ist eine große Ehre für mich, als Österreicherin bei diesem Turnier eingeladen worden zu sein und nun auch dabei sein zu können.“ Erfahren habe die ehemalige Nationalspielerin von ihrer Nominierung Anfang Dezember um 6.30 Uhr früh: „Mein Handy hat ‚gescheppert‘ und ich war verwundert, wer denn um diese Uhrzeit anruft. Als ich dann eine IIHF-Nummer sah, hob ich ab – und durfte die frohe Kunde entgegennehmen.“

Die letzten Wochen daheim verbrachte sie in Selbstisolation. Um fit zu bleiben, buchte sie sich in der Zeller Eishalle Einzeleinheiten. Wie viele Spiele Kainberger bei Olympia leiten wird, hängt von ihrer Performance ab: „Die weiteren Einsätze hier werden anhand der Leistung entschieden. Wir haben auch vor Ort, die nach Evaluierung die Ansetzungen vornehmen. Ich werden auf jeden Fall mein Bestes geben und versuchen in diesem Turnier so viele Spiele wie möglich zu leiten.“ Den ersten Einsatz hatte sie Donnerstagfrüh mitteleuropäischer Zeit beim Tournament-Opener zwischen Tschechien und China.

„Role-Model“ will in ICE Fuß fassen
Man brauche Ziele, um im Leben weiterzukommen, sagt Julia Kainberger. Nach dem Olympia-Turnier will sie in den AHL-Playoffs „so weit fahren, wie möglich“. Aber auch für die nächsten Jahre hat sie bereits Großes vor: „Ein Wunschziel von mir ist es, dass ich in der ICEHL Fuß fasse und mich langfristig in der höchsten Liga etabliere. Auch in der American Hockey League werden immer mehr Spiele von Frauen geleitet – warum soll das nicht auch bei uns möglich sein?“.

Dass mehr weibliche Schiedsrichterinnen ausgebildet werden, ist Kainberger ein großes Anliegen, sie sehe sich auch als Art „Role-Model“ und sagt: „Ich möchte eine Vorreiterin für viele junge Menschen sein, die anstreben Schiedsrichter zu werden. Auf der ganzen Welt herrscht ein Mangel an Unparteiischen – aber es wird immer mehr versucht, das dritte Team am Eis salonfähig zu machen. Es gibt bereits zwei, drei Mädels, die angefangen haben, Spiele zu leiten. Dennoch müssen wir das präsente Vorurteil des großen, bösen Schiedsrichters wegbekommen. Das sind wir nicht. Wir wollen dem Spiel dienen!“

www.ice.hockey, Pic: ICEHL

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