Der Graben beginnt schon beim Minimum
Wer sich ernsthaft mit dem Thema gehalt del spieler beschäftigt, stößt schnell auf ein grundlegendes Problem: Die DEL veröffentlicht keine offiziellen Gehaltszahlen. Keine Tabellen, keine Berichte, keine Pflichtangaben. Wer wissen will, was ein Profi in Mannheim oder München verdient, ist auf Schätzungen von Spielerberatern, Aussagen ehemaliger Profis und vereinzelte Medienberichte angewiesen. Die NHL funktioniert komplett anders. Für die Saison 2024/25 liegt das vertraglich festgelegte Mindestgehalt bei 775.000 US-Dollar pro Jahr. Laut dem geltenden Collective Bargaining Agreement steigt dieser Wert ab der Saison 2026/27 auf 850.000 US-Dollar und bleibt dann bis 2030/31 auf diesem Niveau fixiert. Das ist kein Durchschnitt, das ist der Boden.
Ein Spieler mit diesem Ligaminimum kassiert bei 82 regulären Saisonspielen rechnerisch rund 9.450 US-Dollar pro Partie. In der DEL spielen die 14 Teams seit der Saison 2021/22 nur 52 Hauptrundenspiele. Wer dort nach Branchenschätzungen etwa 120.000 Euro im Jahr verdient, kommt auf ungefähr 2.140 Euro pro Spiel. Der Unterschied ist brutal, selbst wenn man alle Unschärfen der DEL-Zahlen großzügig einrechnet.
Was DEL-Spieler tatsächlich verdienen
Exakte Zahlen gibt es nicht, aber die vorliegenden Quellen zeigen ein konsistentes Bild. Ein Spielerberater schätzte 2019 gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass die meisten DEL-Profis zwischen 80.000 und 200.000 Euro brutto pro Saison verdienen. Die Eishockey News bezifferte 2022 den Durchschnitt auf rund 120.000 bis 150.000 Euro. Ein ehemaliger NHL-Profi nannte 2023 im Sport1-Interview 6.000 bis 8.000 Euro brutto im Monat als Richtwert für ein solides DEL-Gehalt, also 72.000 bis 96.000 Euro jährlich. Alle diese Angaben stammen aus Einzelquellen und sind nicht offiziell bestätigt, aber sie zeigen eine Größenordnung.
Junge deutsche Spieler in ihren ersten Profiverträgen stehen laut einem Bericht von 2020 teilweise noch deutlich darunter, manchmal unter 50.000 Euro brutto im Jahr. Wer sich im deutschen transfermarkt eishockey nach oben arbeitet, kann mehr erreichen, aber der Weg ist lang. Die Kontingentspieler, also die ausländischen Importe, kassieren in der Regel die höheren Gehälter in der DEL. Absolute Topspieler können laut übereinstimmenden Berichten auf 300.000 bis 400.000 Euro pro Saison kommen, inklusive Bonuszahlungen. Das ist die Obergrenze dessen, was in dieser Liga realistisch erscheint.
NHL-Zahlen in einer anderen Dimension
Der Salary Cap der NHL lag in der Saison 2024/25 bei 88 Millionen US-Dollar pro Team, nach 83,5 Millionen im Vorjahr. Verteilt auf einen aktiven Kader von 23 Spielern ergibt sich ein theoretischer Durchschnitt von fast 3,8 Millionen Dollar pro Kopf, wenn der Cap vollständig ausgeschöpft wird. Die tatsächlichen Zahlen liegen etwas tiefer: Laut einer Forbes-Auswertung zur Saison 2023/24 verdiente ein NHL-Spieler im Schnitt rund 3,5 Millionen US-Dollar pro Jahr, der Median lag einer Analyse von 2025 zufolge bei etwa 2,0 Millionen US-Dollar. Die Spitzenverdiener der Liga kommen auf über 10 Millionen US-Dollar pro Saison. Keine andere ice hockey league weltweit kommt auch nur annähernd an diese Zahlen heran.
Das macht den Vergleich mit der DEL fast surreal. Das NHL-Mindestgehalt übertrifft das, was ein DEL-Topspieler verdient, um ein Vielfaches. Selbst der schlechtbezahlteste NHL-Kaderplatz ist finanziell attraktiver als der bestbezahlte Vertrag in Deutschland.
Steuern, Sachleistungen und der Kontext
Ein Detail, das im transfergeflüster rund um wettanbieter mit Malta lizenz und andere Sportmärkte oft untergeht: Bruttogehälter erzählen nicht die ganze Geschichte. In Deutschland greift der Spitzensteuersatz von 42 Prozent bereits ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 68.481 Euro, was bedeutet, dass DEL-Profis mit mittleren Gehältern schon voll im oberen Steuerbereich liegen. In kanadischen Provinzen wie Ontario liegt der kombinierte Spitzensteuersatz aus Bundes- und Provinzsteuer bei über 50 Prozent. NHL-Spieler in steuerfreundlicheren US-Bundesstaaten haben hier strukturelle Vorteile, aber das variiert stark je nach Standort des Teams.
DEL-Vereine kompensieren die niedrigeren Bruttogehälter teilweise durch Sachleistungen: Wohnung und Auto werden häufig vom Klub gestellt. Das ist kein Luxus, sondern oft schlicht notwendig, um überhaupt Importspieler anzulocken. Eine ligaweite Gehaltsobergrenze wie in der NHL existiert in der DEL nicht, was theoretisch größere Investitionen einzelner Klubs erlaubt, in der Praxis aber keine sichtbare Gehaltsexplosion ausgelöst hat.
Was die Zahlen wirklich bedeuten
Der frühere NHL-Spieler Stéphane Richer sagte 2020 in einem NHL.com-Interview treffend: „Es gibt vielleicht Ligen, in denen mehr Geld ausgegeben wird. Aber das heißt nicht, dass dort besseres Eishockey gespielt wird.“ Das stimmt, ändert aber nichts an der Realität der Gehaltsschere. Wer als Profi in der eishockey news auftaucht und zwischen einem DEL-Angebot und einem NHL-Vertrag wählen kann, steht vor keiner echten Entscheidung, zumindest nicht finanziell.
Die DEL ist eine ernsthafte Profiliga mit Vollzeitprofis, das steht außer Frage. Aber der Abstand zur NHL ist kein Spalt, sondern ein Abgrund, und die verfügbaren Zahlen zeigen das mit aller Klarheit.







