Seit Juni leitet Dr. Alexander Gruber als neuer Präsident das Präsidium der win2day ICE Hockey League. Der 63-jährige Wiener, selbst ein ehemaliger Eishockeyspieler mit langjähriger Erfahrung im nationalen Sportgeschehen, engagiert sich bereits seit der Ligagründung in der Rechtskommission und war als Vizepräsident des Österreichischen Eishockeyverbands tätig. Seit seinem Amtsantritt als Präsident der win2day ICE Hockey League arbeitet die Liga mit Titelsponsor win2day am „Grow the Bubble“-Projekt, um neue Zielgruppen zu erschließen. Im Interview spricht Gruber über seine bisherige Bilanz, die Herausforderungen sowie über die „Helden der Zukunft“.
Die erste Saison unter dem
neuen Präsidium der win2day ICE Hockey League ist seit rund 50
Tagen in vollem Gange. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz
aus?
„Die Zwischenbilanz ist sehr positiv. Wir haben nicht nur steigende
Zuschauerzahlen in den Arenen, sondern auch eine erhöhte Zahl an
Zuschauern bei den Live-Streams. Damit können wir wirklich
zufrieden sein.“
Worauf führen Sie den Anstieg bei den Zuschauerzahlen
zurück?
„Es ist uns gelungen, eine neue Zielgruppe anzusprechen, die wir
bisher nicht erreicht haben. Neben den langjährigen Eishockeyfans
konnten wir auch Menschen ansprechen, die bislang nicht zum
typischen Eishockeypublikum zählten. Mit gezielten Aktionen haben
wir das Interesse für unser Produkt geweckt und verbreitet. Mit dem
‚Grow the Bubble‘-Projekt haben wir ein deckungsgleiches Ziel wie
unser Titelsponsor win2day, was die Umsetzung enorm
erleichtert.“
Die Maßnahmen des ‚Grow the Bubble‘-Projekts umfassen unter
anderem den Einsatz von Influencern innerhalb der Teams und die
‚Bring-Your-Hero‘-Spieltage, bei denen Dauerkartenbesitzer Freunde
und Familie, also ihre persönlichen ‚Helden‘, zum Spiel mitnehmen
können. Was steckt hinter diesem Projekt und wie fällt das
Zwischenfazit aus?
„Der Kern des Projekts ist es, Menschen zu erreichen, die bisher
keine Eishockeyfans sind. Wir erzählen spannende Geschichten rund
um die Spieler und Vereine, die nicht immer direkt mit den
Geschehnissen auf dem Eis zu tun haben. Es geht darum, mehr als nur
den Sport zu bieten. Wir zeigen Hintergrundinformationen,
persönliche Schicksale und vieles mehr. Das spricht sowohl
bestehende als auch potenzielle neue Fans an. Es freut uns sehr,
dass diese Idee schon jetzt Früchte trägt, obwohl wir uns erst am
Anfang des Projekts befinden und noch viele Maßnahmen geplant
sind.“
Kommen wir zum Sportlichen: Derzeit führen mit Hydro
Fehérvár AV19 und HCB Südtirol Alperia zwei internationale Teams
die Liga an. Grundsätzlich zeigt sich in dieser Saison jedoch, dass
jedes Team jedes andere schlagen kann. Wie ist Ihre sportliche
Analyse dazu?
„Ich denke, dass die aktuelle Tabelle im Großen und Ganzen den
Erwartungen vor Saisonbeginn entspricht. Viele Experten haben damit
gerechnet, dass Fehérvár, Bozen und auch Ljubljana stark in die
Saison starten. Auch die Moser Medical Graz99ers erfüllen bislang
die hohen Erwartungen. Gleichzeitig gab es einige Überraschungen,
die ersten 50 Tage haben gezeigt, dass jedes Team in der Lage ist,
jedes andere zu besiegen. Möglicherweise wird im weiteren Verlauf
der Saison etwas mehr Stabilität einkehren, doch die
Ausgeglichenheit der Liga trägt sicherlich zum gesteigerten
Zuschauerinteresse bei.“
Mit Thomas Raffl und John Hughes gibt es zwei Spieler, die
jeweils über 900 Spiele in dieser Liga absolviert haben. Wie
wichtig sind solche Aushängeschilder, oder ‚Heroes‘, mit denen sich
junge Fans identifizieren können?
„Das ist beinahe lebensnotwendig. Wir brauchen Vorbilder, Idole –
oder eben ‚Heroes‘, wie wir sie seit dieser Saison nennen. Solche
Spieler schaffen eine Konstanz, mit der sich Fans identifizieren
können. Wichtig ist, dass die Teams über Spieler mit bekannten
Gesichtern und Namen verfügen. Diese ‚Heroes‘ repräsentieren den
Sport und vermitteln die Botschaften, die sowohl von den Teams als
auch von der Liga an die Zuschauer herangetragen werden sollen. Die
Spielweise eines Teams wird oft durch einzelne Spieler verkörpert,
und das macht den Sport attraktiver.“
Spieler wie Thomas Raffl oder John Hughes werden jedoch
nicht ewig spielen. Welche Maßnahmen gibt es, um junge Spieler in
ähnliche Rollen zu bringen?
„Das ist eine vielschichtige Aufgabe, an der wir intensiv arbeiten.
Die Vereine verstehen mittlerweile, wie wichtig es ist, junge
‚Heroes‘ zu fördern. Wir brauchen unterschiedliche Typen von
Helden, die dem Publikum gefallen und die Vielfalt des Sports
repräsentieren. Der Geschmack der Fans ist hier sehr
unterschiedlich, oft abhängig von Alter und Geschlecht. Es ist
wichtig, dass jeder Verein nicht nur einen, sondern mehrere
‚Heroes‘ aus verschiedenen Altersklassen hat, die den Club und den
Eishockeysport repräsentieren.“
Apropos Helden: Aktuell befinden wir uns in der
Länderspielpause und die Nationalteams der vier ICE-Nationen sind
im Einsatz. Im 26-Mann-Kader des österreichischen Nationalteams
stehen 20 Spieler, die in der Liga aktiv sind. Ein positives
Zeichen, oder?
„Absolut, das ist eine erfreuliche Bilanz. Dennoch sehe ich noch
Verbesserungspotenzial bei der Vereinsverteilung. Es wäre
wünschenswert, wenn jeder Verein mindestens zwei Spieler im
Nationalteam stellen könnte. Das würde dem Nationalteam, den
Vereinen und auch der win2day ICE Hockey League zugutekommen.
Außerdem könnten sich die Fans dann noch besser mit dem
Nationalteam identifizieren.“
Zurück zum Ligabetrieb: Die Liga arbeitet nun bereits die
dritte Saison mit Titelsponsor win2day zusammen. Wie bewerten Sie
die Zusammenarbeit?
„Es ist uns gelungen, die Ziele der Liga deckungsgleich mit den
Zielen von win2day in Einklang zu bringen. Diese Deckungsgleichheit
erleichtert die Zusammenarbeit mit dem Sponsor ungemein. Wir als
Liga haben die Verantwortung, dem Sponsor für seine Unterstützung
etwas zurückzugeben, und wenn beide Seiten am selben Strang ziehen,
ist das umso einfacher.“
www.ice.hockey, Pic: ICEHL









