Die spusu Vienna Capitals haben mit zwölf Spielen das erste Viertel des Grunddurchgangs absolviert. Mit 13 Punkten aus 12 Spielen ist die sportliche Bilanz ausbaufähig. Langwierige Ausfälle von Stammspielern tragen nicht zur Linderung der aktuellen Situation bei. Christian Dolezal, der Sportliche Leiter der spusu Vienna Capitals, zieht ein erstes Fazit und gibt einen Ausblick auf die kommenden Wochen.
Ein Viertel des
Grunddurchgangs liegt hinter uns. Wie lautet dein
Fazit?
Christian Dolezal: Wir haben die ersten
Spiele mit viel guter Energie gespielt. Angefangen mit der ersten
Partie, wo wir nach einer Unachtsamkeit verloren haben. Das Spiel
selbst gegen eine sehr gute Mannschaft war aber ausgeglichen. Wir
haben in den ersten Matches sehr gutes Eishockey gezeigt, das eine
oder andere Ergebnis hätte mit ein bisschen mehr Effizienz besser
ausfallen können oder eigentlich sogar müssen. Das alles war auf
guten Defensiv- und Torhüterleistungen aufgebaut. Ein
Negativbeispiel ist für mich das Spiel gegen Asiago. Auch wenn wir
gewonnen haben, war das von uns keine gute Leistung. Wir haben uns
mit unnötigen Strafen, die nicht vom Gegner erzwungen wurden,
selbst in Probleme gebracht. In der Offensive ist unsere Leistung
ausbaufähig. Dabei geht es weniger darum, Torchancen zu kreieren,
die haben wir zum Teil zuhauf, sondern um die letzten Details beim
Abschluss. Genauso ist das im Powerplay. Wir müssen mehr schmutzige
Arbeit rund um das Tor verrichten, dem Torhüter die Sicht nehmen,
Scheiben zum Tor bringen, eine bessere Schussauswahl finden – das
sind ein paar Kleinigkeiten, die wir besser machen können.
Was sind einige Dinge, die
bereits unternommen wurden, vor allem im Hinblick auf die
Effizienz?
Dolezal: Wir arbeiten im Training
daran, präsentieren die Erkenntnisse in Einzelgesprächen oder
Meetings mit den Linien. Letztendlich hat das mit ganz kleinen
Dingen zu tun, die wir dementsprechend rüberbringen wollen. Man
muss einen schmalen Grat nehmen, den versuchen die Coaches zu
gehen. Aktuell ist es schwierig, Tore zu erzielen. Wir dürfen uns
aber nicht von unserer Linie wegbewegen, in der Defensive stabil zu
stehen. Ein Schlüssel, um auch offensiv mehr Druck auszuüben, ist
mit mehr Energie zu spielen. Von Anfang an und nicht erst dann,
wenn wir in Rückstand liegen und unter Druck geraten. Egal, ob wir
zu Hause in der STEFFL Arena oder auswärts spielen, wir müssen von
Beginn weg mit dem richtigen Energielevel agieren. Das alles darf
aber nicht zulasten der defensiven Struktur gehen, denn wir sind
überzeugt, dass diese unerlässlich ist, um viele Spiele zu
gewinnen.
Tyler Parks stand uns in
Klagenfurt nicht mehr zur Verfügung, Jérémy Grégoire verletzte sich
in diesem Spiel. Da nahm das Problem mit Verletzten seinen Lauf,
aktuell halten wir bei fünf Langzeitverletzten. Wie schwer ist es,
solche Verletzungen zu kompensieren?
Dolezal: Die
Verletzung von Tyler Parks ist eine eigene Geschichte, die tut uns
natürlich weh, dennoch haben wir hier mit Anders Lindbäck
nachgebessert. Sebastian Wraneschitz hat gute Leistungen gebracht,
daran hat es in den vergangenen Spielen nicht gelegen. Die
Verletzung von Jérémy Grégoire ist sehr bitter, weil er ein Spieler
ist, der der Mannschaft mit seiner Stimmung, Energie und seinem
Spielstil einfach guttut. Gegen Pustertal sind mit Brett Kemp und
Niki Hartl zwei Spieler verletzungsbedingt ausgeschieden, die an
diesem Abend Teil der ersten Linie waren. Das unterstreicht ihren
Stellenwert für uns. Dennoch müssen die Spieler, die auf dem Eis
sind, weiter performen. Uns fehlen Schlüsselspieler, das ist für
uns als Gruppe schlecht, das ist aber ein Signal an die anderen,
dass wir näher zusammenrücken und die Kleinigkeiten noch besser
machen müssen, um uns wieder auf die Siegerstraße zu bringen.
Welche Mittel innerhalb
deiner Möglichkeiten hast du genutzt, um Bereiche wie die mangelnde
Effizienz zu adressieren?
Dolezal: Ich habe in
den vergangenen Wochen viele Gespräche geführt. Wir haben
beispielsweise einen Spieler, der in seiner Karriere noch nie so
wenig Offensiv-Output hatte wie derzeit. Da versuche ich, ein
bisschen den selbst auferlegten Druck zu nehmen. Ich versuche
positiv zuzureden, bleibe aber gleichzeitig bestimmt. Die Coaches
tun im Training und in Meetings alles, ich habe mir den einen oder
anderen Spieler auf die Seite geholt, auch um herauszufinden, ob
rundherum alles passt.
In deiner Rolle als
Sportlicher Leiter hast du andere Hebel zur Verfügung als zuvor als
Coach, auch im Bezug auf die Kaderzusammenstellung.
Dolezal: Die Wahrheit ist, dass man ohnehin immer schaut, was
sich auf dem Spielermarkt tut, egal, ob in Europa oder in
Nordamerika. Die Ligen unterhalb der NHL fangen dort gerade erst
an. Wir haben auch im Blick, was in Europa auf den Markt kommt,
egal ob im Angriff, in der Verteidigung oder eben erst im Tor. Wir
sind stets vorbereitet, um handlungsfähig zu sein, sollte sich
etwas ergeben. Ich bin noch immer der felsenfesten Überzeugung,
dass wir eine gute Gruppe beisammenhaben. Das Scoring und die
Effizienz müssen besser werden, aber in erster Linie muss die
Defensive halten, das ist unser Fundament. Wenn dieses nicht
vorhanden ist, wird es schwierig. Wir arbeiten daran, die richtige
Balance zu finden, das Fundament nicht zu vernachlässigen, aber
offensiv für mehr Gefahr zu sorgen. Hier wollen wir uns verstärken,
insbesondere unter dem Aspekt der aktuell dazugekommenen
hochkarätigen Ausfälle.
Wie groß ist aktuell dein
Handlungsspielraum?
Dolezal: Ich befinde mich im ständigen Austausch mit
Management und Präsidenten, dabei lege ich meine Eindrücke dar. Es
gibt aktuell leider noch nicht sehr viele Optionen am Markt, die
uns dort helfen könnten, wo wir es brauchen. Schlussendlich bin ich
dafür verantwortlich, sofort welche zu präsentieren, wenn sie sich
ergeben. Gemeinsam loten wir aus, was finanziell möglich ist. Es
ist etwas möglich, aber es muss ein Spieler sein, der uns wirklich
dort helfen kann, wo wir eine Schwäche haben, und das ist im
Abschluss. Teams aus größeren Ligen fischen in denselben Gewässern,
was unsere Aufgabe schwieriger macht.
Was sind die Ziele für den
weiteren Saisonverlauf?
Dolezal: Ganz klar wie auch vor der Saison bereits
kommuniziert, wollen wir in dieser Saison nach dem Neustart auf
allen Ebenen in die Play Offs. Auf welchem Weg auch immer. Das ist
absolut realistisch und wir arbeiten jeden Tag hart daran, um dies
zu erreichen. Dann muss man schauen, wie weit es gehen kann. In den
nächsten Jahren wollen wir uns stetig wieder dorthin entwickeln, wo
wir insbesondere vor der Covid-Zeit nahezu durchgehend waren,
nämlich unter den Top vier und hoffentlich bald auch wieder in ein
Finale der ICE Hockey League. Für die heurige Saison ist es im
Frühling und Sommer ja gelungen, erstmals auch ohne Mäzen
wirtschaftlich eine gute Basis zu schaffen, auf der wir aufbauen
können. Das Management arbeitet gemeinsam mit dem Präsidenten
tatsächlich Tag und Nacht daran, weitere neue Partner für die
Zukunft zu finden.
vienna-capitals.at , Bild: fodo.at









