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„Bucket list item: check“: Ein Besuch beim Olympischen Eishockey-Turnier!

Die Olympischen Spiele – seit jeher umgibt sie eine besondere Aura, vor allem weil sich die besten Athleten der Welt nur alle vier Jahre zu diesen besonderen Wettkämpfen einfinden. Im Falle des olympischen Eishockey-Turniers ist der Zeitraum zwischen „best-on-best“-Ausgaben sogar noch länger. In Mailand sollte es aber nun endlich wieder so weit sein. Grund genug, um in die Lombardei zu reisen? Ein Rückblick.

Wir spulen einige Monate zurück: im Juli 2025 wurde die Teilnahme der NHL-Stars an den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina 2026 endgültig bestätigt. Die National Hockey League (NHL) wird eine mehrwöchige Pause einlegen und ihren Superstars die Chance geben, ihr Land auf der wohl größten internationalen Bühne zu vertreten. Für europäische Fans somit eine Gelegenheit, Cracks wie Connor McDavid, Jack Hughes, Sebastian Aho und noch viele andere live mitzuerleben.

Diese Chance muss man nutzen

In den letzten knapp 20 Jahren konnte ich einigen NHL- und Junior-Spielen in Kanada beiwohnen, doch diese Chance, „best-on-best“ nicht weit entfernt, wird sich mir vermutlich nicht nochmal so bieten. Doch welche Spiele sollen es schlussendlich sein? Unsere vierköpfige Hockey-Nerds-Gruppe entscheidet sich Tickets für beide Halbfinals in der Santa Giulia Eisarena zu kaufen – wohl mit dem Risiko, dass in den Spielen davor durchaus Überraschungen auftreten können. Anfang Februar 2025, also mehr als ein Jahr vor dem Spieltag, konnten wir Tickets für die Semifinals ergattern. Bewusst entschieden wir uns für den Oberrang – das sollte sich als sehr gute Entscheidung herausstellen. Pro Person und pro Spiel legten wir in etwa 200€ hin.

Neue Arena ließ Zweifel zunehmen

Je näher die Spiele rückten, umso „spannender“ wurde die Situation rund um die neue Arena, die nach den Spielen vor allem als Konzert-Venue genutzt werden soll. Erste Berichte sorgten für Zweifel, ob die NHL nicht doch einen Rückzieher machen wird, doch schlussendlich wurde das Bauwerk so weit fertiggestellt, dass das Turnier bedenkenlos abgehalten werden konnte.

Erstes „Kennenlernen“

Als am 5. Februar das Eishockey-Turnier der Herren mit der Partie Schweden gegen Deutschland eröffnet wurde, stelle sich durchaus eine gewisse Erleichterung ein. Ein Mitglied unserer Gruppe war bereits vor den Halbfinals vor Ort und konnte sich ein erstes Bild hinsichtlich der Infrastruktur machen – und diese ersten Erfahrungsberichte waren durchaus gut. Als glühender Anhänger der finnischen Nationalmannschaft bejubelte er den prestigeträchtigen 4:1 Erfolg von „leijonat“ über Schweden.

Bangen um die Halbfinalteilnehmer

Die Gruppenphase ist beendet: Kanada, die Slowakei, die USA und Finnland stehen fix im Viertelfinale. Nach der Quali-Runde stehen auch Tschechien, Deutschland, die Schweiz und Schweden in der Runde der letzten acht. Seit jeher schlägt mein Herz für Kanada, somit war das Viertelfinale gegen Tschechien wahrlich nicht einfach. Auch weil ein Ausscheiden bedeuten würde, dass ich „meine“ Superstars nicht live sehen würde. Doch mit Mitch Marner schoss ausgerechnet mein Lieblingsspieler der Ahornblätter den Topfavoriten auf Gold in die Semifinals. Seit Marner im zarten Alter von 16 Jahren zum ersten Mal das Trikot der London Knights überstreifte, verfolge ich den Stürmer. Zwölf Jahre später hat er sich zu einem der besseren Spielmacher der Liga entwickelt und hat seinen Platz im Aufgebot Kanadas definitiv verdient. Auch die anderen Viertelfinals sind nichts für schwache Nerven: die USA jubelte über einen 2:1 OT-Sieg über Schweden und Finnland drehte ein 0:2 gegen die Schweiz in einen 3:2 Overtime-Erfolg um. Nur die Slowakei konnte sich gegen Deutschland klar durchsetzen.

Nun geht’s also los

Es ist der 19. Februar und nach über einem Jahr Vorfreude geht es nun endlich in die Lombardei, um den besten Spielern der Welt auf die Kufen zu blicken. Über 650 Kilometer sind es mit dem Auto bis in die 1,3 Millionen Einwohner Stadt, die vor allem durch ihre beiden Fußballclubs, der Medien- und Modeindustrie bekannt ist. Aber Mailand hat definitiv auch jede Menge Historisches und Glamouröses zu bieten. Doch noch sind wir nicht dort, vorher müssen wir noch am Flughafen Bergamo halten und ein Mitglied unserer Reisegruppe einsammeln. Er kommt direkt aus seinem Teneriffa-Urlaub und konnte sich somit die recht lange Autofahrt ersparen.

Bereits vor einem Jahr haben wir unser Apartment in Mailand gebucht. Auch um so den horrenden Kosten rund um den Zeitraum der Spiele aus dem Weg zu gehen. Die nächste Metro-Station ist nur fünf Minuten entfernt – lediglich vier Stationen sind es bis zu jener Station, von welcher die Fans mittels Shuttle-Bus zur Halle gebracht werden. Und dieses Konzept war wirklich gut.

Bring on the semifinals

Die erste Partie, Kanada gegen Finnland, beginnt um 16:40, somit versuchen wir spätestens um halb vier vor der Santa Giulia Eisarena zu sein. Aufgrund der wirklich guten Infrastruktur gelingt und das problemlos und wir können noch ein nettes Erinnerungsfoto mit den Olympischen Ringen machen. Um kurz nach halb vier geht es für uns aber in die Halle, schließlich wollen wir auch dem Warmup beiwohnen. Um zirka 16 Uhr betreten dann Finnland und Kanada das Eis. Herausragend, so viele Weltklassespieler gemeinsam auf dem Eis zu sehen.

Das „Kräfteverhältnis“ in der Halle war wohl 75% Kanada, 25% Finnland, doch die Anhänger der Nordländer machten, wie gewohnt, jede Menge Betrieb. Das Spiel war dann nichts für schwache Nerven. Finnland wie erwartet, Kanada bemüht, aber nicht wirklich zwingend. Mit Fortdauer der Begegnung aber dominant. Die Stimmung beim 3:2 Siegtreffer durch Nathan MacKinnon war absolut elektrisierend. Beim zweiten Semifinale hielt sich die Spannung eher in Grenzen, was man aber auch durchaus erwarten konnte. Die favorisierten US-Amerikaner hatten gegen teils überfordert wirkende Slowaken keine Probleme und buchten problemlos ihr Finalticket. In der Arena lief man auch dem einen oder anderen Prominenten über den Weg, zum Beispiel niemand Geringeren wie Biathlon Superstar Martin Fourcade, der selbst sechs olympische Goldmedaillen gewinnen konnte. Das Erlebnis in der und rund um die neu gebaute Arena war sehr gut. Natürlich ist das Bauwerk nicht zu 100% fertiggestellt, dem Erlebnis schadete dieser Fakt aber nicht. Wir verließen das zweite Halbfinale kurz vor Spielende. Auch bei der Rückfahrt zur Metro-Station gab es überhaupt keine Wartezeiten, das Konzept funktionierte einwandfrei.

„Olympisches Feeling“ in Downtown Mailand?

Vor den beiden Halbfinals besuchten wir natürlich auch die bekanntesten Ecken Mailands: den Dom, die weltberühmte Galerie, die sich gleich daneben befindet, dem Castello Sforzesco und dem Arco della Pace, dem Friedensbogen – dort befand sich auch das olympische Feuer. Natürlich merkte man an jeder „bekannteren“ Straßenecke, in jeder U-Bahn, dass es durchaus anders ist. Der große Olympia-Store war direkt am Domplatz, in der Galerie gab es eine nette Lichtinstallation unter der Kuppel und auch rund um den Dom gab es ein paar „Hinweise“ auf die Spiele. Ihren teil dazu bei trugen auch die vielen Fans, die stolz die Farben ihrer Herkunftsländer präsentierten. Als wir beispielsweise in der nähe des Friedensbogens ein Getränk bei angenehmen 19 Grad genossen, waren wir von Niederländern umzingelt. Kein Wunder, stiegen doch die Eisschnelllaufbewerbe auch in Mailand. Und dort ist diese Nation absolute Weltklasse. Ansonsten: man merkte einfach, dass es viele unterschiedliche Wettkampfstädte gab, die noch dazu auch recht weit voneinander entfernt waren. Das richtige „olympische feeling“ kam daher nicht unbedingt auf.

Preistechnisch gestaltete sich der Kurztrip überraschend günstig: da wir unsere Unterkunft schon sehr früh gebucht haben, konnten wir so den enormen Kosten umgehen. Keine 800€ haben wir für ein geräumiges Apartment, wo jeder von uns Vier einen eigenen Schlafplatz hatte, bezahlt (für insgesamt zwei Nächte). Von der Mautstation Ugovizza bis nach Mailand sind es pro Richtung exakt 40€ und für Sprit sind es um die 140€. Am Abend vor den Halbfinals genossen wir Pizza und Tiramisu – die Rechnung von knapp 110€ schreckte keinen von uns. Achja: am Nebentisch saß mit ZSC Lions Verteidiger Mikko Lehtonen kein Unbekannter. In der Santa Giulio Eisarena kostete das Bier 7€ – nicht günstig, aber in Ordnung.

Rückblickend: der Ausflug nach Mailand war absolut jeden Cent wert. Problemlose Anreise, tolle Unterkunft, sehr gute Infrastruktur in Mailand und rund um die Santa Giulia Eisarena und zwei Halbfinals, die sich wohl mehr aus den Erinnerungen verschwinden werden.

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