In der schnelllebigen Welt des Profisports stehen oft die glanzvollen Siege, die rekordverdächtigen Leistungen und die unnachgiebige Entschlossenheit der Sportler*innen im Mittelpunkt des Interesses. Aber es gibt auch eine Seite dieser Welt, die oft verborgen bleibt, ein Thema, das nur selten angesprochen wird – die psychische Gesundheit derjenigen, die ihr Leben ihrem Sport widmen. Heute berichten wir über die bemerkenswerte Geschichte von Ty Loney, einem ehemaligen Profi-Eishockeyspieler – in der win2day ICE Hockey League für den EC Red Bull Salzburg, die spusu Vienna Capitals sowie den Moser Medical Graz99ers -, der ins Rampenlicht tritt, um auf die Bedeutung der psychischen Gesundheit im Profisport hinzuweisen.
Ty Loney, 31-jähriger Ex-Profi aus Pittsburgh, Pennsylvania, der fünf Spielzeiten lang in der win2day ICE Hockey League auf dem Eis stand, ist kein Unbekannter in Sachen körperlicher und emotionaler Härte im Profi-Eishockey. Seine sportliche Reise begann im zarten Alter von vier Jahren und führte schließlich zu einer von Leidenschaft und Hingabe geprägten Karriere. Loneys Weg brachte ihn in die win2day ICE Hockey League, wo er für die Moser Medical Graz99ers, die spusu Vienna Capitals und den EC Red Bull Salzburg spielte und schließlich mit den Red Bulls auch Meistertitel gewann. In seiner zweiten Saison bei Salzburg stand Ty Loney jedoch am Scheideweg, der sein Leben veränderte.
„Gesundheit in den
Vordergrund stellen“
Nach zwei Gehirnerschütterungen und anhaltender Depressionen sowie
Angststörungen traf Ty Loney die schwierige, aber notwendige
Entscheidung, sich vom professionellen Eishockey zurückzuziehen.
Sein Weg in diesem Sport war außergewöhnlich, aber es war an der
Zeit, Gesundheit und Wohlbefinden in den Vordergrund zu stellen.
Die Entscheidung des Hockey-Cracks war nicht nur ein persönlicher
Wendepunkt, sondern dient auch als eindringliche Botschaft darüber,
wie wichtig es ist, die psychische Gesundheit in den Vordergrund zu
stellen. „Eishockey war fast 30 Jahre lang das
Beständigste, was ich in meinem Leben gemacht habe. Es war etwas,
auf das ich mich immer gefreut habe, und ich werde es immer
vermissen. Österreich wurde für meine Familie und mich zur Heimat,
nachdem meine Familie und ich fast fünf Jahre dort gelebt hatten,
und ich bin dankbar für all die Freundschaften und Erinnerungen,
die wir auf diesem Weg geschlossen haben. Nachdem ich eine weitere
Gehirnerschütterung erlitten und mein Nervensystem beschädigt
hatte, war es an der Zeit, Abstand zu nehmen. Das letzte Jahr war
sowohl für mich als auch für meine Frau und meine Kinder eine große
Herausforderung. Bei mir wurde eine posttraumatische Angststörung
und eine Depression diagnostiziert, nachdem ich während meiner
letzten Saison einige lebensverändernde Ereignisse durchgemacht
hatte.“
„Es gibt keinen An- und
Ausschaltknopf“
Wie Loney berichtet, bleiben psychische Probleme oft verborgen, da
sie sehr persönlich und schwierig zu bewältigen sind. „Ich
habe Angstzustände und Depressionen immer als einen Umstand
betrachtet, in dem man sich kurzzeitig befindet, den man aber
schnell wieder überwinden kann. Eine schwere Form von Angst und
Depression zu haben, ist etwas, mit dem ich nie erwartet hätte zu
leben. Es gibt keinen An- und Ausschaltknopf, und manchmal hat man
das Gefühl, keine Kontrolle über seinen Körper und seine Gefühle zu
haben. Unerwartete Angstattacken oder lähmende Angstzustände waren
Probleme, mit denen ich nicht umzugehen wusste. Das ergab für mich
keinen Sinn.“
Unermüdliche Unterstützung
von Teamkollegen
Die Kultur des Profisports, die anspruchsvoll und
wettbewerbsorientiert ist, kann die psychische Gesundheit eines
Sportlers erheblich beeinträchtigen. In Loneys Fall war es die
Unterstützung seiner Mannschaftskameraden, Trainer und
medizinischen Fachkräfte, die ihm während seiner schwierigen Reise
einen Hoffnungsschimmer gaben. Ihr unermüdlicher Einsatz bestärkte
ihn in dem Glauben, dass er immer noch ein wertvoller Teil des
Teams war, auch wenn er nicht spielen konnte. „Meine
Mannschaftskollegen haben mich unglaublich unterstützt (das tun sie
auch heute noch), und ich hatte nie das Gefühl, dass ich nicht zum
Team gehöre. Ich möchte meinen Trainern, unserem Physiotherapeuten
in Salzburg Gerald Breymann, allen meinen Teamkollegen, den Ärzten,
die versucht haben, mir zu helfen, und allen anderen, die ich
vielleicht übersehen habe, dafür danken, dass sie mir und meiner
Familie in diesem letzten Jahr geholfen haben. Wir haben alles
Mögliche versucht, um eine Lösung zu finden, aber es gab keine
kurzfristige Antwort, damit ich mich wieder normal fühlen und
wieder spielen konnte.
„Es fühlte sich an, wie ein
Albtraum“
Ty Loneys letzter „routinemäßiger“ Arbeitstag als Eishockeyprofi
war am 29. Jänner 2023 beim Spiel in Wien. „Ich hatte beim
Warm-Up eine Panikattacke auf dem Eis und dann noch einmal in der
Umkleidekabine. Ich konnte nicht mehr klar denken, meine Augen
hüpften überall hin, und es fühlte sich an wie ein schlimmer
Albtraum. Dank der Unterstützung meines Trainerstabs und meiner
Mannschaftskameraden konnten alle mit der Situation
umgehen.“
Trotz seines plötzlichen Karriereendes und seiner Erkrankung verbindet er seine Zeit als Hockeyprofi und seine fünf Saisonen in der win2day ICE Hockey League mit positiven Erfahrungen. „Ich kann mich wirklich glücklich schätzen, dass ich eine so großartige Karriere hatte. Wir wurden mit einer unglaublichen Chance in Graz gesegnet, haben in Wien lebenslange Freunde gefunden (und dort unsere Tochter bekommen), konnten mit Salzburg zwei Meisterschaften gewinnen und dabei unglaubliche Menschen kennen lernen. Ich wollte das Spiel nie verlassen und werde hoffentlich eines Tages als Trainer, GM oder im Front Office zurückkommen. Bis dahin hoffe ich, dass jeder in der win2day ICE Hockey League gesund bleibt und eine unvergessliche Saison erlebt. Genießt die langen Busfahrten, spielt ein paar Karten, schießt ein paar Tore und genießt die weitere Reise in dieser Liga.“
„Niemand ist
allein“
Eine der größten Hürden bei der Bewältigung psychischer Probleme
ist die mangelnde Bereitschaft, Hilfe in Anspruch zu nehmen,
insbesondere bei Sportler*innen, an die oft gesellschaftliche
Erwartungen bezüglich Stärke und Belastbarkeit gestellt werden. Der
ehemalige Hockey-Profi hat eine herzliche Botschaft für
Athlet*Innen, die mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert
sind: „Ich hoffe, dass niemand da draußen Angst davor hat,
Hilfe zu suchen, wenn er glaubt, dass er sie braucht“. Er
betont, dass „das Leben in einem ständigen Zustand von
Stress und Depression, das Gefühl, keine Kontrolle zu haben und ein
Gefühl der Leere zu ertragen, eine unglaublich schwierige Erfahrung
ist. Hilfe zu suchen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Akt
des Mutes“. Seine Worte sollen sie daran erinnern, dass
niemand alleine ist und dass es Menschen gibt, die verstehen, was
sie durchmachen. „Ich war normalerweise in der Lage, ein
Lächeln auf mein Gesicht zu zaubern, mit den Leuten zu lachen und
zu scherzen, aber das Gefühl ständiger Leere und ein Leben ohne
Farbe zu führen, war immer in mir. Es ist schwierig zu erklären,
aber ich bete, dass andere Menschen nicht damit konfrontiert
werden. Falls aber doch: es ist niemand allein – es gibt
professionelle Hilfe“.
„Mit meiner Geschichte
anderen Menschen helfen“
Ty Loneys persönlicher Weg und seine Arbeit als „Mental Health
Botschafter“ tragen nun dazu bei, das Bewusstsein für psychische
Gesundheit zu schärfen, insbesondere im Zusammenhang mit dem
Profisport. „Ich möchte, dass meine Erfahrung oder meine
Geschichte anderen Menschen helfen kann, die vielleicht etwas
Ähnliches durchmachen. Profisportler*in zu sein, ist der beste Job
der Welt. Es ist extrem herausfordernd, aber auch unglaublich
lohnend. Es gibt so viele Menschen, die mit Problemen zu kämpfen
haben, von denen wir nichts wissen, wenn wir sie nicht danach
fragen.“
Ty Loneys professionelle Eishockeykarriere mag zu Ende gegangen sein, doch sein Wirken als „Botschafter“ der psychischen Gesundheit hat gerade erst begonnen. Wir gratulieren Ty Loney für seine Widerstandsfähigkeit, seine Ehrlichkeit und sein Engagement, das Stigma der psychischen Gesundheit im Profisport zu durchbrechen.
Anlaufstellen für
persönlich Betroffene:
Anlaufstellen Österreich:
• 112 Nationale Notrufnummer
• 116 123 Ö3-Kummernummer (Erstanlaufstelle für
alle Menschen in persönlichen Notlagen)
• 142 Telefonseelsorge.
• 147 Rat auf Draht – Beratung für Kinder und
Jugendliche.
Anlaufstellen Italien:
• 112 Nationale Notrufnummer
• 02 2327 2327 Telefono AMICO Italia
• 0800 86 00 22 Samaritans – ONLUS
• 800 274 274 nummero verde (da
cellulare 0229007166)
Anlaufstellen Ungarn:
• 112 Nationale Notrufnummer
• 116 123 LESZ – Magyar Lelki Elsősegély
Telefonszolgálatok Szövetsége
• 116 111 Blue Line – Anonim gyermekkrízis
segélyvonal
Anlaufstellen Slowenien:
• 112 Nationale Notrufnummer
• 116 123 Zaupni telefon Samarijan
• 116 111 TOM – telefon za otroke in
mladostnike
• (01) 520 99 00 Klic v duševni
stisk
ice.hockey , Bild: GEPA pictures/ Gintare Karpaviciute









