Sechs Jahre hütete Felix Brückmann das Tor der Grizzlys Wolfsburg, nun kehrt der gebürtige Freiburger zu den Adlern zurück, um mit Keeper Dennis Endras das Torhütergespann des siebenfachen DEL-Meisters zu bilden. Im Interview spricht Brückmann über die neue Chance in Mannheim, seine schwere Verletzung und den harten Weg zurück aufs Eis.
Felix, willkommen zurück
bei den Adlern. Die wichtigste Frage vorab: Wie geht’s dir? Bist du
gesund?
Ja, das bin ich. Ich bin jetzt gerade zu Hause. Man macht sich
seine Gedanken um dieses Virus und seine Sorgen, aber mir geht’s
gut. Zum Glück.
Das grassierende
Coronavirus hat vor etwas mehr als einer Woche dafür gesorgt, dass
die Playoffs abgesagt wurden. Wie hast du als Spieler diese
Nachricht aufgefasst?
Ich hätte niemals gedacht, dass die Saison ohne Playoffs beendet
wird. Im ersten Moment war es ein Schock für alle. Das konnte man
auch in den Gesichtern der Spieler sehen. Wir waren wie ohnmächtig,
konnten nicht begreifen, was das wirklich bedeutet. Das war eine
merkwürdige Situation.
Aber trotzdem die richtige
Entscheidung, oder?
Ja, sie war alternativlos. Ich hätte ungern vor leeren Rängen
gespielt. Die Entscheidung wurde vor knapp zehn Tagen getroffen,
inzwischen hat sich das Virus sehr dynamisch entwickelt. Es war
definitiv die richtige Entscheidung. Hut ab, muss man auch sagen,
dass die DEL als erste Profiliga diesen Entschluss gefasst hat.
Trotzdem blutet das Sportlerherz, alle hätten gerne die Playoffs
gespielt. Aber die Gesundheit der Menschen geht vor.
Lass uns über deine
Entscheidung sprechen. Nach sechs Spielzeiten in Wolfsburg kehrst
du nach Mannheim zurück, warum?
Ich hatte eine unglaublich tolle Zeit in Wolfsburg. Ich habe einige
Tiefen, aber auch sehr viele Höhen durchlebt. Die Entscheidung für
Mannheim ist dann relativ früh in der Saison gefallen, weil ich
mich gefragt habe, wie ich meine Zukunft gestalten möchte. Ich bin
in Mannheim zum Profi geworden, durfte dort vom Nachwuchsbereich zu
den Adlern wechseln. Dass Mannheim zu den Topadressen in
Deutschland zählt, steht außer Frage. Außerdem kenne ich das Umfeld
und den Trainer. Das sind die Gründe, die letztlich auch dazu
geführt haben, dass ich mich für die Adler entschieden habe. Ich
bin voller Vorfreude auf das neue Kapitel.
Du hast Cheftrainer Pavel
Gross angesprochen, mit dem du bereits erfolgreich in Wolfsburg
zusammengearbeitet hast. Inwieweit hat er deine Entscheidung
beeinflusst?
Mein Start in Wolfsburg unter Pavel war sicherlich nicht einfach,
wenn ich an die Anfangszeit zurückdenke. Aber man sieht, wie
professionell gearbeitet wird. Es ist zwar hart, aber man wird
immer gefördert. In all den Jahren hatte ich immer das Gefühl, dass
ich viel dazulerne und mich weiterentwickle. Ich habe auch
mitbekommen, dass sich in Mannheim unter ihm etwas entwickelt. Die
Möglichkeit, ein Teil davon zu sein, hat sicherlich auch dazu
beigetragen, bei den Adlern einen Vertrag zu unterschreiben.
Du wirst viele bekannte
Gesichter treffen, hast sicherlich auch noch einige Freunde in
Mannheim und kennst dich hier und in der Region aus. Auf was freust
du dich am meisten?
Noch kann ich es gar nicht so wirklich glauben, dass es für mich
wieder zurück nach Mannheim geht. Ich freue mich auf den Verein an
sich und all die Jungs, mit denen ich bereits zusammengespielt
habe, ob in Mannheim, Wolfsburg oder bei der Nationalmannschaft.
Sechs Jahre sind eine lange Zeit, und bei den Adlern hat sich
einiges verändert.
Vor der Saison 2018/19
musstest du dich zwei großen Hüftoperationen unterziehen. Für einen
Keeper gibt es sicherlich keine schlimmere Verletzung. Wie kam es
dazu und wie erging es dir?
Die Probleme und Schmerzen hatte ich schon viel früher, doch keiner
konnte mir sagen, woher sie kommen. Gemeinsam mit den Physios und
Ärzten haben wir vieles ausprobiert, leider ohne Erfolg. Bei den
medizinischen Tests vor der Saison 2018/19 hat sich dann die
Diagnose Hüftimpingement herausgestellt. Es war fünf nach zwölf,
und ich musste sofort operiert werden – nicht nur auf einer Seite,
sondern auf beiden. Ab diesem Zeitpunkt war klar, dass ich die
gesamte Saison ausfallen werde. Ich war natürlich geschockt,
gleichzeitig aber auch froh und erleichtert, Gewissheit zu
haben.
Wie bist du denn mental mit
dieser Verletzung umgegangenen?
Ich habe ein paar Tage für mich gebraucht, um die Diagnose zu
verarbeiten, wusste, dass das eine andere Saison für mich wird. In
der Spielzeit war es nicht meine Aufgabe, im Tor zu stehen und die
Pucks zu stoppen, sondern schnell wieder gesund zu werden. Ich
musste die Situation annehmen und nach vorne schauen, das habe ich
auch gemacht. Während dieser nicht einfachen Zeit habe ich
großartige Unterstützung von Familie und Freunden erfahren, auch
der Club stand immer hinter mir. Zudem hatte ich optimale
Bedingungen, um mich voll und ganz auf die Reha zu konzentrieren.
Obwohl ich zwischendurch immer wieder mit der Situation zu kämpfen
hatte, hat sie mich noch einmal geerdet. Eine Karriere kann schnell
vorbei sein. Daher sollte man immer das Beste daraus machen. Für
mich und fürs Leben habe ich in dieser Zeit sehr viel gelernt. Das
wichtigste ist aber, dass ich wieder schmerzfrei Eishockey spielen
kann.
Wie sah der Rehaprozess
aus?
Nach den Operationen war ich jeweils an Krücken gebunden, einmal
für sechs und einmal für circa zwei Wochen. In den Wochen danach
wurde die Belastung stetig erhöht, bis ich wieder alltagstauglich
war. Das ging zum Glück relativ schnell. Doch danach musste ich die
Muskelkraft aufbauen und meine Beweglichkeit zurückerlangen. Es
waren viele kleine Schritte, ehe ich wieder aufs Eis konnte,
anfangs allerdings nur mit Schlittschuhen und Trainingsanzug. Mit
der Mannschaft konnte ich dann erst Anfang August 2019 wieder
richtig trainieren, davor standen etliche individuelle Einheiten
auf dem Programm. Ich wollte unbedingt wieder in der DEL spielen,
das war mein großes Ziel, und ich bin überglücklich, dass ich das
geschafft habe. Dass dann auch noch relativ früh das Interesse der
Adler kam, war für mich die Bestätigung, dass sich der ganze
Aufwand gelohnt hat.
Zum Abschluss noch eine
Frage: Inwieweit hat sich der Felix Brückmann von 2014 zu dem von
heute verändert?
Grundsätzlich hat sich nicht viel verändert. Sechs Jahre sind aber
eine lange Zeit. Man wird älter, man wird reifer, man sammelt
Erfahrung. Ich habe mit Wolfsburg zwei Finalserien bestritten,
durfte mit zur Nationalmannschaft. Auch privat habe ich in der Zeit
einiges durchgemacht. Aber ich bin immer noch der Felix, den die
Leute kennen, mit den gleichen Werten.
Quelle: Adler Mannheim, Pic: AS Sportfoto / Sörli Binder








