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NHL: Soll die NHL auch eine Sommersaison spielen?

Die California Classics, die Salt Lake City Summer League und die Las Vegas Summer League sind allesamt fester Bestandteil des NBA-Sommerfahrplan außerhalb der regulären Saison. In diesen Sommerligen können sich die Rookies beweisen aber auch all jene Spieler, die in ihrer ersten Saison auf keine oder nur wenige Einsätze gekommen sind und für das NBA-Management, aber auch alle Fans, besteht die Möglichkeit sich die neuen Spieler anzusehen, die ihrerseits die Chance haben, sich an das NBA-Spiel zu gewöhnen.

Wenn also die NBA nach einer neunmonatigen offiziellen Saison, die erst einen Monat zuvor endet, erfolgreich ein Sommerprogramm durchführen kann, warum kann oder sollte es die NHL dann auch nicht tun? Würden sich die Fans so einem Spielkalender anschließen, wenn mitten im Hochsommer der Puck auf dem Eis gespielt wird?

Grundsätzlich gibt es in der NHL-Sommerveranstaltungen, aber es handelt sich dabei lediglich um inoffizielle Miniturniere, die von ausgewählten Teams vor allem für Neuverpflichtungen und Nachwuchsspieler veranstaltet werden.

Die Vancouver Canucks veranstalten seit 2010 ihre „Young Stars Classic“ mit den Edmonton Oilers, Calgary Flames und Winnipeg Jets, diese wurde jedoch aufgrund der Covid-Pandemie und des Ausscheidens der Oilers und der Flames im letzten Sommer und auf 2024 verschoben. Erst dann werden sich die Nachwuchshoffnungen im Sommer wieder in die Auslage spielen können, und sollte es auch nur für wenige Spiele sein. Die Young Stars Classic soll sowohl im kommenden September als auch im nächsten Jahr wieder stattfinden.

Ähnlich wie die berühmte „Crawsover Summer League“ (benannt nach dem Veranstalter Jamal Crawford) oder die „Drew League“, die in der NBA-Spieler für potenzielle Neuverpflichtungen gespielt wird, bietet die NHL mit dem „Traverse City Tournament“ in Detroit oder der beliebten „Da Beauty League“ eine eigene Variante von Sommerturnieren an. Bei diesen treten NHL-, AHL- und NCAA-Division-1-Spieler in einem spannenden Vier-gegen-Vier-Format an.

Die Austragungsorte

Wie die NBA könnte auch die NHL einen sogenannten „Hockey-Hub“ schaffen, der alle 32 Teams entweder in eine kleinere Stadt einlädt, um beim Aufbau der eigenen Sommerliga zu helfen, oder es in eine Metropole wie Toronto, Miami oder LA zu holen, wo es ebenfalls mehrere Unterhaltungsmöglichkeiten abseits der Arenen gibt. Genau wie das Spielen mobiler Casinospiele während eines Roadtrips könnte die NHL-Summer League zu einem festen Bestandteil der Sommerurlaubspläne der Fans werden. Eine weitere Option für die NHL wäre, die Liga im Ausland auszurichten, da auf der anderen Seite des Atlantiks häufig bereits Freundschafts- und reguläre Meisterschaftsspiele stattfinden.

Die Regeländerungen

Wie bei der NBA würde eine NHL-Sommerliga die Möglichkeit bieten, einige geringfügige Änderungen an den Regeln oder der Spielstruktur vorzunehmen, ohne die Leistungen der einzelnen Teams in der regulären Spielzeit zu beeinträchtigen. Während die NBA in den Sommerturnieren zehn Fouls zulässt, bevor sie aus einem Sommerligaspiel ausgeschlossen werden, könnte in einer NHL-Version unter Umständen die Trefferquote begrenzt werden oder die Strafzeit für übermäßiges körperliches Spiel ausgeweitet werden. Ganz gleich, ob es darum geht, an einer Powerplay-Aufstellung herumzubasteln oder eine unkonventionelle Drei-Verteidiger-/zwei-Stürmer-Reihe in einem Fünf-gegen-Fünf-System zu spielen, diese unkonventionellen Herangehensweisen an das Spiel könnten einem Testlauf ohne ernsthafte Konsequenzen unterzogen mit sich ziehen.

Die Vorteile für die Spieler

Während sich die Liga weiterhin um jüngere Stars und Nachwuchstalente kümmert, würde eine NHL-Sommerliga ihnen eine echte Chance geben, in einem spielähnlichen Umfeld mehr Einblicke und Kontaktmöglichkeiten in die Gebarungen der NHL und deren Trainer und ehemaligen Spitzenspieler zu erhalten. Während manche Kritiker argumentieren, dass eine Sommerliga vor allem viel Zeit für das Training und die Entwicklung individueller Fähigkeiten begrenzen würde, ist es aber gegenwärtig Tatsache, dass es keine Möglichkeit gibt, ein echtes Hockeyspiel in einer Einzel- oder Kleingruppen-Trainingseinheit nachzuahmen.

Für ehemalige Spitzenspieler, die schlussendlich im Ausland gelandet sind, wäre diese Möglichkeit – wie bei der NBA – eine zweite Chance, einen ersten Eindruck bei den Verantwortlichen zu hinterlassen. In einem Umfeld ohne viel Leistungsdruck und potenziell hohen Erfolgsaussichten könnten diese Spieler, die möglicherweise bis jetzt nicht am Radar der Coaches gewesen sind, einen Weg finden, in das System eines NHL-Teams zu gelangen. Dort können sie ihr Talent und ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen und so manchen Zweifler eines Besseren belehren.

Die Trainer

Die meisten NBA-Summer League-Teams werden nicht von den einzelnen Cheftrainern, sondern von einem weniger erfahrenen Trainerstab trainiert. Die NHL könnte das Gleiche tun, da dies dazu beitragen würde, der nächsten Welle von Trainern echte Spielerfahrung zu bieten und einen größeren Pool an Optionen für Teams aufzubauen, die auch nach einer neuen führungsstarken Stimme in der Umkleidekabine suchen.

Die einzelnen Teams könnten auch auf ihre ehemaligen Leistungsträger oder auf aktuellen Stars zurückgreifen: Stellen Sie sich vor, Ray Bourque oder David Pastrnak auf der Bank der Boston Bruins zu haben oder Mark Messier und Connor McDavid leiten an der Bande das Geschick der nächsten Generation der Edmonton Oilers.

Die Risiken

Mit jeder Neuerung geht auch ein gewisses Maß an Risiko einher. Wie bei allen gängigen Sportarten sind junge Spieler bereits in frühen Jahren einem hohen Spiel- und Trainingsaufkommen ausgesetzt. Die Aufnahme weiterer Spiele in ihren Zeitplan könnte für diese Personen möglicherweise ein erhöhtes Verletzungsrisiko darstellen, ganz zu schweigen von der Abnutzung ihres Körpers durch zusätzliche Schläge oder den Versuch, selbst ihre Fähigkeiten zu übertreffen, um den eigenen Wert unter Beweis zu stellen und so die Verantwortlichen zu überzeugen.

Die zeitliche Planung

Eines der eklatanten Probleme bei der Ausrichtung einer Sommerliga in der NHL wäre, dafür die entsprechende Zeit zu finden. Derzeit beginnt die Vorsaison bereits Ende September, die reguläre Saison beginnt Anfang Oktober. Die Playoffs beginnen dann Mitte April und der letzte Puck flitzt zwei Monate später über das Eis.

Wann wäre also der beste Zeitpunkt für die NHL, eine offizielle Sommerliga zu veranstalten? Im Idealfall scheint es Ende Juli zu sein, wenn nur die Major League Baseball im Fernsehen zu sehen ist. Dies würde Spielern, die eine lange Playoff-Laufzeit absolviert haben, Zeit geben, sich zu erholen, und drei bis fünf Wochen Ruhe haben, bevor sie wieder ins Trainingslager gehen.

Die Fans

Wären die Fans bereit, an einem heißen, sonnigen Sommernachmittag/-abend ins Stadion zu kommen, oder sich auf der Terrasse, am Strand oder im Urlaub ein bedeutungsloses Sommerligaspiel im TV anzusehen? Auch wenn die Zuschauerzahlen bei der NBA-Summer League im Laufe der Jahre auf ausverkaufte Häuser angestiegen ist, ist ein Teil der Attraktion die gebotene Spannung, und das Gleiche gilt auch für die NHL – je nachdem, wo sie spielt, könnte sich daraus etwas Großes ergeben, das nicht nur an den Zuschauerzahlen gemessen wird

Für die Zukunft gilt: Um relevant und interessant zu bleiben und mit den anderen drei Major-League-Sportarten mithalten zu können, wird es der NHL nicht schaden, im Sommer über ein wenig Eishockey-Action und Spannung nachzudenken.

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