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EBEL

EBEL: Goaliecoach-Veteran Markus Kerschbaumer im Portrait:

Torhüter nehmen im Eishockey eine Sonderstellung ein. Während sich Stürmer und Verteidiger insgesamt 20 Arbeitsplätze teilen können, gibt es für Goalies genau einen Spot. Und während sich Stürmer und Verteidiger im besten Falle in der Vorwärtsbewegung befinden und versuchen, Tore zu schießen, ist der Torhüter einzig und allein dafür da, Schüsse zu parieren und Tore zu verhindern.

Dementsprechend spezialisiert ist das Training der Torhüter mit einem eigenen Trainer, der sich nur um deren Entwicklung und Verbesserung kümmert. Die Torhüter bilden mit ihrem Trainer somit fast eine kleine Familie, die nicht nur beruflich Zeit miteinander verbringt.

In Salzburg ist die Torhüterfamilie heuer sogar wiedervereint worden, denn Goalie Coach Markus Kerschbaumer (44), die Bundesligaprofis Jean-Philippe Lamoureux (35) und Lukas Herzog (26) sowie Nicolas Wieser (22), der bei den Red Bull Hockey Juniors in der Alps Hockey League die Nr. 1 im Tor ist und auf seine Chance im Profiteam wartet, haben in dieser Konstellation schon in Villach zusammengearbeitet.

Das ist sogar für Markus Kerschbaumer, der mittlerweile seit über 14 Jahren als Torhütertrainer arbeitet, ein Novum: „Es fühlt sich wie eine Familienzusammenkunft an, nachdem wir alle schon mal zusammen trainiert und gearbeitet haben.“ ‚Kerschi‘, wie er unter Freunden genannt wird, hat selbst lange als Torhüter in Villach gespielt und im Jahr 2005 direkt von der Spieler- auf die Trainerposition gewechselt.

2009 holte er Lukas Herzog von Zell am See nach Villach, Nicolas Wieser ist direkt beim VSV unter seinen Fittichen aufgewachsen und von 2012 bis 2016 gesellte sich schließlich auch Jean-Philippe Lamoureux, der davor in seiner ersten Europa-Saison in Ljubljana fing, zur damaligen Villacher Goalie-Familie.

Photo: GEPA pictures/ Jasmin Walter

Der Kontakt zwischen Kerschbaumer und seinen ehemaligen Schützlingen ist aber nie abgerissen und so freut es den nunmehrigen Salzburger Goalie Coach, wieder mit ihnen arbeiten zu können. Langeweile kommt da keine auf, auch wenn man sich schon über viele Jahre kennt.

„Ich hatte in Villach etliche neue Goalies, aber als wir in Salzburg wieder das erste Mal zusammen trainiert haben, hat es sich angefühlt, als ob wir damit nie aufgehört hätten. Jeder weiß, wie der andere tickt, wie man an den Schwächen arbeitet. Natürlich haben sich die Burschen weiterentwickelt, aber ich hole sie dort ab, wo sie gerade stehen und jetzt wollen wir gemeinsam den nächsten Schritt machen.“

EINZELSPORT IM TEAMSPORT
Torhüter und deren Trainer haben also ein sehr inniges Verhältnis. Da liegt es auf der Hand, dass sich selbige auch privat gut verstehen, auch wenn das keine zwingende Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist. „Aber es passiert meistens“, sagt Kerschbaumer nach kurzem Zögern. „Unsere Familien kennen sich gut, wir haben privat schon oft zusammen etwas unternommen. Wenn es die Zeit im Sommer erlaubt, gehe ich mit den Jungs z.B. gern golfen. Es ist einfach ein anderes Verhältnis zwischen einem Goalie Coach und den Torhütern als zwischen Head Coach und der ganzen Mannschaft. Wir sind ein Team im Team, es ist ein bisschen wie Einzelsport im Teamsport. In einer ungezwungenen Umgebung kommt man manchmal auf Dinge, die dir in der Eishalle nicht auffallen. Man lernt sich noch besser kennen und das hilft auch auf dem Eis weiter.“

Das persönliche Verhältnis mit den Torhütern hilft Kerschbaumer auch, sie auf mentaler Ebene zu unterstützen. „Wenn die Jungs morgens zum Training kommen, weiß ich schon aufgrund der Körpersprache, wie es ihnen geht, da muss ich mit ihnen noch nicht einmal reden. Ich merke sofort, ob etwas nicht passt. Manchmal warte ich bis zum nächsten Tag – zum Beispiel nach einem schlechten Spiel –, mit dem Gespräch, weil ich genau weiß, dass der Moment dann günstiger ist.“

Photo: GEPA pictures/ Jasmin Walter

Die Torhüter lernen natürlich auch voneinander und sehen sich darüber hinaus andere Torhüter an, um die eigenen Skills zu verbessern. „Das ist mein tägliches Frühstück“, schmunzelt Kerschbaumer. „Wir schauen viel über den großen Teich, wie sich die besten Torhüter in gewissen Spielsituationen verhalten. Die Videosequenzen schicke ich den Jungs aufs Handy und wir besprechen es auch direkt miteinander. Untereinander gibt es keine Geheimnisse, das wäre bei der intensiven Zusammenarbeit auch kaum möglich. Es liegt eh an jedem selbst, dann im Spiel die Sachen richtig umzusetzen.“

GUTE VORBEREITUNG IST DIE HALBE MIETE 
Die Arbeitszeit des zweifachen Vaters teilt sich etwa zur einen Hälfte mit praktischer Arbeit auf dem Eis und zur anderen Hälfte mit Videostudium. Dazu gehört die Aufbereitung nach den eigenen Spielen, NHL-Spiele analysieren, den Pre-Scout des nächsten Gegners erstellen. Dabei werden den Goalies etwa 20 bis 25 Videoclips mit der Gegneranalyse zusammengestellt; was macht der Gegner bei 5 vs. 5, wenn er sich im Angriffsdrittel festsetzt, was macht er im Powerplay, was macht er bei Kontern. Manche Feldspieler wollen von Kerschbaumer auch wissen, wie der gegnerische Torhüter in verschiedenen Spielsituationen reagiert.

Wichtig ist auch der Austausch mit den Goalie Coaches in der Red Bull Eishockey Akademie, damit alle an einem Strang ziehen. Kerschbaumer: „Ich bin in regem Austausch mit Janne [Janne Kari-Koskinen, Goalie Coach der Red Bull Hockey Juniors], da speziell Nico Wieser mehr im Farmteam als bei uns trainiert. Wir stimmen das Trainingsprogramm für Nico miteinander ab, damit er auch mit wechselnden Trainern optimal arbeiten kann.“

ÖSTERREICH HAT ZU WENIG TORHÜTERTRAINER
Auf Eis gelegt hat Kerschbaumer die Aktivitäten im österreichischen Nationalteam, für das er – von den Junioren bis zum Herrenteam – von 2005 bis zum 2014er Olympiajahr parallel zur Vereinsarbeit tätig war. „Es war eine schöne, aber auch sehr zeitraubende Aufgabe. Teilweise war ich mit dem österreichischen Nationalteam über zwei Monate in einer Saison unterwegs. Ich bin viel herumgekommen, war aber kaum noch daheim. Dafür habe ich die besten Eishockeyspieler der Welt gesehen und beim Training beobachten können. Das war es auf jeden Fall wert.“

Das Wohl des österreichischen Eishockeys liegt ihm aber trotzdem weiterhin am Herzen, und daher erstellt er gerade gemeinsam mit dem Österreichischen Eishockeyverband ein Konzept zur Ausbildung österreichischer Torhütertrainer. „Man hört immer wieder, Österreich habe ein Goalie-Problem. Aber wenn keiner mit den Goalies arbeitet, wie willst du dann welche produzieren?“

Ausschließen will der 44-Jährige eine Rückkehr auf die rot-weiß-rote Bühne nicht, aber jetzt ist das überhaupt kein Thema. „Ich habe hier in Salzburg mit dem Pro-Team und den Goalies in der Akademie viel zu tun und bin froh, in diesem Umfeld arbeiten zu dürfen. Das war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.“

MARKUS KERSCHBAUMER ÜBER …
JP Lamoureux: Er arbeitet und lebt höchst professionell. Er ist – man sagt bei uns ‚Student of the game‘ –, heißt, er passt gut in unsere ‚Nerd-Familie‘, beschäftigt sich den Großteil des Tages mit Goaltending. Analysiert sein eigenes Spiel, studiert andere Torhüter aus der NHL. Er versucht, sein Potential optimal zu nutzen und das jeden einzelnen Tag. Dabei ist er immer konstant, egal ob er einen guten oder schlechten Tag hat. Das ist sein riesiger Vorteil.

Lukas Herzog: Ein junger Wilder! Er kann sich in Spiele richtig reinbeißen, wenn er mal so einen Flow erwischt, ist er nur schwer zu knacken. Er hat gute körperliche Voraussetzungen mit seiner Körpergröße, langen Armen und Beinen und guten Körperwinkeln. Vorteil und Nachteil zugleich: er ist ein Sturkopf. Aber wenn man ihn in die richtige Richtung lenkt, kann er noch viel erreichen.

Nicolas Wieser: Nico bringt viel Energie mit und hat eine positive Ausstrahlung. Er hat sich gut weiterentwickelt, ich beobachte ihn regelmäßig bei den AHL-Heimspielen. Er macht immer wieder Schritte nach vorn, braucht aber noch Zeit, um den finalen Schritt zu machen.

www.redbulls.com, Photo: GEPA pictures/ Jasmin Walter

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