Vor wenigen Tagen ließ Österreichs Teamgoalie Bernhard Starkbaum verlautbaren, dass er seine aktive Karriere beendet und ab sofort als Torwarttrainer beim win2day ICE Hockey League-Verein spusu Vienna Capitals tätig sein wird. Im Interview spricht „Starki“ über diese Veränderung, die neuen Aufgaben und was er vermissen wird. Einen Einblick in die Person Bernhard Starkbaum gewährt zudem Head Coach Roger Bader.
„In meiner Dienstzeit, seit November 2016, war er meine Nummer 1. Er hat die wichtigen Spiele gewonnen für uns und war ein wichtiger Leistungsträger im Nationalteam. Er hatte starken Anteil an unseren Erfolgen der letzten Jahre. Als Teamchef verbinde ich mit ihm sowohl sportlich als auch menschlich eine gute und erfolgreiche Zeit“, so Roger Bader.
Bernhard Starkbaum tritt als Torhüter mit den meisten Länderspielen ab. 153 an der Zahl (Anm.: dies betrifft sämtliche Spiele in denen er im Lineup stand) absolvierte Starkbaum im Teamdress, lief neben etlichen Weltmeisterschaften in der Top Division und Division IA auch 2014 bei den Olympischen Spielen auf. Sein letztes offizielles Spiel ist das Duell gegen Ungarn vom 22. Mai 2023 bei der WM in Tampere (FIN), das man nicht zuletzt dank seiner Saves im entscheidenden Penaltyschießen 4:3 gewann und damit wie im Vorjahr den Klassenerhalt sicherte.
WIE FÜHLST DU DICH ALS
FRISCH GEBACKENER SPORT-PENSIONIST?
Bernhard Starkbaum: „Die Entstehung kam überraschend, aber
mittlerweile habe ich mich damit abgefunden. Ich habe mehr Zeit,
vor allem jetzt im Sommer, mit den Kindern, da das Training nahezu
komplett eingestellt ist. Ich trainiere individuell, da ich einfach
Sportler bin und die Bewegung brauche. Auf meinen Schultern lastet
kein Druck mehr und ich bin gespannt auf die Dinge, die jetzt neu
auf mich zukommen.“
DEM EISHOCKEYSPORT BLEIBST
DU IN NEUER FORM ERHALTEN. WIE BEURTEILST DU DIE TORHÜTERSITUATION
IN ÖSTERREICH UND WAS WERDEN SOZUSAGEN DEINE GEGENMASSNAHMEN
SEIN
Bernhard Starkbaum: „Aktuell spielen zu wenige heimische Torhüter
in der ersten Liga. Meistens sind sie nur Backup und bekommen kaum
Eiszeit. Wir sollten das Ziel haben, mehr österreichische Torhüter
rauszubringen. Das beginnt im Nachwuchs, dass jedes Team seinen
Teil dazu beitragen muss, um mehr junge Torhüter auszubilden und
vor allem richtig auszubilden. Die Position eines Tormanntrainers
ist heutzutage sehr wichtig und es wäre wünschenswert, wenn jedes
Team einen hauptangestellten Tormanntrainer hat, der verantwortlich
ist von der Kampfmannschaft bis zum Nachwuchs. Man braucht Trainer,
die mit den Kindern vereinzelt spezifisches Training machen. Das
Torhüterspiel ist heute sehr auf Technik aufgebaut und ist ein
Gebiet, in dem man mit Qualität als Trainer viel erarbeiten kann.
Vor allem im Nachwuchs. Das würde dem österreichischen Eishockey
guttun. Je mehr Torhütertrainer die jungen Goalkeeper fördern, je
mehr kommen oben raus. Das ist nichts Neues, aber es ist wichtig
den ersten Schritt zu machen. Dann kann man in ein paar Jahren
Profit daraus ziehen. Mit David Kickert und David Madlener hat man
zwei routinierte Torhüter im Nationalteam, die bereits viel
gespielt und gesehen haben. Aber wir brauchen mehr von unten weg.
Es gibt vereinzelte Torhüter, die eine gute Technik haben, aber
noch zu wenig Eiszeit haben, um sich weiterzuentwickeln. Das ist
ein Punkt, an dem wir ansetzen können.“
DU TRITTST IN MEHRFACHER
HINSICHT ALS HELD AB: DEINE SAVES SICHERTEN IM PENALTYSCHIESSEN DEM
NATIONALTEAM DEN KLASSENERHALT, ZUDEM BIST DU NUN DER TORHÜTER MIT
DEN MEISTEN LÄNDERSPIELEN. WAS WAREN DEINE PERSÖNLICHEN
KARRIEREHIGHLIGHTS
Bernhard Starkbaum: „Ob ich als Held abtrete oder nicht, sei
dahingestellt. Ich war Teil der erfolgreichen Mannschaft, die jetzt
bei der WM den Klassenerhalt geschafft hat. Ich konnte mit meinen
Saves dazu beitragen, aber man gewinnt und verliert als Mannschaft.
Ich freue mich, dass ich meinen Teil dazu beitragen konnte, dass
wir in der Top Divison bleiben konnten. Es war wie auch letztes
Jahr eine richtig coole Truppe und natürlich ein unglaubliches
Gefühl, wenn man das entscheidende Spiel gewinnt und den
Klassenerhalt schafft. Es waren viele schöne Momente dabei. Die
Olympia-Quali und die Olympischen Spiele selbst sind Events und
Highlights, die man nicht vergisst. Genauso wie letztes Jahr der
Sieg über Tschechien, oder der Klassenerhalt bei der WM 2018 in
Dänemark mit dem Shutout gegen Weißrussland, die Schweden-Partie in
Wien voriges Jahr und so vieles mehr. Am Eis zu stehen und die
Hymne zu hören, zu wissen, man hat alles für das Team getan, mit
dem Adler auf der Brust, wenn dann noch die Kinder dabei waren, all
das sind Momente, die sportlich aber auch emotional viel für mich
bedeutet haben. Es sind unglaublich viele Highlights, die ich gar
nicht alle zusammenfassen kann. Zu viele schöne Momente, die ich
nicht missen möchte. Und wer weiß, vielleicht kreuzen sich die Wege
mit dem Nationalteam anderweitig wieder.“
WAS WIRST DU AM MEISTEN
VERMISSEN?
Bernhard Starkbaum: „Das Zusammensein und Herumhängen mit den
Teamkollegen, das Feeling, wenn man aufs Eis geht, der
Nervenkitzel, teilweise dieser Druck, der jetzt abgefallen ist.
Nach der aktiven Karriere merkt man erst, wie viel Druck die
letzten Jahre auf einem gelastet hat, was man einerseits gerne hat,
weil man damit umgehen kann, allerdings merke ich jetzt auch, dass
ich einfach mein Ding machen kann. Ich habe es genossen
einzulaufen, vor den Fans zu spielen, die uns so emotional und
lautstark angefeuert haben. Zu sehen, auch was das Familiäre
betrifft, wie die Kinder auf den Zuschauerrängen stehen und
herunterwinken. Das werde ich definitiv vermissen. Ich bin aber
überzeugt, dass neue, andere Situationen, die ich bis jetzt noch
nicht hatte, mich genauso auf eine Art und Weise inspirieren und
mich als Menschen weiterentwickeln werden, wie es diese Momente am
Eis getan haben. Ich bin froh und dankbar, dass ich diese Reise
habe machen dürfen, mit all der Unterstützung, die ich immer hatte
von allen Seiten wie Freunden, Familie, Frau, Freundin,
Mitspielern, Trainern, Betreuern und vielen mehr. Da gehören so
viele Leute dazu die einen begleiten auf so einer langen Reise,
ohne die das nicht möglich gewesen wäre. Bei denen möchte ich mich
bedanken. Eine Türe schließt sich und eine neue geht auf und ich
bin schon gespannt, was in den neuen Kapiteln drinnen steht.“
www.eishockey.at, Bild: DEB / City-Press GmbH









