„Das Schiedsrichterteam ist das dritte Team am Eis“, beschreibt Greg Kimmerly, Director of Officiating. Wie jedes andere Team haben Schiedsrichter konkrete Ziele, bereiten sich akribisch auf Spiele vor und wollen Runde für Runde ihr Leistungsoptimum abrufen. „Schiedsrichter ist man nicht wegen des Zuverdiensts, sondern aus Liebe zum Spiel“, so Kimmerly.
Das Leben eines Schiedsrichters ist vergleichbar mit jenem eines Spielers. Von der Vorbereitung über die Motivation bis hin zur Zielsetzung agieren Schiedsrichter wie professionelle Athleten – mit einem Unterschied: der Großteil von ihnen muss seiner Leidenschaft neben ihrer normalen Arbeit nachgehen.
Motivation, Ziele und
Bewertung eines Schiedsrichters
„Viele Außenstehende und selbst Coaches realisieren oft nicht,
welche Leidenschaft hinter diesem Job steht“, beschreibt Kimmerly.
„Schiedsrichter, die diese Arbeit wegen des Geldes machen, haben
ihren Job verfehlt. Da gibt es andere Möglichkeiten in derselben
Zeit mehr zu verdienen. Sie machen es aus Liebe zum Spiel“, so der
Kanadier, der seit 2016 für die Entwicklung der Schiedsrichter in
der Erste Bank Eishockey Liga verantwortlich ist. Referees
verfolgen wie auch Spieler akribisch ihre Ziele und werden Runde
für Runde an ihren Leistungen gemessen. „Jeder Schiedsrichter
möchte am Ende der Saison im Finale stehen. Akteure, die im Vorjahr
nicht in den Playoffs standen, wollen diese im nächsten Jahr
erreichen. Für manche kann ein Ziel auch sein ein Derby oder die
Top-Begegnung der Runde zu leiten. Auch TV-Spiele sind für die
Referees interessant, wollen sie sich doch auch vor Familie und
Freunden präsentieren können“, erklärt Kimmerly den Antrieb.
Für die Ansetzungen und vor allem für den Playoff-Cut müssen Schiedsrichter ständig bewertet werden. Während es für Teams die Tabelle als Bewertung gibt, sind auch Referees auf transparentes Feedback angewiesen. „Es ist wichtig, dass unsere Schiedsrichter wissen wo sie stehen. Kein Schiedsrichter ist zu Beginn der Saison fix in den Playoffs – das muss sich jeder einzelne Akteur hart verdienen. Die Erfahrung spielt bei der Bewertung keine Rolle, wir evaluieren rein nach der gezeigten Leistung“, beschreibt der ehemalige NHL-Schiedsrichter den Evaluierungsprozess.
Bewertet werden die Schiedsrichter in allen Begegnungen aus dem Situation Room. Darüber hinaus ist bei 70% der Spiele ein Officiating Coach anwesend, der im Anschluss an das Spiel einen Bericht schreibt. „Es besteht Kontakt zu den Schiedsrichtern nach jedem Spiel. Unsere drei Schiedsrichter-Coaches, Lyle Seitz und ich diskutieren regelmäßig unsere Bewertungen. Konstanz ist ein wichtiger Teil dieser Evaluierung. Playoffs dürfen jene Schiedsrichter leiten, die über das Jahr eine gute Leistung gezeigt haben“, beschreibt Kimmerly.
Die Anreise und
Vorbereitung
Wie bei den Spielern startet die Vorbereitung von Schiedsrichtern
bereits im Sommer. „Bereits vor Saisonstart trainieren unsere
Referees hart, um den obligatorischen Fitness-Test zu bestehen und
damit die erste Grundlage zur Erreichung ihrer Ziele zu erfüllen.
Auch bei den einzelnen Spielen ist das Prozedere vergleichbar mit
anderen Teams. „Im Durchschnitt haben Referees eine etwa
dreistündige Anreise. Es kann aber schon passieren, dass
Schiedsrichter ihre normale Arbeit am Donnerstagabend
verlassen müssen und erst am Montag in der Früh wieder direkt von
der Zugstation in die Arbeit gehen. Aber selbst an normalen
Spieltagen sind die Beteiligten von früh bis spät unterwegs. Allein
daran sieht man, mit welcher Hingabe unsere Referees ihren Job
machen“, so der Director of Officiating.
„Spätestens 90 Minuten vor dem Spiel treffen die Schiedsrichter meist geschlossen als Team ein“, beschreibt Kimmerly das Pregame-Ritual. „Danach folgt die mentale und die körperliche Vorbereitung. Vor dem Aufwärmen gehen die Referees die wichtigsten Punkte zum Spiel durch. Neben dem Lineup und vorgegangenen Spielen dieser Teams werden auch spezifische Regeln noch einmal gemeinsam diskutiert“, erklärt der Kanadier.
Schiedsrichteransetzungen
Auch in den Ansetzungen, die vom Director of Officiating selbst
durchgeführt werden, steckt viel Liebe zum Detail. „Dabei gibt es
mehrere Aspekte zu berücksichtigen. Ich achte auch darauf, dass die
weniger erfahrenen Refs gemeinsam mit unseren Top-Schiedsrichtern
Erfahrung sammeln können. Natürlich wird auch auf die
Anfahrtszeiten geachtet. Ein dritter wichtiger Punkt ist die
Frequenz. Wir achten darauf, dass ein Schiedsrichter nicht ein und
dasselbe Team über mehrere Spiele begleitet. Darüber hinaus ergeben
sich aufgrund der aktuellen Tabellensituation oder auch Derbys
brisantere Spiele als andere“, so Kimmerly.
Bei den Ansetzungen wird in letzter Zeit des Öfteren auf Expertise von außerhalb zurückgegriffen. In diesen Tagen ist beispielsweise Liam Sewell als Headreferee im Einsatz, der in den letzten sechs Jahren in Nordamerika unter anderem in der ECHL und in der AHL im Einsatz war.
www.erstebankliga.at, Pic: fodo.media/Harald Dostal









