Nicht nur auf dem Eis, sondern auch in der Kabine hat der 30-jährige Peter Schneider den Respekt seiner Teamkollegen und wurde nicht umsonst zu einem der Assistenzkapitäne gewählt. Der EC Red Bull Salzburg veröffentlichte ein Interview mit dem Routinier, der in Amerika und Europa schon viel erlebt hat.
Wie geht es dir mit den Red
Bulls nach den ersten Spielen in der ICE und Champions Hockey
League?
Mit der CHL können wir sehr zufrieden sein, wir haben alles
gewonnen. Sicher war nicht alles perfekt, aber die Leistung und die
Resultate habe gepasst. Wir haben gewusst, woran wir arbeiten
mussten. Der Auftakt in der Liga war für uns auch super. Wir haben
zum Beispiel gegen Dornbirn nicht so gut gespielt, aber wir haben
darüber im Nachhinein geredet und jetzt passt es wieder. Solche
Dinge passieren im Eishockey.
Habt ihr euch als
Mannschaft schon gefunden?
Wir verstehen uns am Eis und auch privat sehr gut. Aber wir haben
einige neue Spieler und unser Spielsystem ist sicher schwer zu
spielen. Daran muss man sich erst gewöhnen und das braucht
natürlich Zeit.
Was hat dich im Sommer
bewogen, nach den Stationen in Wien, Biel-Bienne und Brno den Weg
nach Salzburg zu nehmen?
Mein Ziel war es, einen Meistertitel zu gewinnen und ich habe eine
Mannschaft gesucht, wo das auch möglich ist. Da war Salzburg ganz
klar Favorit. Ich habe zudem viel Gutes von Spielern aus Salzburg
gehört. Was auch eine Rolle gespielt hat, war das Jahr mit der
Covid-Pandemie. Die Zeit war für niemanden leicht, so auch für uns
nicht und ich wollte mit meiner Freundin wieder zurück nach
Österreich.
Wird das in Salzburg ein
längerer Aufenthalt, nachdem du zuletzt viel gewandert
bist?
Ich hoffe es. Mir gefällt es sehr gut hier. Mir gefällt die
Organisation im Verein, wie alles aufgebaut ist. Ich kann mir schon
vorstellen, hier in Salzburg länger zu bleiben.
Deine bislang längste Zeit
an einem Ort – sportlich gesehen – hast du in Amerika an der
University of Notre Dame verbracht. Wie hast du diese Zeit
erlebt?
Es war eine sehr schöne Zeit. Ich war vier Jahre im College an
einer super Universität. Ich habe dort die akademische Ausbildung
sehr genossen. Das Leben an der Uni hat mir sehr viel Spaß gemacht.
In den vier Jahren spielte ich immer mit der gleichen Mannschaft,
da bauen sich auch tolle Freundschaften auf. Es war eine schöne
Zeit.
Was waren deine Highlights
dort?
Das war sicher der letzte Titel [NCAA, CCHA Champion, Anm.], den
wir im letzten Spiel gewonnen haben. Das war ein tolles
Erlebnis.
Wie sehr hat sich der Amerika-Aufenthalt auf deinen
Spielstil ausgewirkt?
Ich glaube, die Jahre in Amerika haben mich sehr geprägt. Die
Eisfläche ist kleiner, das Spiel ist viel geradliniger und es gibt
viel mehr Zug zum Tor. Ich glaube, das habe ich noch immer in
meinem Spiel drin. Ich muss schauen, dass ich den Spielstil nicht
zu sehr hierher übertrage. Wir haben hier mehr Platz und Raum und
ich muss versuchen, dass ich mir den Raum mehr nehme. Persönlich
hat mich der Aufenthalt auch stark geprägt. Es ist immer großartig,
wenn man im Ausland einen anderen Lebensstil kennen lernt. Ich
wurde selbständiger und musste alles selbst erledigen.
Wie stark schätzt du die
auf 14 Teams aufgestockte bet-at-home ICE Hockey League ein,
nachdem du z.B. direkten Vergleich mit der Schweiz und Tschechien
hast?
Es ist ganz klar, dass die beiden Ligen in der Schweiz und
Tschechien ein wenig besser sind als in Österreich. Der Unterschied
ist aber nicht allzu groß. Es ist in Österreich auch sehr schwer zu
spielen. Es gibt sehr hochkarätige Spieler in der Liga. In der
Schweiz ist das Spiel schneller und in Tschechien zudem vom
Spielstil härter. In der Schweiz dürfen nur vier Ausländer pro
Verein spielen, die sind dann meist sehr gut.
Was schätzt du an deinem
Team/Verein besonders?
Die Organisation ist so aufgebaut, dass auf jedes kleinste Detail
geschaut wird. Angefangen vom Training, das penibel überwacht wird.
Es wird alles darauf abgestimmt. Der Verein schaut auf uns Spieler
und wir können uns voll auf unseren Job konzentrieren.
Wo stehen die Red Bulls am Ende der Saison?
Natürlich ganz oben. Das ist unser Ziel und daran glaube ich auch
fest und ganz. Aber es wird ein hartes Stück Arbeit. Wie man jetzt
schon sieht, ist die Liga heuer sehr ausgeglichen. Es wird für uns
sehr schwer werden, es gibt viele gute Teams. Ich sehe uns aber
trotzdem am Ende der Saison ganz oben. In der CHL wird es
interessant. Die Gruppen-Phase ist fast vorbei und es warten jetzt
einige europäische Spitzenteams. Wir werden sehen, wie wir uns hier
schlagen werden. Wir werden auch hier unser Bestes geben und
schauen, was am Ende rauskommt.
Österreich hat die
Olympia-Qualifikation für Peking 2022 im August verpasst. Wie sehr
schmerzt das?
Es ist natürlich sehr enttäuschend, weil wir sind ja hingefahren
sind, um die Qualifikation zu schaffen. Wir haben aber auch
gewusst, dass es sehr schwer wird. Die Slowakei war Favorit,
Weißrussland hat ein sehr starkes Team. An Ende hat es leider nicht
gereicht. Nach der Niederlage gegen die Slowakei war die Luft etwas
heraus. Es war ein sehr enges Spiel, wir haben gut gekämpft. Wir
müssen zukünftig schauen, dass wir an die Spitzenteams in Europa
näher rankommen.
Du hast ein abgeschlossenes
Wirtschaftsstudium und steckst gerade mitten im Jus-Studium.
Beruflich stehen dir somit nach der Eishockey-Karriere viele Wege
offen. Hast du schon Pläne?
Ich schnupperte damals in Amerika nach meinem Abschluss ein wenig
ins Berufsleben rein. Ich habe ein Praktikum im Finanzbereich
gemacht, was sehr interessant war. Ich habe jetzt noch keine
konkreten Vorstellungen, aber so habe ich die Möglichkeit, neben
dem Sport noch etwas für meinen Kopf zu tun. Für mich ist es
wichtig, abseits vom Eishockey noch Ziele zu verfolgen und für die
Zukunft vorzusorgen.
Wie lange möchtest du noch aktiv sein?
So lange wie möglich. 10 Jahre, also bis ich 40 bin, wären super.
Aber mal schauen, ob der Körper so lange mitspielt.
Kannst du dir vorstellen,
in Salzburg sesshaft zu werden?
Auf jeden Fall, die Stadt gefällt mir sehr gut. Du hast sowohl das
Stadt- als auch das Landleben hier gleich vor der Tür. Aber man
wird sehen, wo es mich noch hin verschlägt und welche Türen sich
auftun werden.
Verrate etwas über dich,
was bisher noch keiner weiß!
Ich spreche vier Sprachen: Tschechisch, Slowakisch, Deutsch und
Englisch.
Wie sehr liegt dir der
Nachwuchs am Herzen?
Sehr! Ich kann mich noch erinnern, als ich im Nachwuchs gespielt
habe und die Profispieler sich die Zeit genommen haben, mit uns zu
trainieren. Das freut die Kinder ungemein und ich möchte den Jungen
sie viel wie möglich auf ihrem Weg mitgeben.
www.redbulls.com, Pic: Red Bull Salzburg









